Alte Sakristei aus Dornröschenschlaf erwacht

Ausstellung: Ein Gnadenbild im Bunker

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Die Küsterin von St. Peter und Paul, Anette Jung, präsentiert mit einigen Frauen der Katholischen Frauengemeinschaft sowie Maria Bauer vom Heimatverein (zweite von rechts) ein Messgewand, das jetzt auch in der Ausstellung zu bewundern ist. In diesem „Bunker“ (Bild rechts) wurde das Gnadenbild im Zweiten Weltkrieg aufbewahrt. Dort blieb es unversehrt und spendete den Gläubigen Trost. Heute ist dort eine wunderschöne Marienstatue zu bewundern.

Dieburg - Eine sehenswerte Ausstellung zum Thema „Wallfahrt“ ist jetzt in der Gnadenkapelle eröffnet worden. Als Ausstellungsraum dient die alte Sakristei, die aus einem sehr langen Dornröschenschlaf erwacht ist und nun der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Von Stephanie Stiefler 

Die Eröffnung der Wallfahrtsausstellung wurde nach dem Abendgottesdienst an Mariä Himmelfahrt von vielen Interessierten mit Spannung erwartet. Neben den Damen der Katholischen Frauengemeinschaft St. Peter und Paul und Vertretern des Heimatvereins, den Organisatoren der Ausstellung, strömten nach einer kurzen Ansprache von Pfarrer Alexander Vogl so viele Interessierte in den neu renovierten Raum, dass scherzhaft eine Ampelregelung angeregt wurde, um so den Ansturm besser steuern zu können. Viele Jahre war der Raum, der durch eine unscheinbare Tür schräg gegenüber des Haupteingangs zu betreten ist, als Abstellkammer genutzt worden. Jetzt erstrahlt die ehemalige Sakristei mit dem gotischen Gewölbe in neuem Glanz. Im ganzen Raum sind die unterschiedlichsten Gegenstände zu entdecken, die mit der Dieburger Wallfahrt in Verbindung stehen: Wallfahrtsbüchlein, Marienstatuen, Ansichtskarten, Andenken und Dokumente, die Wallfahrten in früheren Zeiten betreffend sowie mehrere Kopien des Gnadenbildes. Besonders bewundert wurde die originale Marienkrone der Dieburger Pietá, die zusammen mit dem Schleier (der nicht mehr erhalten ist) im Jahr 1922 von dem Gnadenbild entfernt wurde.

Viele Ausstellungsstücke sind private Leihgaben aus der Dieburger Bevölkerung, andere sind aus den Beständen des Heimatmuseums. „Besonderer Dank geht an unseren Sponsor, die Sparkasse“, betonen Maria Bauer, Vorsitzende des Heimatvereins und einige Damen des Orga-Teams der Katholischen Frauengemeinschaft St. Peter und Paul. „Auch das Museum hat uns sehr geholfen. So sind die Vitrinen Leihgaben von dort“, betonen die Ausstellungsmacherinnen.

Auf den Spuren der Pilger durch die Kroppacher Schweiz

Etwas ganz Besonderes war für viele Besucher der Ausstellungseröffnung, dass sie den sogenannten Muttergottesbunker wieder oder erstmals sehen konnten. In dieser splittersicher ausgebauten, gemauerten Nische wurde das Dieburger Gnadenbild, die Pietá, in der Zeit des Zweiten Weltkrieges ab dem Jahr 1941 aufbewahrt. Hier konnten die Gläubigen auch in dieser schweren Zeit Trost bei der Muttergottes suchen. Die Zeitzeugin Hedwig Thomas erinnert sich: „ Hier war ich während des Krieges oft mit meinen Eltern. Besonders die schönen Maiandachten sind mir in Erinnerung. Und es war eine Zufluchtsstätte, viele beteten für Vater, Brüder, Onkel, die im Krieg waren.“

Bei Gefahr wurde die Skulptur von gut zwölf Zentimeter dicken Toren geschützt. Eigentlich hätte das Gnadenbild nach dem Willen der damaligen Obrigkeit nach Darmstadt ausgelagert werden sollen, aber die Dieburger widersetzten sich. „Mein Urgroßvater, Jakob Bensheimer, war Architekt und federführend mit daran beteiligt, dass die Pietà hier in Dieburg bleiben konnte. Und er entwarf den Bunker“, erinnert sich eine Ausstellungsbesucherin. Ein Glück für alle Gläubigen, denn so blieb das Gnadenbild in Dieburg – in Friedens- und erst recht in Kriegszeiten.

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