Große Erfolge bei Rallye in Südtirol

Ein Bordbuch als Sommer-Lektüre

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Dieburg - Schicke Ledersitze, glänzender Lack und funkelnde Armaturen: Auch mit seinen fast 60 Jahren ist der Oldtimer Haeley 100/six noch ein echter Hingucker. Von Konstanze Löw 

Zudem ist er der Stolz der Familie Seibert, die in diesem Jahr ganz besondere Jubiläen mit dem roten Flitzer feiern kann. Leidenschaften vergehen nicht so schnell. Bei den Seiberts jedoch wird die Liebe zu Oldtimer-Karossen wohl ein ganzes Leben anhalten. Denn die Dieburger verbringen ihre Zeit „am liebsten auf den Ledersitzen mit dem Bordbuch im Schoß“. Für das Ehepaar stand auch in diesem Jahr wieder fest, bei den jährlich stattfindenden „Südtirol Classics“ in Schenna mit ihrem Flitzer an den Start zu gehen. Wie begeistert sie von der Oldtimer-Rallye sind, wird nicht nur dadurch, dass sie in diesem Jahr bereits zum zwanzigsten Mal dabei waren, deutlich. Ein Blick in die funkelnden Augen der Seiberts reicht vollkommen aus. „Die Gemeinschaft und Herzlichkeit unter den Teilnehmern ist einfach toll“, ist sich das Ehepaar einig. „Und noch dazu die atemberaubende Landschaft. Unvergleichlich“, schwärmt vor allem Heinz Seiberts Ehefrau Brigitte.

Bei dem einwöchigen Wettkampf Mitte Juli konnten sich die beiden aber nicht nur über die tolle Atmosphäre freuen, sondern vor allem über ein erfolgreiches Endergebnis. In ihrer Fahrzeug-Klasse holten sie Silber, mit der Mannschaft den Gesamtsieg. Insgesamt legten sie in einer Woche sechs verschiedene Strecken durch die Alpenlandschaft zurück. Etwa 1050 Kilometer hat der englische Roadster jetzt mehr auf dem Buckel. Der „Riesenerfolg“ sei aber zugleich auch eine Belastung für Mensch und Maschine. „Die Routen sind teilweise über 300 Kilometer lang, man kennt die Wege vorher nicht und muss auf die Zeiten achten“, erklären die beiden die Anstrengung hinter all dem Spaß. Dabei gehe es um Geschicklichkeit, nicht um Geschwindigkeit. Für jedes Hundertstel Abweichung von der Zeitvorgabe gibt es einen Strafpunkt. Stolz fügt Heinz Seibert etwas hinzu, das von vielen oft unterschätzt wird: „Wir sind beide über 70“. „Wir machen noch so lange, wie es gesundheitlich geht“, ergänzt er.

Pokal mit Ehrenplatz im Wohnzimmer

Mit einem Lächeln im Gesicht zeigen sie den prachtvollen Pokal, der derzeit noch einen Ehrenplatz im Wohnzimmer genießt. Bald wird er in den Keller zu den restlichen 70 Trophäen wandern. Denn bei einer Leidenschaft, die bereits 50 Jahre andauert, sammelt sich so einiges an. So lange ist das Paar bereits dem Motorsport verfallen. So gingen sie beim Bergrennen an der Mosel, am Nürburgring und bei der Nibelungenring-Rallye an den Start. Daneben stehen regelmäßige Treffs mit dem Stammtisch in Neu-Isenburg an. Einmal im Monat sind die Oldtimer-Freunde dann unter sich. Doch nicht nur in der Ferne, auch in der Heimat werden Preise abgesahnt: Wie auch beim Dieburger Dreieicksrennen. „Natürlich alles in unserem roten Flitzer. Wir fallen auf damit, die wenigsten Fahrzeuge haben so viele Jahre auf dem Buckel.“

Und seine 57 Jahre sieht man dem Oldtimer wirklich nicht an. Er wird gehegt und gepflegt, ständig stehen Erhaltungsarbeiten auf dem Programm. „Wir machen das das mit Liebe. Neider gibt es immer, aber die sehen nicht, was für ein Haufen Arbeit hinter einem solchen Hobby steckt“, sagt Seibert. Seine sonnengebräunte Haut kommt durch das rotes Rennfahrer-Shirt perfekt zur Geltung. „Wir waren nämlich im Urlaub“, klärt seine Frau auf. Nach den Südtirol Classics in Schenna gönnt sich das Paar immer eine Woche Nichtstun. Nach all den Jahren im Motorsport gehört eine Woche Erholung im Anschluss an die Rallye schon längst zum Programm.

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