Hilfsprojekte von „Holzisch“-Trägerin Stella Deetjen in Gefahr

Auf Dschungelpfaden zu den Erdbebenopfern

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Da strahlen alle noch: Stella Deetjen in einer Schule des Vereins in Chitwan, das von dem Erdbeben stark betroffen ist. Wie groß die Schäden sind, lässt sich noch nicht sagen.

Dieburg/Bad Homburg - „Schade, dass wir uns dieses Mal zu so einem traurigen Anlass sprechen müssen“, ist Stella Deetjens erste Reaktion am Telefon. Die Sorgen um die Menschen in Nepal sind ihrer Stimme deutlich anzumerken – aber auch ihre Entschlossenheit, schnell und effektiv Hilfe auf die Beine zu stellen. Von Lisa Hager

„Was die Leute dort als erstes brauchen, sind Wasser und Lebensmittel“, sagt sie im Gespräch mit dem DA. Die engagierte Frau mit den blonden Rastalocken ist in Dieburg durch die Verleihung der „Holzisch Latern“ bekannt geworden (wir berichteten). Am Rosenmontag wurde ihr die höchste externe Auszeichnung des KVD verliehen. In der voll besetzten Römerhalle hatte sie einen eindrucksvollen Filmvortrag über ihre Hilfsprojekte in Nepal und Indien gehalten. Der von ihr gegründete Verein „Back to Life“ (Sitz in Bad Homburg) betreibt in einer der ärmsten Regionen der Welt Krankenstationen und Kinderheime, gibt in den Dörfern durch Mikrokredite Hilfe zur Selbsthilfe, hat Schulen für Mädchen gebaut, die sonst keinerlei Zugang zu Bildung hätten.

Jetzt sind durch das katastrophale Erdbeben im Gebiet von Kathmandu viele dieser Projekte in Gefahr. Deetjen ist trotz der Katastrophe aber über eins sehr glücklich: „Ich habe Kontakt zu meinen beiden einheimischen Projektleitern, Dikendra und Achyut. Die Telefonleitungen funktionieren mal mehr, mal weniger. Daher weiß ich aber, dass ihnen nichts passiert ist – Gottseidank.“

Helfer bringen Wasser und Lebensmittel

Die Helfer vor Ort – insgesamt hat der Verein 124 in Indien und Nepal im Einsatz – haben sich inzwischen zu Fuß aufgemacht in die fünf weit auseinander liegenden Projektdörfer. Sie sind nur über Dschungeltrails zu erreichen. Die Helfer bringen Wasser, Lebensmittel, Zelte und Planen und kümmern sich um mögliche Verletzte. Bis ins nächste Krankenhaus sind es von den Dörfern aus mal 30, mal 50 Kilometer, die nur zu Fuß zu bewältigen sind. Vor Ort werden die Helfer die Schäden genauer in Augenschein nehmen. Erst dann kann sich auch Deetjen ein realistisches Bild von der Lage machen. „Ob beispielsweise einem von unseren Schulkindern etwas passiert ist, kann ich nicht sagen, dafür ist es zu früh“, sagt Deetjen. Allerdings wäre es angesichts der immer höher werdenden Opferzahlen naiv zu glauben, dass unter den von ihr betreuten Menschen keine Toten oder Verletzten zu beklagen sind. „Es gibt viele Freunde, die ich per Telefon noch nicht erreicht habe. Ich habe Angst um sie“, stellt sie traurig fest.

Die Spendenkonten für die Erdbebenopfer und Informationen zur aktuellen Lage vor Ort findet man auf der Homepage:www.back-to-life.org. Der Verein in Bad Homburg ist montags bis freitags von 9 bis 15 Uhr unter 06172/6626997 oder per E-Mail info@back-to-life.org zu erreichen.

Vor allem die ständigen Nachbeben, die bei den Einheimischen jedesmal Panik auslösen, machen ihr große Sorgen. „Die haben vor allem unsere Einsatzgebiete betroffen“, berichtet sie. „Und es geht ja ständig weiter.“ Das Erdbeben sei überfällig gewesen in der Gegend, sagt sie. Seit zehn Jahren habe man damit gerechnet.

In diesen Tagen will sie dem Krisengebiet vor allem durch Öffentlichkeitsarbeit helfen, um Spenden für die Opfer zu sammeln. „Lange halte ich das aber nicht aus“, sagt sie mit Ungeduld in der Stimme. „Bald muss ich da selbst runter. Ich will vor Ort sein.“

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