Bach im modernen Jazz-Gewand

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Das Thomas Gabriel Trio begeistert zum Auftakt der Dieburger Schlosskonzerte. Präsentierten Barockmusik im neuen Gewand: das Thomas Gabriel Trio spielte zum Auftakt der Dieburger Schlosskonzerte „Bach-Jazz“ in der Römerhalle.

Dieburg - Worin unterscheiden sich Jazzinterpreten und Musiker des klassischen Genres? Letztere „duschen vor dem Konzert, Jazzmusiker danach“, sagte Thomas Gabriel schmunzelnd. Von Ursula Friedrich 

Wann der Organist und Pianist, aber auch die Musikerkollegen Gunnar Polansky (Bass) und Martin Klusmann (Schlagzeug) ihre Körper am Samstag der Reinigung unterzogen, blieb ungeklärt.

Vielleicht zweimal, denn das Thomas Gabriel Trio ist in beiden Welten zu Hause. Klassische Barockmusik verjazzt? Ungewöhnliche Kost gab es zum Auftakt der Dieburger Schlosskonzertreihe. Doch praktikabel. Die Übersetzung des anspruchsvollen Werks von Johann Sebastian Bach in die unbeschwerte Welt der Jazzmusik war für manchen Zuhörer in der Römerhalle musikalisches Neuland.

Doch nicht zuletzt aufgrund der Professionalität und  Leidenschaft des Thomas Gabriel Trios ein Hörgenuss. Im Gegensatz zu früheren Versuchen, Bach zu verjazzen, wahrte Gabriel stets das ursprüngliche „Gerüst“ des zugrunde liegenden Werks.

Wo sich der Altmeister jedoch in intellektueller Dramatik in immer höhere Sphären verstieg, antwortete Thomas Gabriel, der alle Stücke neu bearbeitet hat, mit swingender Heiterkeit und einer Rhythmik, der sich selbst jene nicht dauerhaft entziehen konnten, die Jazzmusik selten erleben. Gewürzt wurde all dies von der äußerst sympathischen Moderation des Pianisten. Mit feinem Gespür für das Publikum gab er kleine Anekdoten und Wissenswertes  zum Besten. Ohne lehrmeisterlichen Unterton.

Zurück am Instrument schien das Trio im unbekümmerten Swing davonzupreschen. Und, nein, Kehrtwende, der Bach´schen Literatur erneut Raum zu bieten. Toccata und Fuge in d-moll für Orgel wurde zu einer mitreißenden Neuschöpfung an Piano, Schlagwerk und Bass. Ein erfrischendes Experiment, jedoch mit dramatischen Pointen des Originals. Freilich, der Aufforderung mitzusingen (Lobet den Herren in den Schübler Chorälen) wollte und konnte niemand nachkommen. Dennoch ging das Herz auf, als das Trio im Konzert a-moll (an dessen Entstehung Bach selbst bei Antonio Vivaldis Komposition tüchtig abkupferte) alle virtuosen Register zog.

„Bach im modernen Gewand“, brachte es Konzertdirektor Richard Berg auf den Punkt, der das diesjährige Programm der Schlosskonzerte wieder mit hochkarätigen Musikern bestückte. Eine facettenreiche Komposition, die am Samstag, 25. April, mit dem Pianisten Christoph Soldan unter dem Motto „Mozart - Musik und Briefe“ fortgesetzt wird.

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