Am 18. März soll freigeschaltet werden

Glasfaser macht’s möglich: Infoabend zum schnellen Internet 

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Groß war das Interesse an der Informationsveranstaltung zum schnellen Internet.  

Dieburg - Die Bandbreite ihres Internet-Anschlusses bewegt die Menschen. Nur wenige empfinden es als einen Zugewinn an Lebensqualität, beim Download eines kurzen Videos in der Küche Tee zubereiten zu können. Von Klaus Holdefehr 

Entsprechend groß war jetzt das Interesse an einer Informationsveranstaltung zum schnellen Internet in der Dieburger Römerhalle. Vertreten waren auf der Bühne Bürgermeister Dr. Werner Thomas, Landrat Klaus Peter Schellhaas, die Telekom-Techniker Oliver Fried und Joachim Stromer, schließlich „Strippenzieher“ Udo Klenk, der in einem kurzen Statement davon berichtete, wie schön es sich anfühlt, an einem Stück Zukunft zu bauen. Um was es geht, machte vor allem Schellhaas deutlich. An verschiedenen Beispielen erläuterte er, dass die Bandbreite - oder Geschwindigkeit - des Internet-Anschlusses inzwischen ein wichtiger Standort-Faktor ist, der sogar beim Verkauf und der Vermietung von Immobilien eine Rolle spielt. „Dieses Netz war in vielen Teilen des Landkreises - auch in Teilen von Dieburg - nicht mehr zeitgemäß.“ In der ehemaligen Kreisstadt gab es allerdings eine „schnelle Insel“, im Osten der Stadt, wo früher die Deutsche Bundespost eine Fernmelde-Fachhochschule betrieben hat. So wie auf dieser „Insel“ soll es sich bald überall im Stadtgebiet anfühlen, und noch besser, mit bis zu 100 mbit/s, wenn zum Grundvolumen von 50 mbit/s noch Vectoring hinzugebucht wird.

„Wir haben eine Weile mit Neid auf den Odenwaldkreis geschaut, der den Netzausbau selbst in die Hand genommen und das Netz dann an einen Betreiber vermietet hat“, sagte Schellhaas. Aus dem „Das können wir auch“ wurde ein Zweckverband von 19 Kreiskommunen und dem Landkreis mit ähnlicher Absicht, deren Realisierung laut Schellhaas 54 bis 57 Millionen Euro gekostet hätte. In der Ausschreibungsphase sei dann unerwartet die Deutsche Telekom auf den Plan getreten und habe signalisiert, in weiten Bereichen des Landkreises selbst investieren zu wollen. Dazu zahlt der Zweckverband der Telekom jetzt einen Zuschuss von 3,7 Millionen Euro, als Ausgleich für die Versorgung von Gebieten, in denen sich die Investition wegen langer Anbindung und wenigen potenziellen Kunden nicht rechnet.Technisch ist es so, dass Kupferkabel um so mehr bremsen, je länger und dünner sie sind. Glasfasern transportieren Signale jedoch in fast unvorstellbarer Lichtgeschwindigkeit von fast 300.000. 000 Metern pro Sekunde. Jetzt wurden auch in Dieburg die langen Strecken vom Hauptverteiler zu den Kabelverzweigern mit Glasfaser verbunden. Dort werden die rasend schnellen Signale für die „last Mile“ bis zum Endkunden auf das vorhandene Kupferkabel umgesetzt - das weiterhin bremst, weswegen nicht überall exakt der Spitzenwert von 50 mbit/s ankommen wird. „40 bis 45 mbit/s werden es aber schon überall sein“, versprach Schellhaas. In Dieburg soll das schnelle Internet am 18. März „scharf“ geschaltet werden. Wichtige Information: Das schnelle Internet kommt nicht von allein. Dazu muss ein neuer Vertrag geschlossen werden, mit der Telekom oder auch anderen Anbietern, denen die Telekom die Kabelnutzung vermieten muss, denn Wettbewerb soll sein. Erst mit dem neuen Vertrag wird die „last Mile“ mit der Glasfaser gekoppelt, vorher begegnet sich im Kabelverzweiger noch Kupfer und Kupfer.

Daraus ergeben sich bisweilen vertrackte Szenarien wie das eines Telekom-Kunden, der aktuell 16 mbit/s gebucht hat, bei dem aber nur sechs mbit/s ankommen. Die neue Technik bringt auch für ihn nicht automatisch eine Verbesserung, weil seine Gesamtleitung bis zum Hauptverteiler so lange auf Kupfer bleibt, bis er einen neuen Vertrag abschließt. Dafür versprach Telekom-Techniker Stromer quasi paradiesische Verhältnisse, in denen sich Telefonie, Datenaustausch und Unterhaltung mit einem einzigen Kabel abwickeln lassen, und das mit einer Geschwindigkeit, die sogar das parallele Herunterladen mehrerer Kinofilme in HD-Qualität erlaubt. Nur vage Antworten gab es auf Fragen zur sich abzeichnenden Abschaltung des ISDN-Telefonnetzes und den Möglichkeiten der Weiternutzung zugehöriger Gerätschaften. Und ob alle Hausnotrufdienste weiter funktionieren werden, wenn die Telefonie aufs Internet-Protokoll (Voice over IP, kurz VoIP) umgestellt ist, konnten die Telekom-Techniker auch nicht verbindlich beantworten.

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