Bücherschrank-Paten: Veraltete und zerfledderte Lektüre lieber gleich ins Altpapier

Wilder Jäger auf Irrwegen

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Helmut Holjan ist ein großer Fan des Dieburger Bücherschranks am Rathaus.  -  Foto: Hombach Helmut Holjan ist ein großer Fan des Dieburger Bücherschranks am Rathaus.  

Dieburg - „Ich finde das eine prima Sache“, erklärt Helmut Holjan, der gerade mit einem Packen Bücher an den Bücherschrank geradelt kommt. Er und seine Frau holen sich hier regelmäßig Lesestoff und stellen auch wieder Bücher für andere bereit. Von Laura Hombach 

„Manchmal bringe ich auch unseren Nachbarn etwas zu lesen mit“, sagt der Bücherschrank-Fan.

Seit knapp einem Jahr steht der öffentliche Bücherschrank auf dem Platz vor dem Rathaus und lädt Passanten zum Stöbern, zum Mitnehmen oder Hineinstellen von Büchern ein.

Betreut wird er von acht ehrenamtlichen Bücherschrankpaten. Auch sie sind eigentlich sehr zufrieden mit ihrem „Patenkind“. Der Schrank wird gut genutzt und befüllt und die eingestellten Bücher bilden einen guten Querschnitt durch alle Geschmacksrichtungen.

Bei so manchen der hier deponierten Büchern, fragen sich die Paten allerdings, ob die Lektüre nicht besser im Altpapier aufgehoben gewesen wäre. „Der wilde Jäger“, „Merit und der wilde Bär“, „Pretty Boy, das Araberfohlen“ oder „Gelber Mond über der Steppe“ - manch kuriosen Fund machen die Bücherschrankpaten bei ihren Kontrollen.

Veralteter Lesestoff

Allzuoft finden sie im Bücherschrank solchen Lesestoff, der vielleicht vor einem halben Jahrhundert einmal begeisterte Abnehmer gefunden hätte, heute aber lediglich Platz im Bücherschrank blockiert. Dazu zählen sicherlich auch ein Schülerduden Religion von 1977 oder mehrer Bände von jahrzehntealten Reader’s Digest, die im Schrank deponiert wurden.

„Zwischen zehn und 20 Prozent der Bücher müssen aussortiert werden“, sagt Schrankpate Udo Eßwein. Ein zu hoher Prozentsatz, wie das Betreuerteam findet. Deshalb möchten sie noch einmal eindringlich an diejenigen appellieren, die mit der Bereitstellung von Büchern zum Gelingen des Projekts Bücherschrank beitragen: Nicht alle Lektüre, von der man sich Zuhause trennen möchte, ist auch für die Weitergabe an andere Leser geeignet. Dazu zählen etwa auch Bücher in altdeutscher Schrift oder solche, die bereits völlig zerfleddert sind.

„Neulich habe ich ein Taschenbuch, das nur noch aus einzelnen Seiten bestand und von einem Gummi zusammengehalten wurde, aus dem Schrank nehmen müssen“, erzählt Eßwein.

Bücherschrank nicht für Altpapier geeignet

So schwer es fallen mag, Bücher aus den goldenen Fünfzigern im schlimmsten Fall im Altpapier zu entsorgen. Der Bücherschrank ist dafür nicht der richtige Ort, denn hier bereitet man den Bücherschrankpaten nur zusätzliche Mühe, weil sie dann die Bücher für das Altpapier aussortieren müssen. Zudem macht es den Nutzern des Schranks auch wenig Freude, wenn sie sich ihren neuen Lesestoff zwischen vielen Altlasten erst einmal herausklauben müssen.

Nichts im Bücherschrank zu suchen haben übrigens auch Flyer mit Werbung, die ebenfalls im Altpapier landen.

Die Einrichtung für Leseratten wird gut angenommen. Nur ein paar Regeln gilt es zu beachten, damit Helmut Holjan und andere Bücherfreunde auch in Zukunft mit Freude diese kleine 24-Stunden-Bücherei nutzen können.

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