Sarko im politischen Hühnerhof

Spannende Lesung mit Krimi-Autor Martin Walker

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Ein sympathisches Duo: Martin Walker (beim Signieren) und seine „deutsche Stimme“, Moritz Stoepel.

Dieburg - Im Hof von Martin Walker im schönen Périgord ist die große Politik versammelt: Prachthahn „Sarko“ hat auch die schönfedrige Carla und drei weitere gackernde Damen gebracht. Von Lisa Hager 

„Seine vierte Frau nannten wir Angela Merkel“, scherzt der pfiffige Schotte, der schon lange im Land der Genüsse lebt, denn „die legt die meisten Eier“. Amüsant und leger mit typisch angelsächsischem Unterstatement plaudert Martin Walker, Polit-Journalist und Erfolgskrimiautor, am Donnerstagabend in der „Bücherinsel“ von seinem Leben wie „Gott in Frankreich“. Kein Wunder, dass er hier das Lokalkolorit für seine „Bruno“-Krimis abschöpft wie der Bauer die Sahne von der Milch. Kein Wunder auch, dass sein „Chef de Police“, mit dessen siebtem Fall („Provokateure“, englischer Titel: „Children of War“) Walker derzeit auf Lesereise ist, auch als Fein-schmecker und begnadeter Hobbykoch beschrieben wird. Da war es wohl bis zum „Bruno“-Kochbuch, das er zusammen mit Gattin Julia produziert hat, auch nur ein Bauernkatzensprung.

So amüsant die Live-Performance mit Walker ist – er wird dabei von Schauspieler Moritz Stoepel, seiner „deutschen Stimme“ wunderbar unterstützt – so ernst und hochaktuell ist das Thema seines neuen Krimis. Was haben ein schwer misshandelter fremder toter Mann und ein einheimischer autistischer Junge, der anscheinend im Dienste des Dschihad stand, miteinander zu tun? Schon bald ist klar, dass der Fremde ein Undercover-Agent war, der in der benachbarten islamischen Gemeinde und Moschee einen Pool zur Radikalisierung junger Muslime vermutete. Zeitgleich sucht in Afghanistan ein verstörter junger Mann Hilfe bei den französischen Truppen: Er möchte zurück in seine Heimat nach Saint-Denis im Périgord. Verknüpft wird dieser Erzählstrang mit der Geschichte zweier jüdischer Kinder, die mutige Einwohner zur Zeit des Vichy-Regimes versteckt hielten.

Für Wirtschaftsbuchpreis nominiert

Stolz präsentiert er Walker nach der Pause noch ein weiteres neues Werk, das in diesem Jahr erschienen ist: „Deutschland 2064“. Es ist bereits – obwohl in Romanform geschrieben – für den Wirtschaftsbuchpreis 2015 nominiert. In dem Zukunftsthriller verarbeitet Walker unter anderem Erkenntnisse aus dem Irakkrieg, den er als Berichterstatter in den Reihen der US Marines teilweise miterlebt hat. Walker, der auch noch Direktor einer Denkfabrik für Topmanager in den USA und in einigen hochkarätigen Gremien als Berater tätig ist, widmet sich hier vor allem dem Thema Roboter und Beziehung. Er erzählt, wie die Soldaten einen Sprengstoffroboter, der „abgeschossen“ wurde, begraben und wie einen Kameraden beweinen. „Das bedeutet doch, dass Menschen Beziehungen brauchen. Und wenn sie keine haben, sich welche suchen – auch zu Maschinen und Robotern.“ Diese Erkenntnis werde die Technik der Zukunft verändern. Doch Walker bleibt zum Schluss der spannenden Lesung nicht lange ernst: Was sollte bloß mit „Sarko“ passieren, als Francois Hollande an die Macht kam? Der Graf, Walkers Tennispartner und Vorbild für eine seiner Figuren in den Bruno-Krimis, hatte schnell die Lösung parat: „Coq au vin!“

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