Kreishaus liegt voll im Plan

Im Juli kommt Leben ins Haus

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Der Innenhof des Kreishauses soll eine kleine grüne Oase werden. Vom Zwischenbau aus kann man künftig ins Freie treten.

Dieburg - Im Juli wird es lebhaft im Dieburger Kreishaus. Nun – lebhaft ist es jetzt auch, wenn sich Dutzende von Bauarbeitern, Elektrikern, Weißbindern und Technikern die frisch eingebauten Klinken in die Hand geben. Von Lisa Hager

Aber im Sommer ist Schichtwechsel: Mitte Juli ziehen die rund 180 Mitarbeiter wieder ein in das für rund 18 Millionen Euro energetisch sanierte, umgebaute und brandschutztechnisch auf den neuesten Stand gebrachte Landratsamt in der Dieburger Albinistraße. Bei einem Ortstermin haben am Dienstag Landrat Klaus Peter Schellhaas, dessen Verwaltungsleiter Rainer Leiß und seine Mitarbeiterin Cornelia Schuster vor Ort über den Baufortschritt berichtet. Die gute Nachricht nach zwei Jahren Sanierungszeit: Der Einzugstermin im Juli ist – sollte nichts Gravierendes mehr dazwischen kommen – zu halten. Und, nicht minder wichtig: Bei den angesetzten Kosten von rund 18 Millionen Euro wird die Kreisverwaltung nach jetzigem Stand der Dinge nahezu eine Punktlandung hinlegen. Keine Selbstverständlichkeit in einer Zeit, in der die Kosten für öffentliche Bauprojekte nicht selten in die Höhe schießen wie Pilze im Regen.

Geholfen hat bei der Kosteneinhaltung auch die Tatsache, dass während der Arbeiten keine größeren unliebsamen Überraschungen auftraten. Anfangs kamen bei der Schadstoffsanierung manche Firmen zeitlich nicht richtig in die Gänge. Und die mangelnde Armierung des Betons machte an manchen Stellen statische Probleme. Da musste nachgerüstet werden. „Dann aber lief alles wie am Schnürchen“, sagte Leiß. Eine großzügige Freitreppe empfängt künftig die Besucher – barrierefrei. Rollstuhlfahrer oder Eltern mit Kinderwagen können entweder ins ausgebaute Kellergeschoss einfahren oder über einen Plattformlift in den neuen Verbindungsbau gelangen – das alte Foyer (Baujahr 1960) wurde komplett ersetzt. Durch einen Windfang gelangt man in den lichtdurchfluteten Service- und Empfangsbereich, in dem Warteecken und drei Bürgerbüro-Arbeitsplätze angesiedelt sind. Von dort aus werden die Besucher an die zuständigen Stellen geleitet beziehungsweise vor Ort bedient. Von einem kleinen Besucher-Bistro aus kann man auch in den grünen Innenhof treten. Wo ehemals die Kfz-Zulassung war, werden Büros eingerichtet.

Altbau grundhaft saniert worden

Der denkmalgeschützte Altbau aus dem Jahr 1908 ist grundhaft saniert worden. Dort wird weiterhin die Volkshochschule residieren. Dazu sind Besprechungs- und Schulungsräume sowie Büroflächen vorgesehen. Den alten Kreistagssitzungssaal will Landrat Schellhaas durch kommunalpolitische Aktivitäten wiederbeleben. „Hier werden Ausschüsse tagen“, sagte er, auf dem rauen Bretterboden stehend, den bald Parkett bedecken soll. Für Kreistagssitzungen mit 71 Parlamentariern allerdings ist der Saal zu klein. Das Hochhaus, das 1960 erbaut und 1972 um einen fünften Stock erweitert wurde, ist bis aufs „Skelett“ und den Rohfußboden entkernt worden. Die lichtdurchfluteten Gänge überraschen die Besucher, die das Gebäude von früher kennen. Die Flure sind breiter geworden, die Säulen – vorher unsichtbar in den Mauern integriert – lockern die Architektur auf. Glaswände zu den Büros erlauben über die Außenfenster einen Durchblick bis ins Freie. In einem kompakten Kernbereich liegen Sanitäranlagen und Teeküchen, die sowohl der Volkshochschule als auch den Bediensteten der Verwaltung zur Verfügung stehen werden.

Die einfache Fassadenkonstruktion im Passivhausstandard ist in zwei Schichten aufgebaut: Die innere, thermische Haut bildet mit Verglasungen, Öffnungsflügeln und gedämmten Flächen eine Ebene. Die äußere, perforierte Haut aus matt metallic schimmerndem Aluminium verdeckt die Öffnungsflügel, die für die nächtliche Kühlung des Gebäudes sorgen. „Deckenhohe Verglasung und die besondere Konstruktion der Brüstung sollen das Tageslicht optimal ausnutzen“, sagte Leiß. Wem die Sonne zu viel wird, kann selbst einen Blendschutz hoch ziehen.

Alle baulichen Maßnahmen hatten das Ziel, möglichst barrierearme Raumverhältnisse zu schaffen. „Auf dem Vorplatz dienen beispielsweise Blindenleitstreifen zur Orientierung für Sehbehinderte“, fügt er hinzu. Verzichtet wurde laut Landrat auf einen Ausbau des Daches im Altbau. „Das wäre von den Kosten her nicht angemessen gewesen“, so Schellhaas. Ein Mehr von 110 Quadratmetern Bürofläche hätte mit 1,4 Millionen Baukosten zu Buche geschlagen. Unterm Flachdach des „Hochhauses“ hingegen wird der Landrat bald selbst einziehen – falls er am 19. April wiedergewählt werden sollte. Das Landratsbüro – mit der Möglichkeit, sich auf einer kleinen Dachterrrasse Dieburg von oben anzusehen – und ein Besprechungszimmer sind dort angesiedelt. Mit auf gleicher Ebene: die Kommunalaufsicht.

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