DA-Leserwanderung mit rund 50 Helmträgern

Im Steinbruch in die Tiefe

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In der Tiefe des Steinbruchs – umgeben von hohen Felswänden – herrscht ein ganz spezielles Klima. Das Klettern auf den brüchigen Hängen ist streng verboten. Es könnte lebensgefährlich werden.

Dieburg - Zum herzlichem Empfang gab‘s eine kalte Dusche: Als Heimatvereinsvorsitzende Maria Bauer und OWK-Vorsitzender Franz Zoth zusammen mit Lisa Hager vom Dieburger Anzeiger die rund 50 behelmten Exkursionsteilnehmer begrüßten, kam es plötzlich nass von oben. Von Lisa Hager

„Wer hat noch nicht geduscht?“, fragte ein Schelm in die gut gelaunte Truppe. Vor allem die Kinder hatten ihren Spaß daran, dass der Bewegungsmelder über dem Eingang des Steinbruchs ausgelöst hatte. Im Alltagsbetrieb wird dann die Ladung des vorbeifahrenden Lkw mit Wasser besprüht, um die Staubentwicklung möglichst gering zu halten. „Das war jetzt nicht vorgesehen“, meinte Carsten Lüdiger schmunzelnd. Der technische Leiter der MHI in Hanau, zu der die OHI und damit der 15 Hektar große Steinbruch auf der Moret gehört, betonte deshalb noch einmal: „Sie sind wirklich alle herzlich willkommen.“ Zusammen mit seinem Mitarbeiter Harald Gödel, der sich als Forst-assessor auch um die Umwelt- und Naturschutzbelange kümmert, führte er die Wanderer am Samstag durch das riesige Gelände. „Das ist fast, als ob man im Gebirge wäre“, sagte eine Frau und rückte ihren Helm in den Nacken, um die Felswände, die sich kreisrund auftaten, besser betrachten zu können.

Auch am Besuchstag wurde Gestein abgebaut, die Halde, die sich den Abhang hinab schlängelte, war immer in Bewegung. 180.000 Tonnen Gestein werden pro Jahr auf der Moret gewonnen. Und die Besucher staunten, in wie vielen Endprodukten das Material – ein rötlicher Granodiorit – enthalten ist. „Auch in Zahnpasta, Gläsern, im Dünger für die Landwirtschaft und in geschäumten Kunststoffen findet man Material aus der Natursteinindustrie“, sagte Lüdiger. Hauptsächlich aber wird das magmatische Gestein für den Straßenunterbau verwendet. Durchschnittlich sei im Steinbruch auf der Moret – es ist der nördlichste Punkt des kristallinen Odenwalds – nur ein Mitarbeiter tätig. Die Beladung von höchstens 40 Tonnen pro Lkw werde strikt eingehalten. „Da sind keine 20 Kilo zu viel“, betonte Lüdiger.

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Leserwanderung zum Steinbruch

Und wie kommt man an das Material? Heutzutage wird nur noch rund zehn mal im Jahr gesprengt, mit 400 Gramm Sprengstoff je Kubikmeter. (Im Fachjargon heißt es übrigens „geschossen“). Die Lärmbelastung ist daher gering – zumal an dieser Stelle, da man lediglich das Naturfreundehaus als Nachbarn hat. Der Sprengstoff werde übrigens nie im Steinbruch gelagert, betonte Lüdiger. Je Sprengung könnten 20.000 bis 40.000 Tonnen Gestein gewonnen werden. Dass ein Steinbruch nicht nur ein besonderes Klima, sondern auch ein spezielle Flora und Fauna entwickelt, erfuhren die Besucher von Harald Gödel. Zu seinen Aufgaben gehört die jährliche Untersuchung des Bestands. „Wir haben hier 40 Vogelarten“, berichtete er stolz. „Und 30 davon brüten.“ Vor allem der Uhu nutze die Felsvorsprünge als Horst. Unter den Amphibien fänden sich verschiedene Eidechensarten, die Gelbbauchunke und die Kreuzbandkröte. Auch Orchideen wachsen an Steinbruchstandorten. „Wir grenzen solche Vorkommen ein und siedeln dann um, wenn es nötig ist“, so Gödel.

Und wie lange wird es den Steinbruch noch geben? Lüdiger ist zuversichtlich: „Wir haben eine unbeschränkte Abbaugenehmigung. Wir gehen davon aus, dass das Vorkommen noch für Jahrzehnte reichen wird.“ „Wir dürfen aber davon ausgehen, dass Sie dem Naturfreundehaus nicht noch näher auf die Pelle rücken?“, fragte Mitwanderer Willi Greppel. „Ja, das dürfen Sie“, bestätigte Bergbauingenieur Lüdiger den Status quo der Nachbarschaft.

Apropos Moret: Nach einem letzten Duschangebot zum Abschied zogen die Wanderer, die mit dem Bus zum Steinbruch gekommen waren, zu Fuß Richtung Dieburger Hausberg weiter. Am nahe gelegenen historischen Bildstock sorgte Heimatvereinsvorsitzende Maria Bauer mit ihren Erläuterungen für leichte Gänsehaut: Schließlich soll dort einst ein Mord geschehen sein. Es hieß früher, dass es dort spuke. Ganz real und herzlich empfing Sabine Schröder, Vorsitzende der Naturfreunde, samt ihrem tüchtigen Küchenteam die Gäste. Diese ließen sich den vorbereiteten Eintopf schmecken. Interessantes über die Naturfreundebewegung gab es zum Nachtisch. Von der Morethöhe wieder hinunter ins Dieburger Flachland – das wurde dann von den meisten per Pedes erledigt.

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