Gibt es einen Ersatztermin?

Massentanz auf dem Markplatz auch ohne Umzug

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Dass die Dieburger mitsamt Prinzenpaar und Garde auch ohne Fastnachtsumzug feiern können, zeigten sie am Dienstagnachmittag auf dem Marktplatz. Viele Fußgruppen präsentierten trotz des Frusts über den Ausfall ihre tollen Kostüme.

Dieburg - Eine Fastnacht ohne Umzug – das hat es in Dieburg dreimal gegeben: 1990 wegen „Wiebke“ (der Zug lief in verkleinerter Form), 1991 wegen des Golfkriegs und 2016 wegen Sturmtief „Ruzika“. Von Lisa Hager

„Für unsere Entscheidung haben wir zu 98 Prozent Zustimmung bekommen“, sagte gestern Zugmarschall Thomas Lewis im Gespräch mit dem DA. Den Frust über den Ausfall haben die Fußgruppen zügig weggesteckt und trotzdem heftig gefeiert. „Das war ein dunkles Loch, das sich da auftat.“ So beschreibt Zugmarschall Thomas Lewis den Moment, als die Entscheidung fiel. Am Dienstag um 9 Uhr hat der geschäftsführende KVD-Vorstand zusammen mit ihm die Absage des Dieburger Fastnachtsumzugs beschlossen. Die Schockstarre habe so etwa zehn Minuten angehalten, dann wurde schon wieder weiter organisiert. Den Musikgruppen musste schnellstmöglichst abgesagt, auch alle anderen Teilnehmer über den Ausfall informiert werden. Die Prognosen verschiedener Wetterdienste über Windgeschwindigkeiten von über 63 Stundenkilometern und Niederschlagsmengen von über acht Litern pro Quadratmeter, die am Nachmittag niedergehen sollten, hatten den KVD schließlich die schwere Entscheidung treffen lassen. Eine Musikkapelle erwies sich als absolut wetterfest.

„Die Show- und Marchingband Happy Sound aus Erbach wollte trotzdem unbedingt kommen und hat dann auch unter anderem auf dem Marktplatz gespielt“, sagt Lewis. Er ist im Übrigen auch insgesamt stolz auf die Dieburger Fastnachter. „Die Gruppen haben den Gastronomen die Stange gehalten, die Gaststätten waren voll“, so der Zugmarschall, der selbst in einigen Kneipen nach dem Rechten geschaut hat. So wurden beispielsweise die Till Eulenspiegels (Fastnachtsgruppe 08/15) unter anderem in der „Stoawäjer Stubb“ gesichtet. Auch beim großen Ausklang im „M 22“ am Abend ging es noch lange hoch her.

Etliche Gruppen haben zudem auch gleich da angefangen zu feiern, wo sie geschminkt wurden, als die Nachricht vom Ausfall des Umzugs die Runde machte. Die Wagen, die sie mitführen wollten, blieben meist an Ort und Stelle – mitsamt des Proviants, der natürlich trotzdem verzehrt wurde. Viele sind dann gegen 14 Uhr in „kleiner Ausrüstung“ mit einem Bollerwagen zum Marktplatz gelaufen. Wie das „Närrische Streichorchester“ der Feuerwehr. „Es war nass, aber lustig“, erzählt Maria Bauer. Später feierten die Truppe, die als „Sandmännchen“ gehen wollte, im Feuerwehrhaus weiter, wo sie – wie viele andere Gruppen – vom Prinzenpaar besucht wurden.

Bilder: So feiern die Dieburger Narren auch ohne Umzug

Und der Ersatztermin? KVD-Präsident Friedel Enders hatte die Idee, den Umzug eventuell beim Jubiläum der Prinzengarde Anfang Juni nachzuholen. „Darüber muss aber erst gesprochen werden“, sagt er. Die Möglichkeiten gingen in alle Richtungen, stellt er klar. Es könnte dieser Termin sein, ein ganz anderer, es könnte aber auch gar keinen Ersatztermin geben. Der KVD werde voraussichtlich im April bei seiner Vorstandsklausur eine endgültige Entscheidung treffen.

Bislang äußert sich die Prinzengarde eher zurückhaltend zur Idee, den Umzug mit ihrem 66. Jubiläum zu kombinieren (gesonderter Artikel dazu am Samstag). Ungewiss ist auch das Schicksal der Tonnen von Süßwaren, die jetzt ungenutzt ins Zeughaus zurückkehren. Da müsse man auch auf das Ablaufdatum der verschiedenen Waren schauen und sich einen sinnvollen Verwendungszweck überlegen, sagt Lewis.

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