Matthias Hartnagel leitet die Wallfahrten seit vielen Jahren

Zu Fuß zum Blutbild nach Walldürn

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Matthias Hartnagel ist seit eineinhalb Jahrzehnten als Wallfahrtsleiter tätig und hat die traditionelle Wallfahrt nach Walldürn vorbereitet. Von der Wallfahrtskirche aus brechen am morgigen Dienstag Pilger schon frühmorgens um 3 Uhr zu Fuß auf.

Dieburg/Walldürn - Seit nachweislich mehr als 300 Jahren wallfahren Dieburger Katholiken teils über historische Pilgerwege und ehemalige Römerstraßen nach Walldürn. Dort wird in der Basilika das „Blutbild“ verehrt. Am 31. Mai und 1. Juni sind wieder einmal an die hundert katholische Pilger unterwegs.

Die Wallfahrt nach Walldürn beginnt bereits um 3 Uhr morgens ab der Dieburger Wallfahrtskirche, der seit mehr als ein halbes Jahrtausend bestehenden Gnadenkapelle. Die Wallfahrer machen sich betend zu Fuß auf den Weg in das etwa 80 Kilometer entfernte Walldürn im baden-württembergischen Teil des Odenwaldes. Mit dabei ist seit fast drei Jahrzehnten auch der Dieburger Matthias Hartnagel (47), der seit etwa eineinhalb Jahrzehnten als Wallfahrtsleiter fungiert. Bei Hartnagel, der als Kantor in den Gottesdiensten der Pfarrei mitwirkt, laufen seit Wochen alle organisatorischen Fäden zusammen. „Viele Menschen machen sich mit speziellen Anliegen auf den Weg“, weiß Hartnagel aus eigener Erfahrung. Er selbst ist ein bekennender Christ, dem sein Glauben eine Richtschnur im Leben ist. Hartnagel kann ein Foto vorzeigen, auf dem er 1984 an der Spitze der Wallfahrer als Kreuzträger unter den Messdienern zu sehen ist.

Er gehört dem Pfarrgemeinderat und dem Kirchenchor an, ist Kantor. Aber es müssen bei ihm nicht immer nur fromme Lieder sein, deutet Matthias Hartnagel an, der auch den lockeren Gesang im Dieburger Popchor „Poco Loco“ sehr schätzt. „Singen ist eben mein Hobby“, erzählt er und spricht dann wieder über die Wallfahrt nach Walldürn, die früher drei Tage dauerte. Inzwischen ist sie auf zwei Tage verkürzt, denn man lebt ja in einer „schnelllebigeren Zeit“. Nur bis in das rund 30 Kilometer entfernte Obernburg sind die Dieburger Pilger wirklich zu Fuß unterwegs, steigen dann auf den Bus um.

Der Weg führt von der Dieburger Wallfahrtskirche aus nach einem Segen auf einer alten Römerstraße (Hohe Straße), die später auch als Pilgerweg genutzt wurde, über die Weinberge bei Groß-Umstadt in die Waldlandschaft hinein nach Dorndiel, wo die Wallfahrer schon erwartet werden. Da wird auch zum stärkenden Frühstück eingeladen.

Um die Mittagszeit wird dann Obernburg erreicht. Die Pilger führen auf ihrem Fußweg eine Abbildung des Walldürner Blutbildes mit, das viele Jahre der vor etwa zwei Jahren verstorbene Gerhard Schrod trug. „Dafür muss man schon kräftig sein“, meint Matthias Hartnagel.

Auch der Lautsprecher und liturgische Requisiten müssen bis Obernburg bei der Fuß-Wallfahrt von den Wallfahrern mitgetragen werden. Das Gepäck wird aber per Bus transportiert, denn die Wallfahrer werden in Walldürn übernachten. Dort werden sie feierlich in die Basilika einziehen, wo das verehrte Blutbild seit Jahrhunderte seinen Platz hat. Es ist der Ursprung der „Wallfahrt zum heiligen Blut“. Und darum webt sich eine Legende. Um das Jahr 1330 hatte ein Priester beim Gottesdienst bei der Wandlung den mit Wein gefüllten Kelch versehentlich umgestoßen. Blutrot zeichnete sich auf dem auf dem Altar ausgebreiteten Leinentuch das „Bild des gekreuzigten Heilands“ ab, verraten die Chroniken.

Der einstige Dieburger Stadtarchivar Valentin Karst sowie die ehemalige Hüterin des Dieburger Pfarrarchivs, Margarethe Emslander, haben über die geschichtlichen Verbindungen zwischen Dieburg und Walldürn im Zusammenhang mit der Wallfahrt geschrieben. Einst gehörten nämlich beide Kleinstädte zum Kurfürstentum Mainz.

Der zweite Wallfahrtstag beginnt mit einem Gottesdienst und endet mit einer Andacht. Die Fahrt führt dann heimwärts in Richtung Miltenberg, von wo aus man sich allerdings wieder auf die eigenen Beine macht und zum Kloster Engelberg über dem Maintal entlang eines Kreuzwegs pilgert. Bei der Rückkehr nach Dieburg gegen Abend werden die Wallfahrer vom Busparkplatz auf der Leer durch die Stadt zur Wallfahrtskirche ziehen, wo ihnen der Abschluss-Segen erteilt wird. 

ka

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