150-jähriges Jubiläum Kirchenchor Cäcilia

Psalmen zu Saxophon und E-Bass

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Voll im Element: Werner Utmelleki (rechts) spornte sein Ensemble zu Höchstleistungen an.

Dieburg - Zu seinem 150-jährigen Jubiläum geht der traditionsreiche Kirchenchor Cäcilia St. Peter und Paul ungewöhnlich moderne Wege: Die „Latin Jazz Mass“ von Martin Völlinger kam in St. Wolfgang zur Aufführung. Von Ursula Friedrich

Festliche Choräle, klassische Chorliteratur, vereinzelt Gospel oder moderne Spirituals – all dies würde man in einem Kirchenchorkonzert erwarten. In der Pfarrkirche St. Wolfgang entfachte Kantor Werner Utmelleki mit seinem Ensemble am Samstag- und Sonntagabend ein musikalisches Feuerwerk ungewöhnlichen Charakters. Kyrie, Psalmen und Halleluja verjazzt? Das Vaterunser mit Saxophon, E-Bass und Schlagwerkbegleitung?

Mit dem Festkonzert zum 150. Geburtstag des Kirchenchors Cäcilia St. Peter und Paul wurde im Gotteshaus musikalisches Neuland beschritten. Ein fulminantes Erlebnis, das jedoch keineswegs experimentell wirkte. Die „Latin Jazz Mass“ (Martin Völlinger) war ein stimmiges Rendezvous begeisternden Chorgesangs, charismatischen Solovortrags und swingender Instrumentalbegleitung (Klavier Rafael Delgado, Drums Oliver May, Bass Stephan Kalup, Saxophon Holger Rudolph). Zwei Mal füllten die Gastgeber mit dem ungewöhnlichen Jubiläumskonzert am Wochenende das Gotteshaus. Die Geburtstagskinder traten den Beweis an, dass nach 150 Jahren ein jugendlicher Geist in der Sängergemeinschaft herrscht. Werner Utmelleki, der den Kirchenchor St. Peter und Paul – aktuell singen 40 Männer und Frauen – seit 1986 dirigiert, hatte bereits zuvor moderne Werke sakraler Literatur herausgepickt, etwa das Magnificat von John Rutter. Die musikalische Begegnung passionierter Jazzmusiker mit einem Kirchenchor mündete nun jedoch in ein nie zuvor intoniertes Konzert.

Der mehrfach ausgezeichnete Dirigent Utmelleki wagte sich mutig in neue Gefilde vor. Wenngleich ungewohnt, schlug seine Passion alle Interpreten in den Bann. Im Nu war der Funke des leidenschaftlichen Vortrags auf das Publikum übergesprungen. „Werner Utmelleki ist ein Dirigent der mitreißt und immer wieder motiviert“, sagte Vorsitzende Birgit Bauer. „Das ist ein großes Glück.“

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