Stadt-App: bürgernah und arbeitssparend

Beschwerde per Fingertipp

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Stolz führt´s Renee Exner am Smartphone vor: Mit der App können Bürger 24 Stunden am Tag Beschwerde einreichen.  

Dieburg - Arbeitssparend und bürgernah soll die neue App der Stadt Dieburg sein, mit der sich Anwohner 24 Stunden am Tag über Verkehr oder Müll beschweren können. Wieso die Anwendung aber keine Mitarbeiter ersetzen wird. Von Sarah Neder

Wenn Beamte und Software-Entwickler etwas gemeinsam haben, dann eine Vorliebe für Abkürzungen. Wenn Programmierer von Apps sprechen, meinen sie Applications, zu Deutsch Anwendungen, die wir auf unseren Smartphones installieren.

Klar, dass die App, die Software-Experten für städtische Verwaltungsapparate entwickelt haben, auch eine Abkürzung als Namen trägt: AEM – drei Buchstaben, die für Anregungs- und Ereignismanagment stehen und die, nachdem sie ihren Euphemismus abgeschüttelt haben, Beschwerde-App meinen.

Das Prinzip: Jeder Bürger kann sich die Anwendung auf sein Handy laden. Kostenlos. Dann gilt es, mit offenen Augen durch die Stadt zu gehen: Illegale Müllentsorgung, eine flackernde Straßenlaterne, Hundekot auf dem Gehweg oder ein herrenloses Fahrrad – wenn den Bürgern etwas Derartiges auffällt, können sie es mit der App im Rathaus melden: direkt, unbürokratisch, jederzeit.

Bisher 70 Beschwerden eingegangen

Seit August vergangenen Jahres gibt es das Programm auch in Dieburg. Bereits im März 2014 diskutierten die Stadtverordneten über deren Einführung. Entgegen aller Zweifel konnte sich der Vorschlag von CDU-Politiker Renee Exner doch durchsetzen.

Seitdem sind per App rund 70 Beschwerden im Rathaus eingegangen. Theo Beilstein, Personalchef bei der Stadt Dieburg und für deren Homepage verantwortlich, zeigt am Beispiel einer defekten Ampelanlage, wie Beanstandung 2.0 funktioniert: „Der Nutzer wählt erst den Standort der kaputten Ampel aus. Dann gibt er an, um welche Beschwerde es sich handelt“, erklärt Beilstein.

Das defekte Verkehrslicht wäre unter dem Stichwort „Ampelanlage“ zu verbuchen. Anschließend könne der technisch bewanderte Bürger noch ein Foto schießen, es hochladen und samt Namen und E-Mail-Adresse ans Rathaus senden.

Beschwerde geht bei zuständiger Stelle ein

Schneller als der Absender Kupferkabel buchstabieren kann, flitzt die Nachricht via Internet durch eben jene und landet, dank vorheriger Auswahl der Kategorie, direkt im E-Mail-Posteingang der zuständigen Stelle. „Bei der beschädigten Ampelanlage etwa steht das Bauamt in der Pflicht“, ergänzt Beilstein.

Als Gegenleistung informiert die Stadt den Absender über den jeweiligen Bearbeitungs-Status seiner Beschwerde, die nach sorgfältiger Prüfung mit einem Zeichen in der interaktiven Stadtkarte Dieburgs vermerkt wird. Rot, gelb, grün: In Ampelfarben verraten die Piktogramme, ob die Beschwerden eingegangen, in Bearbeitung oder abgeschlossen sind.

„Nutzer sehen so, welche Beschwerden schon eingereicht wurden“, erläutert Exner. Doppeltes Monieren sei, zumindest auf technischem Weg, ausgeschlossen.

Vorsicht! So werden Sie täglich überwacht

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In klassischer Mängel-Manier ist mehrfaches Meckern aber noch möglich. Bürgermeister Dr. Werner Thomas betont, dass Briefe und Anrufe weiterhin gängige Mittel bürgerlicher Beteiligung bleiben: „Unsere Damen am Empfang leiten die Beschwerden zuverlässig an die zuständigen Ämter weiter.“ Angst vor betriebsbedingter Kündigung wegen der App müsse deshalb keiner haben, sagt Thomas augenzwinkernd.

Das Programm „Anregungs- und Ereignismanagment“ gibt es kostenlos im Appstore oder auf der Internetseite der Stadt:www.dieburg.de.

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