Holocaust-Überlebende Edith Erbrich

Damit Opfer im Gedächtnis bleiben

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Edith Erbrich mit Autor Hans-Josef Rautenberg bei der Lesung „Erinnerungen“ im Museum Schloss Fechenbach.

Dieburg - Am 8. Mai jährt sich das Ende des Zweiten Weltkriegs zum 70. Mal. Ergänzend zur Sonderausstellung „Befreiung am Palmsonntag, Kriegsende und Nachkriegszeit in Dieburg“ im Museum Schloss Fechenbach fand eine beeindruckende Lesung statt. Von Peter Panknin

Bei der szenischen Lesung erzählte eine Zeitzeugin: die Frankfurterin Edith Erbrich, die als Kind eines jüdischen Vaters das KZ Theresienstadt überlebte. Schauspielerin Sabrina Faber und Autor Hans-Josef Rautenberg lasen aus dem von ihm im Buch „Erinnerungen“ festgehaltenen Geschichten von Menschen, die diese selbst erlebt und ihm erzählt hatten. Im Vordergrund stehen dabei Schicksale von Menschen, die den Krieg und die Zeit unmittelbar danach, erlebt haben. Zu diesen Menschen gehört auch die in Frankfurt geborene Edith Erbrich, die als Zweijährige mit dem Makel des gelben Sterns – ihr Vater war Jude, die Mutter Christin – versehen wurde und dadurch Isolation von gleichaltrigen Kindern erfuhr. Als Siebenjährige wurde sie dann im Februar 1945 von Frankfurt zusammen mit ihrer Schwester und ihrem Vater in das Konzentrationslager Theresienstadt verbracht.

Die Mutter blieb zurück, wurde aber in Beugehaft genommen, um die Scheidung vom Vater zu erzwingen. Getrennt von der Mutter, im KZ auch getrennt vom Vater und von der Schwester, musste das Kind viel Leid ertragen. In der Nacht vom 7. auf den 8. Mai 1945 wurde das KZ Theresienstadt von der Roten Armee befreit. Edith Erbrich hat überlebt, ebenso ihre Mutter, ihre Schwester und ihr Vater. Heute lebt sie in Langen, von wo aus sie sich für Überlebende des Konzentrationslagers Theresienstadt engagiert und als wichtige Zeitzeugin in vielen Schulen auftritt, um von den erschütternden Erlebnissen ihrer Kindheit zu berichten. Für ihr Engagement wurde Edith Erbrich im Jahr 2007 vom damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Die Zahlen der im Dritten Reich ermordeten Menschen in Konzentrationslagern ist abstrakt – Historiker gehen von rund sechs Millionen aus. Sie werden erst fassbar und begreifbar, wenn man Schicksale einzelner Personen näher betrachtet. Dann erst wird klar, was es bedeutet, die Vergangenheit zu kennen und zu sagen „nie wieder“. Diesen Erinnerungen kommt eine besondere Bedeutung zu, da heutzutage leider wieder häufiger von gewalttätigen Übergriffen auf angeblich „andersartige“ Menschen zu berichten ist.

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