Wie zu Besuch bei Freunden

Alt- und Neudieburger tauschen sich aus

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Paparunde: Nette Gespräche zwischen Alt- und Neudieburgern, Kaffee, Kuchen und Kindergeplapper kennzeichneten das dritte Begegnungscafé im evangelischen Gemeindehaus.

Dieburg - Immer wieder berichten die Medien von Übergriffen auf Flüchtlingseinrichtungen. Höchste Zeit, positive Entwicklungen in Richtung eines friedlichen Miteinanders in den Fokus zu rücken. So wie es am Samstag in Dieburg zu erleben war. Von Ursula Friedrich 

Zum dritten Mal öffnete sich das Begegnungscafé des Asylkreises. Der Saal im evangelischen Gemeindehaus wurde förmlich überrannt. Er wurde zur turbulenten Begegnungsstätte von Menschen unterschiedlichster Nationen. Zwischen Kuchenbüfett, Fingerfood, voll besetzten Tischen und der rege genutzten Kinderecke, drängte sich Hans Albers, Koordinator des Asylkreises Dieburg in eine leere Ecke, um seinen jungen „Fans“ Tricks aus dem Zauberkasten vorzuführen. „Aus dem Asylkreis haben sich inzwischen mehrere Einzelgruppen herauskristallisiert“, erklärte Daniel Dockhorn-Böhmer. Eine dieser Gruppen ist für Veranstaltungen verantwortlich, wie das Begegnungsfest, das nun im Rahmen des Flüchtlingscafé regelmäßig alle vier, fünf Wochen angeboten werden soll.

Dem Asylkreis ist es gelungen, einen umfangreichen Wochenplan mit Spielenachmittagen, Deutschkursen, Mädchentanz-AG und mehr auf die Beine zu stellen. Ein wichtiges Standbein des ehrenamtlich agierenden Kreises sind die Paten. Sie kümmern sich um Neuankömmlinge, Kinder und Familien. Die Zahl der Helfer ist für Koordinator Albers kaum zu beziffern: 70 Mitglieder des Asylkreises hat er inzwischen in seinem direkten E-Mail-Verteiler, doch viele sind wiederum Multiplikatoren, etwa die Aktiven aus Kirchengemeinden, Caritas und Vereinen. „Da stehen irre viele Menschen hintendran, die einfach da sind, wenn man sie braucht“, sagte Albers. „Die Dieburger haben eine tolle soziale Kompetenz.“ Manch einer engagiert sich punktuell, andere konstant. Zu tun gibt es genug, denn derzeit leben 144 Flüchtlinge in Dieburg, davon sind 26 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge (UMAs). Der Landkreis hat inzwischen 214 minderjährige Asylsuchende aufgenommen, 3355 Menschen sind es insgesamt (Stand 31.1.2016).

Über die Hälfte der in Deutschland eintreffenden Flüchtlinge stammen aus Syrien und arabischen Herkunftsländern. Auch Hamza A. ist mit seiner Familie vor dem Krieg in Syrien geflüchtet. „Ich bin vor sieben Monaten nach Dieburg gekommen“, erzählt er im frisch erlernten Deutsch. Er habe schon viele Freunde gefunden, so Hamza, und zeigt in die Runde. „Ich gehe in die Marienschule“, erklärt ein kleiner Afghane ernsthaft, der dort die Integrationsklasse besucht und eifrig an den Deutschkenntnissen feilt. „Alle sind ungeheuer lernbegierig“, so Daniel Dockhorn-Böhmer. „Ich lade jeden ein, Kontakte aufzubauen. Das ist unser Ziel: Alt- und Neudieburger zusammenzubringen und eine Atmosphäre wie heute zu schaffen, als wäre man zu Besuch bei Freunden.“ Brücken schlagen können Kochfreunde vielleicht gar hinterm Herd, denn auch ein weiterer Kochabend steht auf der Agenda. Die Aufgaben werden 2016 weiter wachsen. Bis Ende Juni werden im Landkreis 1590 neu aufzunehmende Flüchtlinge erwartet, 214 in Dieburg. Doch mit den Flüchtlingsströmen wächst die Gemeinschaft der Helfenden. Aus Groß-Umstadt kamen zwei engagierte Frauen, die sich spontan dem Projekt „Mini Decki“ angeschlossen haben. Aus Stoffresten und Kinderbettwäsche nähen sie flauschige Decken für Flüchtlingskinder. Im übervollen Gemeindehaus fanden die Handarbeiten guten Absatz: 25 Kuscheldecken wurden gleich vor Ort verteilt.

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