Schaut TÜV vorbei? 

„Brauchtumsabnahme“ für Gruppen mit Wagen

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Vorne das Fußvolk, dahinter ein Wagen mit weiteren Narren drauf: So sieht es bei vielen der mehr als 70 Fastnachtsgruppen, die am Dieburger Umzug am Fastnachtsdienstag teilnehmen, aus.

Dieburg - Nein, da sei nichts närrisch „gerade gebogen“ worden, versicherte Thomas Lewis im Gespräch mit dem DA im Anschluss an den Abend: Bei der Versammlung des KVD mit Vertretern des Großteils der beim Umzug am Fastnachtsdienstag teilnehmenden Zuggruppen hatten sich exakt 111 Narren in die Liste eingetragen. Von Jens Dörr 

Sie repräsentierten 59 der 79 geladenen Gruppen. Den größten Teil des Treffens im KVD-Zeughaus nahm dabei die sogenannte „Brauchtumsabnahme“ ein. Diese empfiehlt der Karnevalverein jenen Gruppen nachdrücklich, die beim Kinderumzug und vor allem beim großen Gaudiwurm mit Wagen teilnehmen – egal ob auf diesem Personen befördert werden oder es sich um unbemannte Motivwagen handelt.

Der KVD ist Veranstalter der beiden Fastnachtszüge und Thomas Lewis als Nachfolger des verstorbenen Rainer Hackenberg der Zugmarschall. Bei Lewis laufen die Fäden rund um die beiden großen Umzüge zusammen. Die Kinderumzüge 2015 und 2016 organisierte er bereits maßgeblich mit, ebenso den großen Umzug 2015 und den witterungsbedingt ausgefallenen und nicht nachgeholten großen Umzug in diesem Jahr.

Lewis also appellierte an die Zuggruppen-Vertreter, sich die Sicherheit ihrer Wagen künftig vom TÜV schriftlich bestätigen zu lassen. „Die ,Brauchtumsabnahme’ ist ein rechtlicher Begriff, der auch beim TÜV Hessen so geführt wird“, erläuterte Lewis. Der Gesetzgeber versuche durch die „Brauchtumsabnahme“ jenen haftungs- und versicherungsrechtlich entgegen zu kommen, die beim Umzug einen Wagen ohne entsprechenden Personenbeförderungsschein – den der Fahrer eines Traktors vor einem Fastnachtswagen in der Regel nicht besitzen dürfte – fahren. „Ohne Abnahme haftet erstmals der Fahrer, wenn etwas passiert – wenn zum Beispiel jemand vom Wagen fällt oder ein Gegenstand vom Wagen herab einen Zuschauer oder Zugteilnehmer trifft“, so Lewis. Überdies komme der KVD als Veranstalter seiner Informationspflicht nach und sichere den Vorstand rechtlich ein stückweit ab.

Die für eine mehrere Dutzend Mitglieder große Fastnachtsgruppe bezahlbare TÜV-Abnahme wird vom KVD zwar nicht zwingend vorgeschrieben, aber eindringlich empfohlen. Weil viele Gruppen ihre Wagen mangels Unterstellmöglichkeit erst kurz vor dem großen Umzug fertig stellen, erwägt der KVD einen Sammeltermin kurz vor Fastnacht im Zeughaus. Dann könnte ein TÜV-Vertreter mehrere Wagen in einem Durchgang begutachten und gegebenenfalls Sicherheitshinweise geben. Häufige Probleme dürften etwa fehlende Rückbeleuchtungen und zu geringe Brüstungshöhen sein. Generell sei wünschenswert, dass die Zahl der Wagen beim Dieburger Umzug weiter im bisherigen Maß erhalten bleibe, betonte Lewis. Zusammen mit KVD-Präsident Friedel Enders riss er beim Zuggruppen-Treffen überdies an, dass trotz des Kreiselbaus an der evangelischen Kirche der große Umzug am 28. Februar wohl seinen gewohnten Weg nehmen kann.

Das Aufstellen wird vom Burgweg in die Alte Mainzer Landstraße sowie in die Gerhart-Hauptmann-Straße oder den Frongrund verlagert. Die Äla-Meile fällt diesmal mit der Kampagneneröffnung am 11.11. zusammen. Start ist um 18.44 Uhr mit einem Marsch von der Römerhalle zum Fastnachtsbrunnen – eine „Dreier-Koordinationsübung“ inklusive. Was der Fastnachter da genau machen solle? Lewis: „Laafe, winke, Äla kreische!“ Am Dalles spielen dann der KKM Klein-Zimmern, der Musikverein St. Peter und Paul sowie der Spielmannszug aus Ronneburg (nimmt 2017 zum 44. Mal am Umzug teil) auf.

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