Herold macht beim 30. Martinsmarkt wichtige Ansagen

Carolan ist der Verkünder

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Dieburg - Wenn das mal kein Angebot ist: „Ich verkünde auf Märkten Marktregularien, die Ankunft hoher Herrschaften, Gerichtsurteile, Auftritte von Künstlern, den Namen von verloren gegangenen Kindlein – und schönes Wetter." Von Jens Dörr 

So umschreibt Karl-Heinz Carolan Lieb aus Traben-Trarbach einen Teil dessen, was er auf historischen Märkten zu sagen hat. Als „Carolan der Verkünder“ mischt er gegen Gage und auf Bestellung des Dieburger Gewerbevereins von Freitag bis Sonntag auch am 30. Dieburger Martinsmarkt mit – und dürfte sich ob der günstigen Wettervorhersage problemlos an seinem eingangs erwähnten Versprechen messen lassen.

Lieb zählt sich unter seinem Künstlernamen zur Gruppe der Herolde. Der Name „Herold“ komme vom altfranzösischen Begriff „heralt“, erläutert der Experte. „Das bedeutet Heerverwalter“, führt er aus. Im Mittelalter sei der Herold ein offizieller Bote eines Lehnsherrn gewesen und somit eine Vorform des Diplomaten.

„Er vermittelte zwischen den Kriegsherren und verkündete den Ausgang der Schlachten. Zum ersten Male wird in der Schlacht bei Drincourt (Normandie) 1173 vom Chronist Guillame le Maréchal ein Herold erwähnt, der die Schlacht beobachtete.“ Damit ein Herold im Schlachtgetümmel nicht attackiert wurde, trug er eine unverwechselbare Tracht.

Jene von „Carolan dem Verkünder“ können die Besucher des Martinsmarkts an allen drei Tagen betrachten und zugleich seine offiziellen Worte vernehmen. Freilich gibt es den Martinsmarkt über auch die Gelegenheit zum persönlichen Austausch mit dem Herold, so er nicht gerade in bestimmte Aufgaben eingespannt ist.

Auf historischen, in der Regel mittelalterlichen Märkten moderiert Lieb unter anderem die Künstlerbesprechung, Tavernenspiele und Abendspektakel, kontrolliert bei Feldschlachten Waffen und Regeln und leitet auch Pferdeturniere. Die mittelalterliche „Allzweckwaffe“ ist zudem Fachmann für die Heraldik (Wappenkunde) und bietet an einem Stand auch Wappenmalen auf Holzschildern für Kinder an.

An Liebs Stand ist beispielsweise zu erfahren, dass die Wappen stets aus der Sicht der schildtragenden Ritter beschrieben werden und nicht vom Blick des Betrachters aus. Das führt in Beschreibungen immer wieder zu Verwirrungen, weil scheinbar rechts mit links verwechselt wurde.

Für „Carolan der Verkünder“ geht mit den drei Martinsmarkt-Tagen das Jahr als Herold zu Ende. Es ist 2015 die zehnte und letzte Veranstaltung, bei der er in die historische Gewandung schlüpft und Geschichte auf seine Weise erlebbar macht. Meist waren es bislang mittelalterliche Märkte im Südwesten der Republik, an denen Karl-Heinz Carolan Lieb mitwirkte. Und das nicht nur als Herold: Mit der Agentur „Lorraine Médiévale“ organisiert er Mittelaltermärkte und Themenfeste. Ein halbes Dutzend, überwiegend im Sommer, führte Lieb davon in diesem Jahr durch.

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