Beliebter Dieburger Musik-Club schließt nach 36 Jahren

Im Biga fließt bald kein Bier mehr

Beste Partystimmung: So kennen und lieben die Gäste ihren „Biga“, so wird er ihnen in Erinnerung bleiben. - Archivfoto: Dörr

Dieburg - Die legendäre Musikkneipe „Club Biergarten“ schließt nach 36 Jahren. Wo früher Studenten bis in die Puppen tanzten, wurde es mit der Schließung der Studentenwohnheime nach der Jahrtausendwende immer ruhiger. Von Katrin Muhl 

Der Verkauf des angemieteten Parkplatzes und des dazugehörigen Wohnhauses, versetzte dem „Biga“ den letzten Stoß. „Eine Ära geht zu Ende“, schreibt Monika Ahrens-Fischer (58), die ihren Gästen nach knapp 36 Jahren mitteilen muss, dass der Club Biergarten nun für immer schließt. „Ihr könnt euch sicher sein, dass es uns sehr schwer fällt“, heißt es in der öffentlichen Mitteilung, die auch im Namen von Ehemann Bernd Fischer (63) und Tochter Chiara verfasst ist. Die 17-Jährige hätte den elterlichen Betrieb später zu gerne übernommen.

Bei den anstehenden Abschiedspartys im „Biga“ soll es ein letztes Mal rund gehen, dann ist Schicht im Schacht. „Wir wollen nochmal so richtig mit euch feiern“, kündigen die Betreiber an, die sagen „viele Gäste wurden im Laufe der Jahre zu Freunden ... aber irgendwann geht es nicht mehr.“

In den 1990ern hatte der Club seine Hochphase. Die Toten Hosen traten im „Biga“ auf und auch Show-Größen wie Pur oder Rio Reiser ließen sich nicht zweimal bitten. Mit sinkenden Besucherzahlen zu kämpfen hatte Familie Ahrens-Fischer erst, als die Studentenwohnheime der früheren Dieburger Bundespost-Fachhochschule um das Jahr 2000 aufgelöst wurden und an ihrer Stelle ein Wohngebiet entstanden ist. Fortan musste sich die Lautstärke den Anwohnern zu Liebe bei den wöchentlichen Discoabenden, und Bandauftritten in Grenzen halten.

Mit der Einführung des Nichtraucherschutzgesetzes in 2007, das dem Biergarten zwei getrennte Tanzflächen bescherte, wurde das Buhlen ums Publikum in Konkurrenz mit etlichen Großveranstaltungen in der Region nur schwerer. Gestiegene Spritpreise, meint Bernd Fischer, hielten die jungen Leute in den letzten Jahren davon ab, aus dem Aschaffenburger, Rodgauer und Darmstädter Raum – teilweise auch von weiter her – zum Feiern nach Dieburg anzureisen. Er sieht auch Online-Spiele, die in „Teambesprechungen“ Präsenzzeit am PC verlangen und soziale Netzwerke, die vielen als Kontaktbörse dienen, als Grund für weniger Enge im Partyraum.

Die besten Bier-Weltrekorde

Das endgültige Aus kam mit dem Beschluss des Vermieters, Parkplatz und Wohnhaus zu verkaufen. „Ein Parkplatz ist rechtlich aber Pflicht, also beschlossen wir, den Biergarten ebenfalls zu verkaufen“, erklären die Wirte und lassen verlauten: „Nun ist es so weit, das Gelände hat einen Käufer gefunden.“ Voraussichtlich soll Wohnbebauung dem Grundstück ein neues Gesicht geben. Monika Ahrens-Fischer und Bernd Fischer planen in Zukunft ihr Hobby zum Beruf zu machen. Ahrens-Fischer ist ausgebildete Pferdeosteopatin, Fütterungsexpertin und Spezialistin für Akupunktur bei Pferden, ihr Mann kennt sich mit Hufpflege bestens aus. „Angedacht sind ein Online-Shop und Beratungsdienste für alternative Tierpflege“, verrät Fischer.

An eine Zeit ohne „Biga“ müssen sich die Gäste erst noch gewöhnen. Im sozialen Netzwerk „facebook“ haben rund 200 Freunde ihr Bedauern über die Schließung kundgetan. Der Familie wünschen viele „alles Gute“ und danken für die „schöne Zeit“ . Illustriert mit traurig dreinblickenden Smiley-Gesichtern schreiben Nutzer: „Es kommt mir vor wie ein schlechter Traum“ und „ ihr wart ein Teil meines Lebens... Liebe, Trauer, Freude und Party ... all dies kann ich mit euch und dem Laden verbinden.“ Die Abschiedspartys steigen am Freitag, 12. Februar, um 21 Uhr, Samstag (13.), 22 Uhr, Freitag (19.), 21 Uhr, und Samstag, 20. Februar, um 22 Uhr.

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