Lehrlings-Projekt

Wenn's ums Geld geht, Azubi!

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Diese Berufsanfänger leiteten die Geschäftsstelle für eine Woche: (vorne von links) Robin Schmidt, Patrick Böhm, (hinten von links) Corinna Kulas, Jessica Dziwis und der vorübergehende Geschäftsstellenleiter Peter Geisenhof. Der sechste Nachwuchs-Bankkaufmann, Christian Müller, befand sich im Beratungsgespräch.  

Dieburg - Eine Woche lang managen Auszubildende und junge Bankkaufleute eine Sparkassen-Filiale. Ohne doppelten Boden wagte die Bank das Experiment jedoch nicht. Von Sarah Neder 

Wenn Plakate sprechen könnten, würde der Aufsteller vor der Sparkassenfiliale „Wir sind die geballte Kompetenz!“ brüllen. Das Foto zeigt sechs junge Menschen im Einheitsguck. Hemden ohne Falten, Lächeln mit Zähnen. Die Krawatten der Männer passen zu den Halstüchern der Frauen.

Das Sextett, das sind Auszubildende und junge Bankkaufleute bei der Sparkasse. Sie leiten eine Woche lang die Dieburger Geschäftsstelle an der Frankfurter Straße – mit echten Kunden, echten Verträgen, echtem Geld. Ein Gremium um Vorstandsmitglied Markus Euler und Ausbildungsleiterin Marion Schütz hat die Teilnehmer aus rund 60 Lehrlingen ausgesucht. Aufgrund ihrer Leistung.

Kundenorientierung steht im Vordergrund

Einer der Auserwählten ist Peter Geisenhof. Der Mosbacher ist 22 Jahre alt, hat Mitte Januar seine Ausbildung zum Bankkaufmann beendet und sitzt beim Projekt „Nachwuchsfiliale“ auf dem ergonomischen Bürostuhl des Chefs. Nach dem ersten Auswahlverfahren konnten sich die Teilnehmer auf den Posten des Geschäftsstellenleiters bewerben, den sonst der 25-jährige Christian Selzer besetzt. Geisenhof überzeugte. Ausbildungsleiterin Schütz schwärmt: „Das Gespräch mit ihm war beeindruckend.“ Vor allem seine Kundenorientierung sei entscheidend gewesen. Für den frisch Ausgelernten ein hohes Gut: „Kundenzufriedenheit ist das Fundament meiner Arbeit.“ Um die zu sichern, schuftet das gesamte Nachwuchs-Team akribisch.

Die junge Bankkauffrau Jessica Dziwis etwa stürzt sich am späten Nachmittag noch in Beratungstermine, obwohl dann schon alle Zeichen auf Feierabend stehen. Die Arbeit mit den Menschen mache ihr Spaß, sagt die 21-Jährige. Sie findet das Projekt „total aufregend“, denn man könne beweisen, was man kann.

Positive Resonanz

Was Jessica Dziwis und ihre Kollegen in dieser Woche zeigen, haben sie zum größten Teil in der Ausbildung gelernt. Vorbereitung auf spezielle Eigenschaften der Kunden, technische Feinheiten und Telefontraining gab es in einer zweitägigen Schulung obendrauf – auch bei Nachwuchsführung sollen Kunden keinen Unterschied zur sonstigen Beratung merken. „Bisher gab es durchweg positives Feedback auf unsere Azubi-Geschäftsstelle“, berichtet Übergangs-Chef Geisendorf, der alle, die vorbeikommen über das Berufsstarter-Experiment informiert.

Wer wichtige Geldfragen aber doch lieber mit jemand Erfahrenem klärt, der kann auf Christian Selzer zurückgreifen. „Herr Selzer ist unser Back-up“, erklärt Markus Euler dessen Rolle. Im Hintergrund wache er über die Nachwuchsberater und greife – wenn nötig – auch ein, so Euler. Das Vorstandsmitglied erzählt, dass das Projekt die Idee eines Azubi-Jahrgangs gewesen sei. Deren Umsetzung bei der Dieburger Sparkasse sei ein Novum, das sich aber in Zukunft etablieren soll, so Euler.

Denn auch die älteren Filialmitarbeiter profitieren vom Projekt: Sie arbeiten in dieser Woche in Abteilungen, mit denen sie sonst nichts zu tun haben. Das biete Abwechslung vom Berufsalltag, so Euler.

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