Massiver Anstieg bei Friedhofsgebühren zu erwarten

Für letzte Ruhe tiefer in die Tasche greifen

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Wer auf dem Dieburger Friedhof seine letzte Ruhe finden möchte, wird dafür künftig wohl deutlich mehr bezahlen müssen.

Dieburg - Die letzte Ruhe auf dem Dieburger Friedhof zu finden, wird künftig teurer – zumindest für die klassischen Sarg- und Urnenbestattungsformen. Den Stadtverordneten liegt der Entwurf einer neuen Gebührensatzung vor, die einen teils kräftigen Dreh an der Kostenschraube vorsieht. Von Laura Hombach 

Einer „soliden Null“ darf sich die Stadtverwaltung rühmen. Sie steht am Ende des städtischen Haushalts 2015. In Zeiten, in denen bei vielen Kommunen im Stadtsäckel ein mehr oder weniger großes Loch klafft, ein gutes Ergebnis. Doch auch wenn man in Dieburg kein Defizit ausgleichen muss, ruht das Auge der Kommunalaufsicht auf dem Kommen und Gehen des Geldes in der Kasse.

Ins Visier der Aufsichtsbehörde ist dabei der Friedhof geraten. Denn hier entstehen derzeit mehr Kosten als durch die Einnahmen aus dem Verkauf von Grabstätten und die Gebühren für Bestattungen in die Kasse zurückfließen. An die Stadtverwaltung erging mithin die Aufforderung, hier künftig kostendeckend zu arbeiten.

Externes Fachbüro hat Gebührenkalkulation vorgenommen

Um dorthin zu kommen, muss die Stadt die Hinterbliebenen deutlich stärker zur Kasse bitten. Wie genau das aussehen soll, dafür hat ein externes Fachbüro eine Gebührenkalkulation vorgenommen und einen Entwurf für eine neue Satzung erstellt. Laut diesen Planungen steigt bei der „klassischen“ Beisetzung im Sarg die Gebühr für die Bestattung (eines Verstorbenen von über fünf Jahren) in einer Grabstätte von heute 600 Euro auf etwas mehr als das Doppelte, nämlich 1 276 Euro. Ebenfalls mehr als doppelt so teuer soll auch die Beisetzung von Urnen im Erd-, Wiesen- oder Baumgrab werden (heute: 410, geplant: 851 Euro). Die Beisetzung in der Urnenwand soll sich von 350 auf 568 Euro verteuern.

Auch beim Erwerb von Grabstätten sehen die Planungen einen deutlichen Preisanstieg an. Erheblich tiefer in die Tasche greifen muss man laut den Planungen für ein Urnenerdgrab (1 453 statt bisher 600 Euro) und für ein Urnenwiesengrab inklusive Pflege (2 060 statt 960 Euro). Weniger drastisch soll der Preis für den Erwerb einer Urnennische einschließlich Grabplatte ausfallen (künftig 1 544 statt bisher 960 Euro). Etwas günstiger werden soll es hingegen beim Erwerb einer Wiesengrabstätte für die Sargbestattung (heute: 2 400, geplant: 1 839 Euro) und eines Baumurnengrabs (heute: 960, geplant: 717 Euro).

Lediglich 75 Prozent der Kosten gedeckt

So massiv der Gebührenanstieg auch erscheinen mag, bei einer hundertprozentigen Kostendeckung wäre die Stadtverwaltung aber auch mit diesen erhöhten Einnahmen noch lange nicht angelangt. Lediglich rund 75 Prozent der Kosten wären durch die neue Gebührensatzung – sollte das Parlament sie beschließen – abgedeckt. Die neue Gebührenordnung wird deshalb auch erst durch einen weiteren Beschluss, den die Stadtverordneten zu fassen haben, rund. Da der Friedhof neben seiner eigentlichen Aufgabe mit seinen Spazierwegen und Sitzgelegenheiten auch als Grünanlage dient, sollen 25 Prozent der Gebühren diesem Grünflächenanteil zugeordnet werden. Zusammen mit den 75 Prozent, die sich aus der Anhebung der Bestattungsgebühren und dem Erwerb von Grabstätten ergäben, wäre somit die von der Kommunalaufsicht eingeforderte Kostendeckung erreicht.

Ob die Stadtverordneten den Planungen in dieser Form zustimmen werden, wird sich erst noch weisen. Zunächst wird im Haupt- und Finanzausschuss am 28. Mai darüber beraten werden. Die letzte Änderung der Friedhofsgebührensatzung hatte für reichlich Wirbel (wir berichteten) gesorgt. Nach heftiger Kritik an den im Nachhinein dann doch als zu massiv erachteten Kostensteigerungen, war eine vom Parlament bereits beschlossene Gebührensatzung wieder verworfen worden. 2008 trat dann die derzeit noch gültige Satzung mit gemäßigterem Kostenanstieg in Kraft.

Parallel zur Gebührensatzung soll das Parlament eine Änderung der Friedhofssatzung beschließen. Die dürfte allerdings für weit weniger Diskussionsbedarf sorgen. Für die Neufassung der Friedhofssatzung wurde diese, um Rechtssicherheit zu schaffen, an die Mustersatzung des Hessischen Städte- und Gemeindebunds angepasst. Wesentliche Änderung betreffen hier lediglich die Möglichkeit zur Bestattung ohne Sarg und die Einrichtung eines Memoriam-Gartens. Der Magistrat soll durch die Änderung dazu ermächtigt werden, aus religiösen Gründen eine Bestattung ohne Sarg erlauben zu können. Der Memoriam-Garten würde das breite Angebot an Grabarten auf dem Friedhof erweitern. Urnen- und Erdgrabstätten könnten hier in einer von Gärtnern betreuten Grabanlage erworben werden.

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