Initiatoren des ersten Bürgerentscheids Hessens feierten am neuen Denkmal

Als die Schranke fiel

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Vor 22 Jahren fand in Dieburg der erste Bürgerentscheid Hessens statt. Daran erinnerte die IG Nord mit einer kleinen Veranstaltung, bei der Helmut Schelter (zweiter von rechts) eine Schranke als Denkmal für die Beseitigung des schienengleichen Bahnübergangs präsentierte.

Dieburg - Wenn Schranken oder Schlagbäume verschwinden, bleibt das immer in Erinnerung. In Dieburg hat 2011 ein Tunnel die berüchtigte Schranke zwischen der Kernstadt und dem Industriegebiet Nord ersetzt. Das wurde jetzt vor Ort gefeiert. Von Michael Just 

Dass in der Frankfurter Straße der schienengleiche Bahnübergang durch eine Unterführung ersetzt wurde, ist auf den ersten Bürgerentscheid Hessens zurückzuführen: Mit ihm protestierten 1993 engagierte Dieburger gegen einen Bahnübergang, der tagtäglich zu langen Staus führte. Am Samstag jährte sich das Datum des Bürgerentscheid zum 22. Mal. Grund genug für die damaligen Aktivisten, darunter Helmut Schelter, an den denkwürdigen Tag mit einem Gläschen Sekt direkt vor Ort zu erinnern. Wie der Diplom-Designer sagte, sei es damals nicht zuletzt um eine bessere Anbindung des Industriegebiet Nord an die Stadt gegangen: „Nicht nur beim Abholen von Einschreiben bei der Post stand man ein Großteil seines Dienstweges an der Schranke.“ Das habe die IG Nord, der Gewerbeverein und die CDU nicht länger hinnehmen wollen. Schelter erinnerte aber auch daran, dass es Gegner gab, die mit der Unterführung mehr Verkehr für die Innenstadt befürchteten.

Dass der Tunnel viel Geduld verlangte, weiß der damalige Bürgermeister Peter Christ (CDU) nur zu gut: „Immer wieder sind wir bei der Bahn in Frankfurt vergeblich angerannt.“ Erst als Hartmut Mehdorn in die Führungsetage des Konzerns rückte, sei Bewegung in die Sache gekommen. Dieburg wurde, trotz seiner geringen Größe, in die Liste der vorrangig zu sanierenden Bahnhöfe aufgenommen, was parallel die Unterführung begünstigte. Damit hatte sich der Bürgerentscheid doch noch rentiert: Nach dem Spatenstich 2008 wurde nach drei Jahren Bauzeit der Tunnel am 7. Oktober 2011 feierlich eröffnet.

Der Tag der Eröffnung am 7. Oktober 2011. Archivfoto: Hager

Während für die meisten Dieburger die Unterführung bereits selbstverständlich ist, hält man im IG Nord die Erinnerung hoch. Ausdruck dafür ist der Nachbau einer kleinen Bahnschranke, die fortan die Nordseite des Bauwerks als Denkmal ziert. Die Kosten von 3 000 Euro haben Mitglieder der IG Nord, allen voran Helmut Schelter, übernommen. Spenden zu Deckung der Kosten werden gerne entgegengenommen. Am liebsten hätte man eine der noch vorhandenen Originalschranken platziert. Dagegen sperrte sich aber die Bahn.

Am Samstag gelang Schelter eine weitere Überraschung: Neben einer genauen Dokumentation zum Bau des Tunnels mit vielen Unterlagen zauberte er die weißen Overalls hervor, mit denen die Unterschriften übergeben wurden. Ebenfalls in seinem Besitz: Ein Teil des rotweißen Bandes, das die Honoratioren aus Berlin und Wiesbaden bei der Eröffnungsfeier durchschnitten. Er habe eine der Scheren mitgenommen, gab ein Anwesender freimütig zu. Zudem sei noch ein Spaten vom ersten Spatenstich präsent. Ob alle diese Relikte in ein Museum wandern sollen, um die historische Bedeutung des Bürgerentscheids zu untermalen, ließ die Runde am Samstag noch offen.

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