Partnerschaftsjubiläum gefeiert

Es lebe die Jumelage!

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Schlemmen, ganz in Weiß: Das erste Dîner en blanc lockte über 200 Menschen in den Fechenbach-Park.  

Dieburg - Seit 40 Jahren besteht die Städtepartnerschaft zwischen Dieburg und Aubergenville. Was 1975 mit einem offiziellen Dokument begann, ist vier Jahrzehnte später eine enge Freundschaft geworden, die durch viele herzliche Kontakte mit Leben gefüllt wird. Von Ursula Friedrich 

Am Wochenende waren Delegierte aus der Partnerstadt nach Dieburg gereist, um hier gemeinsam das Jubiläum zu feiern.  Sie hassten sich, verfolgten und ermordeten einander. Die deutsch-französische Geschichte hat ihre blutigen Kapitel. Sich nach drei verheerenden Kriegen die Hand zu reichen, nicht nur zur Versöhnung, sondern mit dem erklärten Willen Freunde zu werden, ist groß. Ein amtliches Dokument setzte den Freundschaftsprozess zwischen Dieburg und dem 625 Kilometer entfernten Aubergenville im Mai 1975 in Gang. Was Bürgermeisterin Nelly Rodi und ihr Dieburger Kollege Ludwig Steinmetz damals in einem offiziellen Dokument manifestierten, wurde nun, 40 Jahre später, in einem mehrtägigen Fest ausgelassen gefeiert: die 40-jährige Verschwisterung beider Kommunen.

Das Wort Freundschaft war in diesen Tagen in aller Munde, und, wie sich beim deutsch-französischen Miteinander zeigte, keine Höflichkeitsfloskel. Schon der Empfang der 40-köpfigen französischen Delegation am Freitagabend war eine wunderschöne Geste des Miteinanders. Beim ersten Dieburger Dîner en blanc wurde ein Stück französischer Lebensart im Fechenbach-Park kultiviert. In edlem Weiß waren Tische eingedeckt, die Gäste in feiner, weißer Abendgarderobe gewandet. Über 200 Menschen nahmen an den reich gedeckten Festtafeln Platz.

Festwochenende Städtepartnerschaft: Bilder

Festwochenende für die Partnerstadt Aubergenville: Bilder

Mehrere Staus auf der Autobahn hatte die Ankunft der Franzosen zwar herausgezögert, doch rechtzeitig um 19 Uhr nahmen alle Platz. Tafeln wie Gott in Frankreich, die Mission wurde zunächst jedoch von Petrus vereitelt. Ein warmer Sommerregen ging über den Speisenden nieder. Beherzte Dieburger zauberten zwar schnell eine Unmenge Regenschirme herbei. Mit dem „parapluie“ überm Kopf war aus der weißen Gästeschar im Nu eine bunt beschirmte Feiergemeinde geworden. Die nimmermüde gute Laune stimmte den Wettergott versöhnlich. Nicht nur an diesem Abend, sondern im gesamten folgenden Festverlauf, dem Besuch des Trapezteichfestes (Artikel und Fotos auf Seite 3), Kräftemessen beim Bouleturnier und weiteren attraktiven Programmpunkten strahlte die Sonne über dem Geschehen.

Dem strengen Charakter einer akademischen Feier zum Trotz war auch der offizielle Teil des Freundschaftsfests von Herzlichkeit und legerem Miteinander geprägt. Bürgermeister Dr. Werner Thomas ließ es sich nicht nehmen, die französische Kollegin Sophie Primas mit der Hochzeitsrikscha in den Schlosspark zu chauffieren. „1975 war ich 13 Jahre alt“, erzählte die Bürgermeisterin strahlend, aus dem Nachbargarten sei damals lautes Gelächter einer ausgelassenen Feier herüber gedrungen. So wurde das junge Mädchen Zeuge der Verschwisterungsfeier zwischen Dieburg und Aubergenville – 40 Jahre später feiert sie den Geburtstag dieses Bündnisses. „Politiker haben unsere Städtepartnerschaft formell begründet“, sagte Stadtverordnetenvorsteher Dr. Harald Schöning, „doch vielfältige persönliche Kontakte von Bürgern, Kirchengemeinden, den Schulen, Sportvereinen, ja sogar Eheschließungen, machen diese Freundschaft erst aus.

Wer hätte sich nach Kriegsende vor 70 Jahren so etwas vorstellen können?“ Vianney Giraud, der im Verschwisterungsjahr 1975 das Licht der Welt erblickte, ließ nicht Worte, sondern Kunst sprechen. Auf einer großformatigen Leinwand prangte ein Freundschaftsbaum mit vielen Verzweigungen – und jeder Menge Platz, um in der Krone weitere „Fingerabdrücke“ neuer Freundschaften zu verewigen. „Das ist einzigartig!“, kommentierte die französische Generalkonsulin Sophie Laszlo die freundschaftliche Annäherung beider Länder, „das ist mehr als Versöhnung!“ Inzwischen gibt es 2 400 deutsch-französische Partnerschaften, 261 davon in Hessen. „Wir wünschen uns, dass unsere Verschwisterung lebendig bleibt“, schloss Sophie Primas mit einem Herzenswunsch, „vive le jumelage!“

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