Landkreis und Bistum stellen Pläne vor

Kloster als Asylunterkunft

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Das Thema beschäftigt derzeit die Öffentlichkeit: Gestern filmte die Kamerafrau eines privaten TV-Senders vorm Kapuzinerkloster im Minnefeld. Vorbehaltlich der Baugenehmigung und der Einhaltung des Kostenrahmens könnten schon im Sommer die ersten Flüchtlinge hier eine Unterkunft finden. Insgesamt gibt es Platz für 19 Asylbewerber im Klostergebäude.

Dieburg - Das Kapuzinerkloster Dieburg wird Flüchtlingsunterkunft: Erste Kreisbeigeordnete Rosemarie Lück und der Generalvikar des Bistums Mainz, Prälat Dietmar Giebelmann, haben gestern Abend Anwohner und andere interessierte Bürger über die Details unterrichtet. Von Lisa Hager

Schon seit Längerem ist das seit November 2012 nicht mehr genutzteKapuzinerkloster im Minnefeld als mögliche Unterkunft für Flüchtlinge und Asylbewerber im Gespräch. Jetzt soll es konkret werden: Der Kreis verhandelt derzeit mit dem Bistum Mainz über die Umgestaltung von Räumen im Kloster. Vorbehaltlich der Baugenehmigung dieser „Sondernutzung“ und falls die „Umbaukosten verhältnismäßig erscheinen“ (so das Bistum) könnten dort schon im Sommer die ersten Flüchtlinge einziehen. Platz fänden dort bis zu 19 Personen. Der Landkreis würde das Gebäude für mehrere Jahre anmieten. Sozialdezernentin Lück, Prälat Giebelmann und Bürgermeister Dr. Werner Thomas stellten die Pläne interessierten Bürgern gestern Abend im Rathaus vor.

Dazu gab Lück auch Informationen über die aktuelle Entwicklung im Landkreis. Laut Landesaufnahmegesetz Hessen sind die Kommunen und Landkreise verpflichtet, Asylbwerber unterzubringen. Die Quote für Hessen beträgt 7,21 Prozent, die für den Landkreis fünf Prozent. Im vergangenen Jahr wurden Darmstadt-Dieburg 708 Personen zugewiesen. Insgesamt erhalten 1610 Flüchtlinge im Landkreis (Stand Ende Januar 2015) Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz. Mehr als zwei Drittel der Antragsteller sind Männer. Fast Dreiviertel leben in Gemeinschaftsunterkünften, der Rest in Wohnungen und Wohngemeinschaften.

Asylbewerber gemäß Einwohnerzahl verteilt

Der Kreis wiederum verteilt die Asylbewerber gemäß Einwohnerzahl auf die einzelnen Städte und Gemeinden. Dieburg muss nach seinem Anteil an der Kreisbevölkerung fünf Prozent der dem Kreis zugewiesenen Flüchtlinge aufnehmen, so Lück gestern. Ende Januar wohnten in Dieburg 139 Flüchtlinge – aufgeteilt auf verschiedene vom Landkreis im Nordring angemietete Wohnungen (93 Personen) und in privaten Mietverhältnissen (46 Personen).

Für das erste Halbjahr 2015 erwartet Lück bis zu 610 Neuzuweisungen. „Die derzeitigen Schätzungen geben aber noch darüber hinaus“, so die Vizelandrätin. Momentan allerdings verfügt Dieburg über ein Aufnahmeplus und hat daher keine Aufnahmequote für das erste Halbjahr erhalten. Diese vom Land übertragene Aufgabe reißt wegen der steigenen Aslybewerberzahlen ein großes Loch in den Etat. Das Land Hessern erstattet für die Dauer des Asylverfahrens und bis zu 24 Monate nach rechtskräftigem Abschluss für jeden dem Landkreis zugewiesenen Flüchtling eine Monatspauschale von 562 Euro. Sie soll in diesem Jahr auf 652 Euro erhöht werden. „Die finanziellen Mittel des Landes reichen bei Weitem nicht aus“, sagte Lück. „Für mehr Integration wird auch mehr Geld benötigt.“

Arbeitskreise und Helfergruppen entstanden

In fast allen Städten und Gemeinden des Kreises sind inzwischen Asyl-Arbeitskreise oder Helfergruppen entstanden. Auch in Dieburg steht eine rührige Gruppe von Ehrenamtlichen um Heinz Albers den Flüchtlingen mit Rat und Tat zur Seite, organisiert Sachspendensammlungen und ähnliches. Bürgermeister Dr. Werner Thomas drückte dem „sehr engagierten Betreuerkreis“ in der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag seinen Dank aus. Demnächst soll auch im Rathaus ein Ansprechpartner für alle Belange rund ums Thema benannt werden. Das hatte Stadtverordneter Dr. Albrecht Achilles (FDP) angeregt. „Die Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung ist generell sehr hoch“, lobte auch Lück diese Haltung. Dadurch werde den Flüchtlinge Unterstützung zuteil und eine Willkommensstruktur entwickelt.

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