Wehmütiges Feiern bis zum Zapfenstreich

Dieburger Biergarten schließt nach 36 Jahren

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Feiern, Freunde treffen, abtanzen – das ist jetzt im Dieburger Biergarten nicht mehr möglich. Umso ausgelassener war die Abschiedsparty am Wochenende

Dieburg - Mit einer fulminanten Abschiedparty ging die Ära des Dieburger Biergartens zu Ende. Zurück bleiben viele schöne Erinnerungen und eine nie ganz erlöschende Jugend. Von Ursula Friedrich 

Der letzte Vorhang ist gefallen: Mit einer Riesenparty am Wochenende ging die Ära des Dieburger Biergartens zu Ende. Unermüdlich harrten Besucher am Freitag und Samstag im Nieselregen vor der Kultstätte am Rande Dieburgs aus, um ein letztes Mal auf der Tanzfläche abzuzappeln, Freunde zu treffen oder im Gedrängel an der langen Theke ein Getränk zu ordern. Als sich am Samstagabend die stetig länger werdende Schlange an Wartenden bis zum Parkplatz ergoss, kam Wehmut auf. „Wir kommen aus Dietzenbach und Eppertshausen“, so ein Männertrio, das den vierzigsten Geburtstag schon länger hinter sich hat. „Wir sind hier aufgewachsen“, so die Drei, am Wochenende hieß es früher: „Daumen raus, nach Dieburg trampen“, und wenn die damals blutjungen hessischen Kultbands Flatsch oder Rodgau Monotones ein Konzert gaben, war das Wochenende gerettet.

Für Generationen junger Leute war die alte Kfz-Werkshalle, die am 1. Mai 1980 öffnete, prägend. Das „zweite Wohnzimmer“, das in Teilen bis heute unverändert blieb – wenngleich das musikalische Angebot wechselte. „Für uns gibt es jetzt kaum noch gute Locations“, bedauerte eine Gruppe jüngerer Gäste der schwarzen Szene, die im hinteren Bereich zu ihrer Musik tanzten. „Heute legen wir neben Metal und Crossover aber auch alte Klassiker auf“, so DJ Marlon, der Mann am Regler.

Das bunt gemischte Publikum, das am Wochenende aus dem ganzen Rhein-MainGebiet herbeiströmte, spiegelte die Zeitreise wider, der der Kultclub in 36 Jahren unterworfen war. Alternative, Dark-Wave-Szene, Studenten, Junggebliebene, Althippies und junge Leute boten eine bunte Mischung, die im Einklang Abschied nahm. „Ich war am Anfang dabei“, so Gaby aus Eppertshausen, „heute nehme ich mit Abschied.“ Geblieben ist ihr die große Liebe, ihr Mann, der einst im Biergarten jobbte, seine Gaby heiratete und mit ihr Kinder bekam.

Ära des Dieburger Biergartens endet mit Party: Fotos

Der Rückgang des Publikums unter der Woche, aber auch das eigene Alter waren mit ausschlaggebend, dass Biergartenbetreiber Monika Ahrens-Fischer und Bernd Fischer das 3 200 Quadratmeter große Areal verkauften. Nun werden Halle und Wohnhaus planiert, um für Reihen- und Doppelhausbebauung Platz zu schaffen.

Die Wehmut über das Aus des Clubs lastete auch am Samstagabend auf der Stimmung. Manch einem dauerte die Warterei zu lange, nach einer halben Stunde Nieselregen gab eine Gruppe junger Leute auf: „Wir feiern woanders.“ Im Brautkleid nahm ein Student Abschied. „Eine verlorene Wette“, gab er Auskunft über seine Verwandlung. Und während die Freundin den verrutschten Busen unter weißem Tüll wieder in Form brachte, drängte sich die falsche Braut in das Getümmel durstiger Gäste am Tresen – genau so wie schon vor 36 Jahren.

Quelle: op-online.de

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