Hochschulprojekt

Leben der Brüder auf Film gebannt

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Ende November 2012 wurden die Dieburger Kapuziner in einer bewegenden Feier verabschiedet.

Dieburg - Diese Meldung wäre für Dieburg eine Sensation: Die Brüder Berthold, Ekkehard, Friedhelm und Joachim kehren ins Kapuzinerkloster im Minnefeld zurück. Von Jens Dörr 

Tom Plümmer (l.) und Johannes Schmidt haben die Doku über das Dieburger Kloster und seine letzten Kapuziner gedreht.

Einerseits stimmt die Aussage: Denn am Freitag und Samstag ist das Quartett tatsächlich leibhaftig wieder im Gersprenzstädtchen und dann im Klostergarten anzutreffen. Ihre alte Heimat wird indes nicht noch einmal ihre neue. Stattdessen ist die interne Vorführung eines Films über die vier Männer sowie das Dieburger Kloster Anlass für die Rückkehr auf Zeit.

„Die Brüder“: So haben Tom Plümmer (24) und Johannes Schmidt (27) ihren 90-minütigen Dokumentarfilm genannt, der in den vergangenen drei Jahren vor allem im Kloster selbst, nach dem Weggang der Kapuziner aber auch an deren neuen Wirkungsorten entstand. Als sie 2012 erstmals den Kontakt zu Berthold, Ekkehard, Friedhelm und Joachim aufnahmen, war noch nicht absehbar, dass ein Werk in kinotauglicher Länge entstehen würde: Die beiden Studenten des Campus’ Dieburg der Hochschule Darmstadt (HDA) erhielten im dritten Semester des Studiengangs Motion Pictures – ein Studium, das sich mit der Filmproduktion befasst – von Professor Thomas Carlé den Auftrag, als Semesterarbeit eine Dokumentation zu erstellen.

Die Studenten faszinierte das alternative Leben im Kloster

Daraus wurde ein Projekt, dass die restliche Studienzeit der beiden aus Gelnhausen und Würzburg stammenden Kommilitonen währen und Ende des vergangenen Jahres in ihre Bachelorarbeit münden sollte. Den Anstoß zum Thema gab ein Zeitungsartikel, den Plümmers Vater seinem Sohn vorlegte und der sich mit dem Dieburger Kloster beschäftigte. „Obwohl wir schon einige Zeit in Dieburg studierten, hatten wir bis dahin nicht großartig wahrgenommen, dass es in der Stadt ein aktives Kloster gab“, erzählte Plümmer am Dienstag, als er mit einigen Helfern die interne, als Feedback-Runde angelegte Aufführung für den morgigen Freitag vorbereitete. Plümmer und Schmidt faszinierte das alternative Leben der Kapuziner, „das fanden wir sehr spannend – auch vom Religiösen heruntergebrochen hat uns fasziniert, wie sich die Brüder in ihrer Art Männer-WG selbst versorgt, wie sie gelebt und gewirkt haben, wie groß ihre Verbundenheit mit der Bevölkerung war“, so Plümmer.

Im März 2012 gab es schließlich den ersten persönlichen Kontakt zwischen den Studenten und den Kapuzinern – über die Zeit hinweg intensivierte er sich und hält bis heute an. In der Dokumentation zeigt das junge Duo nicht nur das Dieburger Klosterleben, sondern auch, was nach dessen Schließung als Domizil der Kapuziner aus dem zum Schluss noch im Minnefeld lebenden Quartett geworden ist: Berthold ist Guardian in einem Kloster in Altötting, Ekkehard dient in Salzburg, Friedhelm, der am Wochenende als einziger nicht anreisen kann, wirkt im Schwarzwald und Joachim hat sich zurzeit der Einsiedelei verschrieben. Bei den Reisen zu den Brüdern wurde das studentische Duo von der Hessischen Filmförderung finanziell unterstützt.

Vorführung auf diversen Festivals geplant

Am Freitag geht es in der internen Vorführung des Films darum, das Feedback der drei anwesenden Brüder – eventuell stößt auch Bruder Paulus aus Frankfurt hinzu – einzuholen und das Okay für die weitere Vermarktung der Produktion zu erhalten. Beiwohnen werden auch Bürgermeister Dr. Werner Thomas und Pfarrer Alexander Vogl sowie einige Unterstützer der Dreharbeiten, etwa aus den Reihen des Odenwaldclubs, der bekanntlich den Klostergarten pflegt. Beim Gespräch mit unserer Zeitung stellte Plümmer besonders die Hilfe von Angelika Gondolf, Hannelore Mertesacker und Franz Zoth heraus.

Nach der internen Schau werden Plümmer – er ist inzwischen in Dieburg heimisch geworden und hat durch die Dreharbeiten vielfältige persönliche Bande zu „seiner“ neuen Stadt geknüpft – und Schmidt den Film auf diversen Festivals anbieten. Auf einem solchen sollen „Die Brüder“ dann auch die Premiere feiern. Für 2016 – voraussichtlich im Sommer – verspricht Plümmer den Dieburgern die öffentliche Aufführung in „ihrem“ Kloster.

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