Bayrisches Fest der Haxnknacker

Weißblau und rotkariert

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Frauen können nicht nur Bier trinken, sondern auch Bier stemmen: Beim Sommerfest der Haxnknacker wurde der Beweis angetreten.

Dieburg - Blauweißer Freudentaumel in Darmstadt, weißblaues Freudenfest in Dieburg: Die bayrische Party der Haxnknacker vorm Schloss Fechenbach zog am Sonntag bei gutem Wetter hunderte von Gästen an. Viele kamen auch ganz zünftig in Dirndl oder Lederhose gewandet. Von Michael Just

„Das ist der absolute Hammer, was ihr da macht. Ihr liegt schon vier Minuten über der Bestzeit vom letzten Mal“, ruft Winni Harder, der das Bierglasstemmen der Frauen kommentiert. Von den zehn Teilnehmerinnen aus dem Publikum, die sich mit kerzengeradem Arm gegen die Schwerkraft erwehren, sind nur noch Maria Sill und Sabine Struggl im Rennen. Struggl winkelt ihren Arm zusehens an, um das mittlerweile bleischwere 0,3-Gerstensaft-Glas überhaupt noch halten zu können. Bei 17 Minuten und 40 Sekunden unterliegt ihr Durchhaltewille dem Wunsch des Körpers nach Muskelentspannung, was Maria Sill zur Siegerin macht. „Ich habe mich sehr konzentriert, dazu ein bisschen Ehrgeiz mitgebracht“, sagt die 25-Jährige zu ihrem Erfolg. Bei den Männern hatte zuvor Jörg Nolte mit dem Ein-Liter-Maßkrug die Konkurrenz auf die Plätze verwiesen.

Die Gaudi des Bierstemmens gehörte am Pfingstsonntag zum bayrischen Sommerfest der Haxnknacker, das der erst 2010 gegründete Verein, der neben einer Fastnachtsgruppe auch Freizeitsport mit Skifahren, Laufen oder Wandern anbietet, im Fechenbachpark veranstaltete. Zum Frühschoppen spielten die Mosbacher Musikanten auf, mit DJ Mono zog sich das gesellige Treiben, zu dem zur Stärkung Weißwurst und Leberkäse gereicht wurden, bis 22 Uhr. Danach wurde im „M 22“ weitergefeiert. „Sechs Monate hat ein eigens errichteter Festausschuss geplant und vorbereitet. Der Organisationsaufwand ist so groß, dass wir das Fest nur alle zwei Jahre machen können“, so Vorsitzender Winni Harder, der sich auf 70 fleißige Helfer in drei Schichten verlassen konnte.

Bilder vom Fest der Haxnknacker

Bayrisches Sommerfest der Haxnknacker

250 Mitglieder zählt der Verein derzeit insgesamt. Seit der Gründung vor wenigen Jahren sind die Haxnknacker mit ihrem Angebot und ihrer Grunddevise, den Spaß nie zu kurz kommen zu lassen, rasant gewachsen. Letzteres zeigte sich mit gewohnt guter Stimmung auch am Wochenende, was eine stattliche Zahl von Dieburgern bewog, sich das Sommerfest nicht entgehen zu lassen. So waren vor allem um die Mittagszeit freie Plätze Mangelware. „Zum ersten Mal wurde in diesem Jahr sogar angefragt, ob man Tische reservieren kann“, berichtet Harder. Eine 20-köpfige Gruppe eines anderen Vereins wollte unbedingt zusammensitzen. Der Erfolg des Sommerfestes liegt nicht zuletzt in dessen bayrischer Ausrichtung begründet. Neben der Zeit um die Oktoberfeste im Herbst ermöglicht es die Veranstaltung ein weiteres Mal, Dirndl und Lederhosen aus dem Schrank zu holen. „Das Bayerische ist sehr gefragt. Viele suchen nach weiteren Gelegenheiten, zu denen sich die Sachen tragen lassen“, weiß Harder. In Leder kamen auch Uwe (47) und Peter (62) – wenn auch etwas anders als ausgeschrieben. Die beiden Motorradliebhaber, die den Haxn-knackern nahe stehen, drehten vor dem Fest eine kleine Runde in ihrer gegerbten Biker-Kluft. Umziehen wollten sie sich danach nicht mehr: „Wir sollten in Leder kommen, das haben wir gemacht. Es lebe der kleine Unterschied“, so die zwei Freunde.

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