Johannes Stemmler nicht wegzudenken

Von der Haarnadel bis zu Angela Merkel

+
Johannes Stemmler ist seit 22 Jahren bei den Sitzungen des KVD nicht wegzudenken: Als Organisator hinter den Kulissen und auch als Statist auf der Bühne ist er stets zur Stelle, wenn er gebraucht wird. Hinter den Kulissen fühlt er sich am wohlsten: der Kümmerer des KVD, Johannes Stemmler.  

Dieburg - Ob als helfende Hand, die zwischen den Programmpunkten die richtige Kulisse auf die Bühne bringt oder als Rikscha-Fahrer, der den Auftritt der Äla-Kepp bereichert: Auch in dieser Sitzungskampagne war Johannes Stemmler von der KVD-Bühne nicht wegzudenken. Von Laura Hombach 

Seit 22 Jahren laufen bei ihm die Fäden für das Bühnenbild zusammen. Dank ihm findet jeder Aktive bei seinem Auftritt all das vor, was er braucht, um das närrische Publikum zu begeistern.

Regisseur könnte man sein Wirken hinter und auf der Bühne nennen. Doch dagegen verwehrt sich der 66-Jährige, der seit 1968 KVD-Mitglied ist. „Ich bin der Kümmerer“, erklärt Stemmler. Zudem sei es eine Teamleistung, die den reibungslosen Ablauf des Auf- und Abbaus von Requisiten ermögliche. Das dreiköpfige Team ist ganz in Familienhand: Bruder Norbert und Tochter Patricia Lewis arbeiten mit Johannes Stemmler zusammen. „Wir verstehen uns blind“, schwärmt der Kümmerer. „Man muss sich aufeinander verlassen können“, sagt der Mann, der in den zweimal elf Jahren bei keiner Sitzung auch nur eine Minute gefehlt hat. Und auch von den Aktiven kann Stemmler genau sagen, wer wann dabei war. Er führt Buch, so dass er Sitzungspräsident Bernd Wolfenstädter immer die aktuelle Statistik vorlegen kann, wer von den Aktiven das wievielte Mal dabei ist.

Geht Stemmler zum Einsatz hinter den KVD-Kulissen, dann trägt er nicht nur das grüne Sakko, an dem er und seine beiden Teamkollegen deutlich zu erkennen sind. Mit dabei hat der Kümmerer auch immer seinen Koffer, der mit Scheren, Nadeln, Haarnadeln und allem anderen, was das Bühnenherz begehrt, bestückt ist. Und dank dessen Inhalts Stemmler stets gut gerüstet ist, um Kostüm- und Frisur-Erste Hilfe zu leisten.

Auf- und Abbau muss schnell gehen

Beim Auf- und Abbau wissen er und sein Team genau, wann es wieder Zeit ist für den nächsten möglichst unauffälligen Einsatz. „Das darf nicht mehr als ein, zwei Minuten dauern“, erklärt der Kümmerer. Und das bei immer umfangreicherem Bühnenequipment. Als Stemmler 1968 zum ersten Mal bei der KVD-Sitzung hinter der Bühne aktiv war, habe es gerade einmal zwei Bütten und drei Mikrofone gegeben. Heute habe fast jede Programmnummer ihr eigenes Bühnenbild.

In den 90er Jahren stieg Stemmler dann dauerhaft als Helfer bei den KVD-Sitzungen ein. Zunächst als Elferratseinteiler, der Job als Kümmerer kam aber schnell dazu. Und so kümmert er sich also seit 22 Jahren im Stillen um das Gelingen der KVD-Sitzungen. Arbeitsbeginn an den Sitzungstagen ist für den Mann in Grün um kurz vor 17 Uhr, sein Dienst endet etwa eine Stunde, nachdem das muntere Narrentreiben über die Bühne gegangen ist. Dann schließt Stemmler die Garderobe zu, schaut, dass alle Lichter ausgeschaltet sind und hat gegen 1.30 Uhr tatsächlich auch einmal nichts mehr zu tun.

Bei den Proben für die Sitzungen hat Stemmler eine Stoppuhr dabei und auch bei den Sitzungen selbst wird geschaut, wer Überlänge hat. „Meistens sage ich den Leuten, dass sie kürzer werden müssen,“ schildert der Mann für alle Fälle lächelnd. Wenn es dann einmal gerade nichts hinter der Bühne zu rücken oder zu stoppen gibt, ist für den Kümmerer noch lange nicht Däumchen drehen angesagt. Denn in seiner Verantwortung liegt es auch, alle Ehrengäste und sonstigen Ordensverdächtigen mit einem solchen auszustatten.

Dass überhaupt genügend Orden da sind, auch darum kümmert sich das Allroundtalent. Neben den Orden betreut der Mann, der als Vermögensverwalter im KVD-Vorstand aktiv ist, auch die Fanartikel und das Archiv des KVD. Und auch hier ist mit den Aufgaben des Kümmerers noch lange nicht Schluss. Immer wieder findet sich ein neuer Spezialauftrag, für den die Fähigkeiten des Allrounders gebraucht werden. So hat Stemmler etwa ein Jahr lang an der Erstellung des Fastnachtliederheftes 1949 bis 2009 mitgewirkt und zusammen mit seinem erprobten Familienteam und ein paar anderen KVD-Mitgliedern die Fastnachtsausstellung 2008 im Schloss Fechenbach erarbeitet.

22 Jahre Kümmerer, da wäre doch eigentlich eine Ehrung fällig. Doch auf die ist Stemmler gar nicht so wild. „Das ist doch peinlich, wenn man da vorne steht und es gucken einen alle Leute an. Man muss mir doch nicht danken und mich ehren, ich mache das doch gerne“, sagt der Mann, der lieber hinter als im Rampenlicht agiert.

Auch für Statisteneinsätze zu haben

Obwohl, so stimmt das auch nicht ganz. Denn in den zurückliegenden Jahren war der Tausendsassa auch immer für Statisteneinsätze zu haben und ließ sich dafür in so manches Kostüm stecken. So wurde der Kümmerer mal zum Deiwelsgeigenspieler, Knappen, Kater, Prinz, zum Geigenspieler im Tutu und sogar zur Angela Merkel. Dieses Jahr ist er als fette Annette aus Ötzengesäß Teil der Show. Und auch dafür gibt es einen genauen Zeitplan: Während des Zimmern-Vortrags wird schon einmal die Damenstrumpfhose übergestreift, dann schnell das Bühnenbild für den nächsten Beitrag gewechselt, während dem aus Stemmlers Gesicht das der fetten Annette wird, dann noch ein bisschen vom Rand bei den nächsten Ab- und Aufbauarbeiten mithelfen und dann flugs in BH und Kleid schlüpfen, um schließlich als holdes Weib auf der Bühne zu stehen. Bei seinen Kurzauftritten hat Stemmler auch schon des öfteren als Texthalter für Fastnachter fungiert, die bei ihren Bühnennummern dezente Erinnerungshilfen brauchen.

Bei wem die Vorträge gut sitzen, wer ein paar Gedankenstützen braucht und wen man vor dem Auftritt zwecks Konzentration am besten ganz in Ruhe lässt, das alles weiß Stemmler ganz genau. Viel erlebt hat er in den zurückliegenden 22 Jahren mit den Bühnenaktiven. Und Zeit für Späßchen ist bei aller Professionalität auch immer wieder. Einer von Stemmlers Späßen mit einem Bühnenaktiven flog im wahrsten Sinne des Wortes auf, als die Wolke, auf der der Aktive sein Redemanuskript deponiert hatte, kollabierte. All die bunten Bildchen von leichtbekleideten Damen, die der Kümmerer liebevoll an den Text angebracht hatte, flatterten daraufhin über die Bühne. In der gerade abgelaufenen Sitzungsperiode erlaubte sich die Kapelle einen kleinen Schabernack mit Kümmerer. „Die haben, als ich mit der Rikscha über die Bühne gefahren war, nicht aufgehört zu spielen. Da muste ich noch eine Extra-Runde einlegen“, schildert Stemmler das Späßchen mit einem Lächeln. Denn gerade diese kleinen Begebenheiten sind es, die dem Kümmerer seine Arbeit versüßen.

Sitzung beim KVD

Sitzung beim KVD

So viel Freude ihm sein Einsatz auch bereitet, inzwischen denkt der 66-Jährige auch darüber nach, das grüne Sakko in den nächsten Jahren an den Nagel zu hängen. „Einmal muss ja Schluss sein. Und wenn ich aufhöre, dann höre ich auch richtig auf“, sagt Stemmler. Doch bis dahin hat der Kümmerer noch so viel zu tun. Nach den Sitzungen hilft er jetzt mit vollem Einsatz dabei mit, Zugplaketten an Mann und Frau zu bringen. Zwischendrin schaut der Kümmerer danach, ob bei der Äla-Nacht alles rund läuft. Und wenn dann am Aschermittwoch nicht alles, aber zumindest erst einmal die heißeste Phase der Fastnachtskampagne vorbei ist, kann Stemmler auch wieder an sein Steckenpferd, nämlich an das Archiv des KVD denken. „Das ist mein Lieblingshobby, aber dafür habe ich die wenigste Zeit“, schildert er seinen Wunsch, einmal so richtig in die Geschichte der Dieburger Fastnacht einzutauchen.

Man sieht, für den Kümmerer gibt es immer etwas zu tun. Und hoffentlich auch weiterhin so viel, dass ihm über all dem keine Zeit bleibt, über einen guten Zeitpunkt zum Aufhören nachzusinnen. Denn was sollte aus dem KVD, den Sitzungen und den Aktiven werden, wenn sich ihr Kümmerer nicht mehr um sie kümmert?!

Kommentare