Landwirte beim regionalen Wettbewerb

High-Tech im Kuhstall

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Saatgut oder Futter? Die Nachwuchs-Landwirte der Landrat-Gruber-Schule versuchen den Inhalt der Schalen zu identifizieren. 

Dieburg - Seit Kyra Geißler denken kann, haben ihre Eltern Pferde und Ackerbau. Daheim, auf dem Hof in Babenhausen. Die 17-Jährige mit blondem, zu einem Dutt gebundenen Haar hilft seit ihrer Kindheit mit. Im Stall und auf dem Feld. Von Sarah Neder

Kyra macht an der Landrat-Gruber-Schule (LGS) eine Ausbildung zur Landwirtin. Beim regionalen Berufswettbewerb vom Hessichen Bauernverband misst sie sich mit zwei weiteren Frauen und rund 50 Männern ihres Fachs. Ziel ist, unter die drei Besten zu kommen, die sich für den Landesentscheid in Bad Hersfeld qualifizieren. Von dort aus geht es für die Talentiertesten zum nationalen Wettbewerb.

Beim Prüfungsvormittag an der LGS müssen die Lehrlinge neben der schriftlichen Prüfung praktische Kenntnisse beweisen, etwa Futtermittel, Saatgut und Werkzeuge bestimmen oder ein Kabel mit einem Stecker verbinden. Außerdem haben die Nachwuchs-Bauern eine Präsentation zu zwei vorgegebenen Themen vorbereitet. Kyra erzählt den Prüfern etwas über Smartphones und deren Nutzen für die Landwirtschaft. „Es gibt zum Beispiel Melk-Roboter, die man per Handy steuern kann oder Apps, die Unkraut bestimmen und gleich das Gegenmittel vorschlagen“, sagt die Berufsschülerin begeistert.

Neue Medien oft umstritten

Sie weiß aber auch, dass neue Medien unter Bauern umstritten sind: „Manche Landwirte aus älteren Betrieben kleben noch an Traditionen. Der modernen Technik können sie nichts abgewinnen.“ Kyras Generation hingegen findet die elektronische Unterstützung durchaus hilfreich. Der 16-jährige Lennart Reimann aus Roßdorf braucht sein Smartphone bei der Arbeit täglich: für die Wettervorhersage, um mit anderen Bauern zu kommunizieren, den Stall per Kamera zu überwachen, oder bei Google-Earth das zu bestellende Land anzusehen. Lennart erzählt auch von einer App, die Alarm schlägt, sobald die Kuh kalbt. Ein Sensor im Tier meldet, wenn sich dessen Temperatur verändert und die Geburt beginnt.

Peter Schäfer ist Abteilungsleiter des Agrarwirtschaftlichen Zweiges der LGS und selbst Landwirt. Er weiß, dass sich Schüler oft besser mit der neuen Technik auskennen als Lehrer. Die Präsentationen dienen aber nicht nur dem Austausch dieser Anwendungen, sondern auch der persönlichen Entwicklung der jungen Landwirte. „Ein Bauer von heute muss sich artikulieren können und nicht nur sein Produkt, sondern auch sich selbst verkaufen können“, sagt Schäfer.

Den regionalen Berufswettbewerb, auf dessen Sieger-Treppchen später unter anderen Kleestädter Daniel Peter steht, sieht der LGS-Lehrer auch als Werbung für den Job. Er beweist dessen Vielseitigkeit und Anspruch. Landwirt, das sei mehr, als das Feld zu bestellen und das Vieh zu füttern. Ein Bauernhof verlange Management wie ein Unternehmen, sagt Schäfer. Unzählige und ständig neue Anforderungen, Auflagen und Richtlinien der EU erschwerten die Arbeit zudem.

Eine Lektion, die auch Kyra schon gelernt hat: „Ich seh’s bei meinem Papa. Der Beruf wird immer bürokratischer.“ Die Entwicklung bringt sie bisher aber nicht von ihren Plänen ab. Irgendwann, sagt sie, wolle sie den Hof der Eltern übernehmen.

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