Kritik an Verwaltung

Bürger verärgert über Verkehr

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Die Arbeiten an der Darmstädter Straße sind angelaufen. Die zusätzliche Baustelle sorgt für Ärger bei Autofahrern und Geschäftsleuten. Ende kommender Woche soll die Sanierung beendet sein.

Dieburg - Sorgen die seitherigen Baustellen schon für Verdruss, ist mit der Darmstädter Straße ein weiterer Aufreger dazu gekommen. Bei der Bürgerversammlung gab es denn auch teils harsche Worte in Richtung Verwaltung. Von Stefan Scharkopf 

War es ein kurzes Aufatmen als Bürgermeister Dr. Werner Thomas in der Römerhalle die Nachricht verkündete, 2017 werde es keine zusätzlichen großen Straßenbaumaßnahmen geben? Oder doch eher ein Stöhnen? Zwar sollen lediglich Etatreste im Haushalt abgearbeitet und bei einigen Straßen nur die Oberflächen saniert werden – jeweilige Dauer höchstens zwei bis drei Wochen. Aber: Die eine oder andere bereits begonnene Maßnahmen zieht sich hin. So wird die Erneuerung des Burgwegs voraussichtlich bis März 2018 andauern; derzeit wird an der nördlichen Hälfte der etwa einen Kilometer langen Straße gewerkelt.

Das Quartier Hinter der Schießmauer mit Konrad-adenauer-, Kolping-, Friedrich-Ebert- und Goethestraße wird gar erst im Mai 2018 fertig sein. Auch hier wird grundhaft saniert, es werden also die Straßenbeläge erneuert, ebenso Kanäle und Versorgungsleitungen. Laut Plan sollen die Arbeiten an der Kreuzung evangelische Kirche (Kreisel) im Februar nächsten Jahres zu Ende sein – rechtzeitig vor der Fastnacht. Danach schließen sich die Arbeiten an der Ringstraße zwischen Kettler- und Gabelsbergerstraße an, die bis Mai laufen sollen.

Hinzu kommen Straßenpflegemaßnahmen, die im Haushalt 2017 vorgesehen sind (siehe Kasten). Alle großen und kleinen Vorhaben werden zusammen auf 6,8 Millionen Euro veranschlagt. Breiten Raum nahm in der Bürgerversammlung aber nicht die Vorstellung künftiger Projekte ein, sondern die Kritik an der am Montag angelaufenen Sanierung der Darmstädter Straße (Landesstraße 3094) – eine zusätzliche Belastung für Autofahrer und Geschäftsleute. Dass die Stadt keinen Einfluss auf die Maßnahme habe, wollten einige Anwesenden bei der Bürgerversammlung so nicht hinnehmen.

Die Vorsitzende des Gewerbevereins, Evelyn Allmann, kritisierte den Zeitpunkt, eine nicht ausreichende Beschilderung der Umleitungsstraßen und zu wenige Abstellmöglichkeiten für Pkw: „Die Parkplatzsituation ist eine Katastrophe“, so Allmann. Zudem habe sie den Eindruck, dass beispielsweise an der Schießmauer zu wenige Arbeiter eingesetzt seien. „Unseren Innenstadtgeschäften geht langsam die Luft aus“, sagte Allmann, „sie hätten auch gerne mal wieder Besuch von außerhalb.“

Dem konnte sich Erich Kleene von der Bücherinsel nur anschließen. Der Advent sei die umsatzstärkste Zeit für den Einzelhandel. Es wäre möglich gewesen, die Darmstädter Straße im Sommer zu sanieren, wenn weniger los sei – auch parallel zum Ausbau der Albinistraße. Beim Umbau der Zuckerstraße hätten die Stadt und das Gewerbe gut zusammengearbeitet. Das vermisse er jetzt. Durch die kurzfristige Ankündigung habe der Einzelhandel nicht mehr reagieren und beispielsweise keine Marketingstrategien entwickeln können. Wer denn entschieden habe, diese lange angekündigte Baumaßnahme auf das jetzige Datum zu legen? „Ich war das“, antwortete Thomas. Wäre die Maßnahme parallel zu den Arbeiten an der Albinistraße erfolgt, wäre die Steinstraße zwei Wochen lang von der Außenwelt abgeschnitten gewesen, denn auch der Fuchsberg hätte gesperrt werden müssen, sagte Thomas. Eine Intervention bei Hessen Mobil zur nochmaligen Verschiebung sei nicht erfolgreich gewesen, bereits zweimal sei das Projekt auf Bitten der Stadt verschoben worden.

Was die Parkplätze betrifft, sagte Thomas, dass entgegen der landläufigen Meinung der Festplatz in der Innenstadt als Parkfläche zur Verfügung stehe. Die Stadt will dies durch entsprechende Beschilderung noch mal deutlich machen. Als Gefahrenpunkt hatte eine Bürgerin die Goethestraße ausgemacht, die derzeit als Umleitungsstraße dient. Morgens queren dort Schulkinder die Straße. Sie müssen nun in besonderem Maße auf den zusätzlichen Verkehr achten. Hier sagte Thomas zu, dass das Ordnungsamt verstärkt nach dem Rechten sehen werde.

Deutliche Kritik an der Darstellung von Thomas kam von Rechtsanwalt Kruno Zorko. Zwar sei es richtig, dass die Sanierung der L 3094 in den Aufgabenbereich des Landes Hessen falle, doch werden auch Arbeiten an den Rinnen und Bordsteinen erledigt. Das wiederum falle in die Zuständigkeit der Stadt, somit sei die Verwaltung also mit im Boot. Der Bürgermeister hätte dies wissen oder in Erfahrung bringen müssen. Die Stadt stelle sich nun als Opfer dar, das sei sie aber nicht. Thomas entgegnete, dass es nicht geplant gewesen sei, dass Arbeiten am Gehweg stattfinden sollten.

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