Kosten-Nutzen-Untersuchung bremst Befürworter bislang aus

Chance für S-Bahn bis Dieburg?

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Die Dreieichbahn am Dieburger Bahnhof. Seit Mitte Juli gibt es mit verbesserter Technik stündliche Verbindungen zum Frankfurter Hautpbahnhof. Besser aber wäre noch, sie sind sich Befürworter einig, eine Verlängerung der S-Bahnlinie 1 bis Dieburg.

Dieburg - Immer wieder spricht sich die Stadtverordnetenversammlung für einen Ausbau der S-Bahn bis Dieburg aus. Das hat meist nur den Charakter eines Statements – entschieden wird das an anderer Stelle. Von Klaus Holdefehr 

Inzwischen ziehen aber viele an einem Strang, so dass das Projekt doch noch Chancen haben könnte. Ein Potenzial von rund 35.000 Fahrgästen sieht die CDU Münster beispielsweie für eine Verlängerung der S-Bahn-Linie 1 über Ober-Roden hinaus bis nach Dieburg. Anlass für die entsprechende Pressemitteilung war die Neuordnung des Angebots auf der so genannten Dreieichbahn durch den Rhein-Main-Verkehrsverbund: Seit 16. Juli gibt es nun mit erneuertem technischen Gerät im Stundentakt direkte Verbindungen zum Frankfurter Hauptbahnhof. Das sei gut, aber es gehe noch viel besser, so Thomas Heinz, Vorsitzender der CDU Münster, der dazu auffordert, an frühere Initiativen zur Verlängerung der S-Bahn-Strecke anzuknüpfen.

Initiativen gab es etliche, und manche liegen Jahrzehnte zurück. Schon Peter Christ (CDU), Vorgänger des 2017 nach zwölf Jahren aus dem Bürgermeisteramt scheidenden Dr. Werner Thomas (inzwischen ebenfalls CDU), postulierte auf diesem Weg eine engere Anbindung Dieburgs an Frankfurt, da von dem Oberzentrum Darmstadt ohnehin nicht für das Umland zu erwarten sei. Ein wesentliches Gegenargument lautete damals noch: Ein attraktiver S-Bahn-Takt lässt sich nur auf einer zweigleisigen Strecke verwirklichen, und für einen entsprechenden Ausbau des Teilstücks von Ober-Roden bis Dieburg fehle schlicht der entsprechende Raum. Dieser „Mangel“ scheint inzwischen nur noch eine untergeordnete Rolle zu spielen. Jedenfalls können sich Vertreter des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) und der Darmstadt-Dieburger Nahverkehrs-Organisation Dadina auch ganz gut einen flotten Takt auf dem eingleisigen Abschnitt vorstellen. „Vielleicht muss man an manchen Stellen ein zweites Ausweichgleis für Begegnungsverkehr bauen, dann wäre vielleicht sogar ein Viertelstundentakt möglich“, schwärmt der derzeitige Dadina-Vorsitzende und Dezernent für den Öffentlichen Personennahverkehr im Landkreis Darmstadt-Dieburg, Christel Fleischmann.

Technische Grundvoraussetzung

Als technische Grundvoraussetzung bleibt aber eine Elektrifizierung des etwa acht Kilometer langen Streckenabschnitts, denn die S-Bahn fährt mit Strom, die bisher auf der Dreieichbahn eingesetzten Triebwagengespanne hingegen mit Diesel. Eine entsprechende Ertüchtigung der Strecke würde natürlich Geld kosten – zu viel Geld, wie in einer Kosten-Nutzen-Untersuchung (KNU) festgestellt worden ist. Die in vielen Punkten nur Insidern nachvollziehbare Berechnungsformel ist mit der Forderung verknüpft, dass am Ende ein Faktor größer 1 herauskommt. Fleischmann erinnert im Gespräch mit dieser Zeitung daran, dass es in jüngerer Zeit das Projekt einer Straßenbahn zwischen Darmstadt und Groß-Zimmern auch nur auf einen Faktor von rund 0,5 gebracht hat.

Der grüne Kreispolitiker ist daraufhin beim hessischen Wirtschafts- und Verkehrsminister (und Parteifreund) Tarek Al-Wazir vorstellig geworden, habe sich, so berichtet er, aber zunächst mit der Aussage auseinandersetzen müssen: „Wie soll ich Projekte mit einem KNU unter 1 fördern, wenn ich nicht einmal genug Geld für Projekte mit einem Faktor von 1,2 habe?“ Doch inzwischen sei ein wenig Bewegung in die Sache gekommen, denn man überlege, den KNU um weitere Kriterien zu ergänzen. Damit bleibt ein Türchen offen für die S-Bahn bis nach Dieburg, und durch dieses Türchen wollen nun Landkreis, betroffene Kommunen, Dadina und VCD einen neuen Anlauf machen.

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