Damit die Details kein Gesamtbild ergeben

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Entkleiden mit Symbolcharakter: Mit jeder neu ins Netz gestellten Information macht sich der Benutzer (hier: die Schaufensterpuppe) ein bisschen nackter - das weiß nun auch die Klasse G6c.

Dieburg - Kinder und Jugendliche nutzen Medien im Alltag heute ganz selbstverständlich. Von Jenny Bieniek 

Um mögliche Stolpersteine und Risiken im Umgang mit sozialen Netzwerken, Online-Spielen und WhatsApp kennenzulernen, durchliefen die sechsten Klassen der Goetheschule dieser Tage den „Medien-Marathon“. Darf ich mich bei Online-Plattformen mit falschem Namen anmelden? Warum sollte ich bei meinem Profilbild auf hochauflösende Portraits verzichten? Und welche Urlaubsfotos kann ich bedenkenlos online mit Freunden teilen? Die Sechstklässler der Goetheschule wissen nun Bescheid. „Fotos vom Strand, von meinen Haustieren oder ein Bild, das mich nur von hinten zeigt, sind okay“, lautet der Tenor nach der ersten Einheit. Doch auch die Menge sei entscheidend. „Aus vielen kleinen Details kann ein großes Gesamtbild entstehen.“

Einen Tag lang setzten sich die Elf- bis 13-Jährigen beim sogenannten Medien-Marathon an verschiedenen Stationen etwa mit Cybermobbing und dem Wahrheitsgehalt von Internetquellen auseinander, beleuchteten die eigene Mediennutzungsdauer und warfen einen kritischen Blick auf die eigenen, im Netz preis gegebenen Daten. Denn dass die heranwachsende Generation im Umgang mit dem Internet keineswegs so sicher ist wie allgemein angenommen, offenbarte jüngst eine internationale Studie. Die Hälfte der deutschen Achtklässler weiß demzufolge beispielsweise nicht, wie man im Browser eine Internetadresse eingibt. Medienpädagogin Mila Burghardt hat dafür eine Erklärung: „Die allermeisten Schüler nutzen ganz automatisch Suchmaschinen und landen mittels Stichwortsuche über google auf den gewünschten Seiten.“

Burghardt ist Projektleiterin und mit ihrem fünfköpfigen Team an die Goetheschule gekommen, um die Schüler spielerisch an das Thema Medienkompetenz heranzuführen. Auftraggeber ist die Fachstelle für Suchtprävention des Landkreises Darmstadt-Dieburg. Der „Medien-Marathon“ ist ein relativ neues Projekt. „Obwohl die Schüler noch relativ jung sind, haben fast alle schon von Online-Mobbing gehört oder sogar Erfahrung damit“, hat Burghardt beobachtet. trotzdem hält sie Panikmache für unangebracht: „Die Medien sind für uns alle eine Bereicherung - wenn sich der Konsum in Grenzen hält und man die Spielregeln kennt.“

Dass die Sechstklässler keineswegs ihre ganze Freizeit vorm Bildschirm verbringen, zeigt sich bei der Station „Das ist meine Zeit“. Obwohl Oscar, Martina und Tim gerne fernsehen, treffen sie sich am liebsten mit Freunden oder treiben Sport. Jene Freizeitaktivitäten, die nichts mit Mediennutzung zu tun haben, nehmen deshalb den Großteil ihres Tages ein. „Genau deshalb setzt das Projekt schon bei Sechstklässlern an und nicht erst, wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist“, erklärt Burghardt. E

Entsprechend zeigten die Schüler großes Interesse, denn fast jeder ist schon mit scheinbar kostenlosen Online-Angeboten oder Chats in Berührung gekommen. „Wichtig ist, dass die Schüler verstehen, dass auch Registrierung nicht wirklich kostenlos sind und der Verbreitungsradius bei 500 Facebook-Freunden enorm sein kann.“ Glaubt man den Schülern, ist der blaue Netzwerk-Riese ohnehin rückläufig. Inzwischen kommuniziert die Jugend vermehrt auf einem anderen Kanal: WhatsApp.

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