Wie Fritz Bauers Generalstaatsanwaltschaft NS-Verbrechen aufklärte

Sonderausstellung gegen das Vergessen

Dieburg - „Die historische Wahrheit kund und zu wissen tun“ – dieses Zitat von Fritz Bauer, hessischer Generalstaatsanwalt zwischen 1956 und 1968, ist in zweierlei Hinsicht das Motto der Ausstellung zur justiziellen Aufarbeitung von NS-Verbrechen in Hessen.

Fritz Bauer hat Nazi-Verbrechen aufgearbeitet. 

Die Ausstellung wird ab dem 13. August in Museum Schloss Fechenbach zu sehen sein. Zum einen bezeichnet dieser Ausstellungstitel eine grundlegende Intention der NS-Verfahren. Nach den ersten Verfahren wegen NS-Kriminalität unmittelbar nach der Befreiung vom 8. Mai 1945 – sowohl von alliierter als von auch deutscher Seite geführt –, setzte sich mit Anfang der 1950er Jahre die Schlussstrich-Mentalität in Staat und Gesellschaft durch. Die nationalsozialistischen Verbrechen wurden verdrängt und verschwiegen. Erst mit Ende dieses „restaurativen“ Jahrzehnts setzte allmählich ein Bewusstseinswandel ein hin zu einer Auseinandersetzung mit diesem Teil der deutschen Vergangenheit.

Hinsichtlich deren strafrechtlicher Aufarbeitung kam dabei der Person Fritz Bauers und der von ihm geleiteten Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main große Bedeutung zu. Bauer ging es um Sühne und Gerechtigkeit mit den Mitteln des Strafrechts. Es ging ihm aber auch darum, seine Zeitgenossen mit der historischen Wahrheit des Nationalsozialismus zu konfrontieren und einen nachhaltigen Wandel in der politischen Mentalität des deutschen Volkes herbeizuführen.

Von politischen Gegnern wurde Fritz Bauer oft als „Nestbeschmutzer“ angefeindet, doch es war auch sein Verdienst, mit der justiziellen Aufarbeitung von NS-Verbrechen das „beschmutzte Nest“ zu säubern. Zum anderen berührt das Titel-Zitat Fritz Bauers das Selbstverständnis der hessischen Staatsarchive. Als „Gedächtnis von Staat und Gesellschaft“ haben Archive die Aufgabe, die ihnen anvertrauten, historisch wertvollen Unterlagen sicher zu verwahren, so auch die der hessischen Gerichte und Staatsanwaltschaften. Doch darüber hinaus machen Archive historisch wertvolles Schriftgut öffentlich zugänglich und wirken an dessen „wahrheitsgetreuer“ Vermittlung mit. Mit dieser Ausstellung folgen die hessischen Staatsarchive diesem gesetzlichen Vermittlungsauftrag und geben einem breiten Publikum einen wissenschaftlich fundierten Einblick in ihren großen Fundus an zeitgeschichtlich bedeutsamem Archivgut.

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Die feierliche Eröffnung der Ausstellung findet am Mittwoch, 12. August um 18 Uhr statt. Zu besichtigen ist die Schau bis zum 30. September. Das Hessische Hauptstaatsarchiv hat einen Katalog zur Ausstellung herausgegeben, der durch die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen finanziert wurde. Die Ausstellung wird von der Sparkasse Dieburg, vertreten durch den stellvertretenden Vorstandsvorsitzende Markus Euler, und der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen, vertreten durch Marietta Lüders, unterstützt. Die Öffnungszeiten des Museums Schloss Fechenbach sind dienstags bis samstags von 14 bis 17 Uhr sowie sonn- und feiertags von 11 bis 17 Uhr. Der Eintritt ins Museum kostet pro Person drei Euro, Kinder und Jugendliche bis 15 Jahre und Inhaber der Seniorencard A oder S des Landkreises Darmstadt-Dieburg sind befreit. (eha)

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