Zwischenprüfung an der LGS

„Die Oma wäre auch erlaubt“

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Waschen, föhnen, legen: Bei der Zwischenprüfung musste Sebastian Zirke klassische Arbeitsweisen anwenden.  

Dieburg - Bei Zwischenprüfung müssen Friseurlehrlinge klassische Techniken anwenden. Das verlangt vor allem den Modellen Mut ab. Von Sarah Neder

Längst aus der Mode. Nicht mehr zeitgemäß. Chemiekeule und deshalb besonders schädlich für das Haar. Das Urteil über die Dauerwelle ist heutzutage erbarmungslos. Dennoch müssen Friseurlehrlinge diese in die Jahre gekommene Technik beherrschen.

Bei der Zwischenprüfung an der Landrat-Gruber-Schule ist der Lockenhelm nur ein Teil der Aufgabe: Die Azubis sollen im schuleigenen Salon außerdem eine Kopfmassage, einen klassischen Herrenhaarschnitt und eine Einlegefrisur bei Damen zeigen.

Moderner Typ trifft auf Spitzendecke

Sebastian Zirke ist einer der Zwischenprüflinge, 22 Jahre alt und lernt seit 18 Monaten den Beruf. Sein Haar ist hellblond gefärbt, ansonsten trägt der schlanke Azubi Schwarz. Aus seiner Nasenspitze lugt ein goldener Ring hervor, auch an den Handgelenken baumelt Gold – Sebastian ist ein moderner Typ. Was auf dem Kopf seines Modells entsteht, erinnert eher an Schwarz-Weiß-Fernsehen und Spitzendeckchen.

Für die klassische Einlegefrisur löst Sebastian zunächst die fingerdicken Wickler vom Kopf seines Modells. Anschließend kämmt er die Strähnen aus, toupiert sie, legt sie an ihren Platz und fixiert die Frisur mit mehreren Fontänen aus der Haarspray-Flasche. Die Zwischenprüfung fließt mit 25 Prozent in die Gesamtnote ein. Präzises Arbeiten ist wichtig, denn die Prüfer achten nicht nur auf das Ergebnis, sondern auch auf den Prozess: Sitzen die Wickler fest? Wurden die Haare ordentlich abgeteilt? Stimmt die Föntechnik? Und legt der Geprüfte Wert auf Hautschutz?

Modell bewahrt Gelassenheit

Vor der Dauerwelle hatte Azubi Sebastian die Haare der 31-jährigen Alexandra um gut 20 Zentimeter gekürzt. Die nimmt’s gelassen und meint: „Das wächst ja wieder nach.“ Normalerweise sei es besonders schwierig, Freiwillige für diese klassischen Prüfungen zu finden, weiß Friseurmeister Timo Seemann. Wenige junge Frauen seien für eine Dauerwelle bereit, deshalb „wäre hier auch die Oma erlaubt“, sagt Seemann, der Teil des Prüfungsausschusses ist. Das Gremium setzt sich aus einem Lehrer und drei Friseurmeistern zusammen. Trotz des altbackenen Aussehens können die Prüfer an den Einlegefrisuren den Leistungsstand der Azubis ablesen. „Sebastian hat sauber gearbeitet“, urteilt Seemann.

Die Zeichen stehen auf Sturm - für die Frisur

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Das ist nicht bei allen Prüflingen der Fall. Am Platz gegenüber kämmt sich ein Modell nach der Bewertung die Haare aus und bindet sich einen Zopf. Milder Trost fürs nächste Mal Kopf hinhalten: Bei der Gesellenprüfung stehen moderne Schnitte an.

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