Süß und bunt

Umzug für alle Sinne

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Sehr modern waren diese kunterbunten Pop-Art-Künstler unterwegs, die einem Comic zu entsprungen schienen.

Dieburg - Schrill, gut gelaunt und fantasievoll: Rund 95.000 Gäste bejubeln Dieburger Fastnachtsumzug. Von Lisa Hager. 

Unter viel Zuckerwerk konnten die von der Polizei geschätzten rund 95.000 Zuschauer beim Dieburger Fastnachtsumzug ihren süßen Favoriten wählen: Gleich zwei Fußgruppen tanzten als Tortenstücke durch die Straßen, die sich immer wieder mal zu einem ganzen Konditorenmeisterwerk zusammenfanden. Ihre 33. Teilnahme am Umzug feierten die „Goijelschwenker“ mit einer Schwarzwälder Kirschtorte, während die Gruppe „08/15“ zum selben Anlass ihr Geburtstagsbackwerk und damit sich selbst in die Lebensmittelfarben des KVD eingefärbt hatte („Was e schei Törtsche in unserm Örtsche“).

Aber nicht nur die Gruppen, die ein Jubiläum feierten, boten wieder viel Fantasie auf: Es zogen wundersame Meereswesen in leuchtendem Blau, mannshohe Schmetterlinge mit zarten Flügeln, leuchtende Feuervögel, Füchse mit erlegten Gäsen und etliche Außerirdische durch die Straßen und tauschten mit den Einheimischen ein vielfach donnerndes „Äla“ aus. Einen veritablen Dracula im Sarg – vorsorglich mit einer Blutinfusion versehen – fuhren die „Puhlwerm“ durchs närrische Volk. Die durch die Luft fliegenden Bonbons und Popcorntüten vermochten den Grafen auch nicht zum Leben zu erwecken – kein Wunder, war es doch noch heller Nachmittag.

Wandelnder Dieburger Anzeiger

Viel zu lesen gab es bei „Halwe-Halwe“ mit dem Dieburger Anzeiger, der sich auf zwei Beinen selbstständig austrug.

Ihr Debüt gaben die „Jääscher Maaster“ mit einem selbst erklärenden Auftritt: Die Jäger nahmen die Geweih tragenden Begleiterinnen aufs Korn. Als lebende Fastnachtsausgaben des Dieburger Anzeigers hatten sich „Halwe-Halwe“ verkleidet – da gab es gleich viel Interessantes zu lesen. Den Hunger nach der Narretei stillten die „Schnooke-Utzer“, indem sie als Pommestüte mit Ketchup durch die Gassen tanzten.

Dem Glückspiel haben sich anscheinend viele Fastnachtsgruppen ausgeliefert: Ob als Herzass, Karo, König oder sogar gleich als kompletter Roulettetisch – der Fantasie waren hier keine Grenzen gesetzt.

Ein bisschen Lokalkolorit durfte auch nicht fehlen. Da im St. Rochus Krankenhaus künftig keine Prinzen mehr geboren werden, schickten die „Stoppelhopser“ Störche auf die Straße, die die erhofften Dieburger Babys im Schnabel lieferten. Und grandios der Mottowagen der „Krummtrährer“, auf dem sich ein Glücksrad fürs Schlossgartenfest drehte. Die dazu gehörigen Fußgänger führten ein nostalgisches Karussell als Reifrock spazieren.

Zornige Kühe fliehen vor kalten Händen

Düstere Äla-Wölfe umkreisten die im Bett liegende Großmutter, die auf Rotkäppchen wartete und die Stallburschen von den „Brunnebuzzern“ trieben ihre Melkkühe durch den Ort. Das ein oder andere Rindvieh sah man dabei zornig ausschlagen – anscheinend hatte der Melker doch zu kalte Hände, schließlich lag die Temperatur nur ein paar Grad über Null.

Die „Wutzebuwe“ feierten noch einmal den Fußballweltmeistertitel und die „Haxnknacker“ hatten visuell und musikalisch mit DJ Robby an Bord in ihrer „Manga-M“ allerhand zu bieten.

Kuschelige Kätzchen ließen „Salmehannes Biewerwammes“ aus dem Sack und die „Krebblschnude“ stellten als Peter Pan und Elfen die spitzen Ohren auf. Durstigen Zuschauern kredenzten die „Huppedackel“ einen Römerkreisel-Riesling und mit dem legendären VW-Bus „Bulli“ kamen zudem Dutzende von bunten Hippies in die Stadt. Dass der eine sogar einen riesigen Joint im Afro-Haar stecken hatte, übersah der uniformierte Ordner am Straßenrand geflissentlich.

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