Hans-Josef Rautenberg ist leidenschaftlicher Schreiber

Visionen vom Dixie-Klo

+
Der geborene Dieburger Hans-Josef Rautenberg schreibt zwar seine Stücke lieber im Café, die Fotos dazu bearbeitet er aber am Bildschirm in seinem Haus in Klein-Zimmern.

Dieburg/Klein-Zimmern - Sein Kopf sprudelt über vor Ideen und die Begeisterung für seine Projekte ist ihm anzusehen. Eher trocken und analytisch sind die beruflichen Anforderungen von Hans-Josef Rautenberg (54), als IT-Berater arbeitet er in Darmstadt in der Diakonie. Von Ulrike Bernauer 

„Aber das mache ich zum Broterwerb, meine Leidenschaft gilt dem Schreiben“, stellt er klar. Seine ersten Texte verfasste Rautenberg schon mit acht Jahren, als 20-Jähriger versuchte er sich an einer Science-Fiktion-Story, die er allerdings nicht beendete. Den Schluss würde seine Frau heute noch gerne erfahren. Vor 18 Jahren nahm Rautenberg einen erneuten Anlauf, richtig los ging es dann vor zwölf Jahren und seitdem kann ihn kaum noch etwas vom Schreiben abhalten. Dabei ist er ein Vielschreiber, wenn er mal richtig loslegt, dann hat er notfalls auch ein ganzes Drehbuch innerhalb von vier Tagen verfasst.

Wer jetzt denkt, dieses Geschäft erledigt er in der Stille des heimischen Zimmers, liegt völlig falsch. „Ich brauche beim Schreiben die Ablenkung“, sagt Rautenberg. „Ich setze mich gerne in ein Café, schreibe und beobachte die Menschen, dabei entstehen oft neue Ideen.“ Gerne nimmt er sich auch in einem Hotel in der Rhön eine Auszeit, hier entwickelt er die größte Schaffenskraft. Längst begnügt sich Rautenberg aber nicht nur mit dem Schreiben. Lesungen, bei denen der Autor Stücke aus einem Buch einfach vorliest, sind nicht mehr sein Ding. Schon früher hat er oft Short-Storys geschrieben, die dann auch in Gänze, schon damals mit kleinen Einlagen vorgelesen wurden.

Inzwischen sind seine Veranstaltungen aber multimedial: Bilder, kleine Szenen und Musik ergänzen und vervollständigen die Lesung. Beim Dinner à la Mord darf nebenbei auch gerne gegessen werden. Diese Veranstaltung ist ihm aber fast schon zu sehr Routine geworden, deshalb will er sie in Zukunft Schauspielerin Sabrina Faber anvertrauen. Faber kennt seine Arbeitsweise, weil sie die meisten Projekte mit ihm durchgeführt hat.

Das Projekt, dem er sich jetzt mit voller Kraft widmet, heißt „Zukunftsvisionen“. Die Premiere ist am Samstag, 19. Dezember, um 20 Uhr im Café Schloss Fechenbach. Hier soll das Multimediaereignis perfektioniert werden. Rautenbergs Geschichte spielt im Jahr 2258, wie es schon bei seinen letzten Lesungen üblich war, wird der Zuschauer nicht nur seine oder Fabers Stimme hören, sondern in Musik, Fotos und Filmschnipsel eintauchen können. Zusätzlich werden auch noch mehrere Schauspieler die Zuschauer vergessen machen, dass sie sich „nur“ auf einer Lesung befinden.

Größte Herausforderung ist synchrone Lesung

Die größte Herausforderung für alle Akteure ist die synchrone Lesung mit den sich auf der Leinwand abspielenden Bildern und Handlungen. „Alle Schauspieler müssen das zu Hause üben, einmal werden wir es alle zusammen proben und dann kommt schon die Premiere“, plant der Autor. Bis kurz vor Weihnachten wird Rautenberg also mit seinen Visionen beschäftigt sein, danach wartet die nächste Arbeit auf ihn. Für das Theater „Alte Brücke“ in Frankfurt-Sachsenhausen hat er bereits ein Theaterstück geschrieben. Über seine Texte sind die Theatermacher auf ihn aufmerksam geworden. Seine Stücke seien mal etwas anderes, befanden sie, und so schrieb Rautenberg ein Stück über zwei Dixie-Klos.

Am liebsten würde das Theater sein Stück „Shit happens“ schon im März aufführen, aber bei diesen Plänen winkt Rautenberg ab. „Im Vordergrund stehen für mich jetzt die Zukunftsvisionen, erst danach kann ich mich mit voller Kraft auf das Theaterstück stürzen. Der Text ist zwar schon geschrieben, aber ich will auch die Schauspieler kennenlernen, die Rollen sollen passen.“ Schreiben will Rautenberg künftig allerdings keine Bücher mehr, fünf hat er insgesamt schon herausgebracht. Short-Storys kann er sich weiterhin vorstellen, aber auch Stücke, die dann wieder multimedial ergänzt werden. „Meine Tochter hat sich inzwischen schon zu einer prima Technikerin entwickelt“, sagt er stolz.

Rautenberg wurde in Dieburg geboren und ist dort auch aufgewachsen. Vor 20 Jahren suchte er mit seiner Frau ein kleines Haus, in Klein-Zimmern ist er fündig geworden. Hier ist sein Rückzugsort: „Ich bin sonst oft in Wiesbaden, Frankfurt oder Aschaffenburg.“ Schreiben tut er kaum zu Hause, seine Filme oder Fotos montiert und schneidet er allerdings im heimischen Wohnzimmer. Eines ist ihm auch noch ganz wichtig: Er verlangt zwar Eintritt für seine Veranstaltungen, spendet diese Einnahmen aber in der Regel. So hat er schon einiges an Geld für Flüchtlinge oder beispielsweise die „Stolpersteine“ beigetragen. Nun schwebt ihm vor, dass die zahlreichen ehrenamtlichen Helfer in der Flüchtlingsarbeit auch einmal eine Anerkennung erhalten sollen.

Für die Premiere am 19. Dezember in Dieburg verlost der DA zweimal je eine Eintrittskarte. Dafür per E-mail oder Postkarte bis 13. Dezember folgende Frage beantworten: Wo schreibt Rautenberg seine Texte am liebsten?

Kommentare