Neues Jugendcafé-Programm

Ganz real statt nur virtuell erleben

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Paul Huttarsch in seinem Büro im Jugendcafé: Fotos, Postkarten, Zeichnungen und Briefe an den Wänden dokumentieren sein jahrelanges Engagement. 

Dieburg - Stadtjugendpfleger Paul Huttarsch hat spannende Hobbys. Dank des neuen Jugendcafé-Programms sollen auch Dieburger Kinder und Jugendliche Abenteuer erleben. Von Sarah Neder

Jugendpfleger Paul Huttarsch sitzt hinter seinem Schreibtisch im Jugendcafé. Sein Büro ist ein dreidimensionales Erinnerungs-Album: Schnappschüsse von früher, Postkarten, Hochzeitseinladungen inzwischen erwachsener Kinder.

Dazwischen ein Foto von Huttarsch mit den Schauspielern Jürgen Vogel und Andrea Sawatzki, das für eine spannende Anekdote steht: Vor rund 15 Jahren wurde Paul Huttarsch im Frankfurter Bahnhofsviertel verhaftet. Die Zivilfahnder stellten ihn, weil er mit einer Polizeiuniform durch die Taunusstraße schlenderte. „Das kam ihnen verdächtig vor, so ein einzelner Polizist, die Mütze schräg auf dem Kopf und die Jacke aufgeknöpft“, sagt der Diplom-Pädagoge vom Dieburger Jugendcafé. Seine Lippen formen dabei ein breites Grinsen. Huttarsch wollte sich damals nur etwas zu Essen holen in der Mittagspause vom Tatort-Dreh. Denn neben der Arbeit mit Jugendlichen hat Huttarsch noch eine Leidenschaft: Er schlüpft regelmäßig in Komparsen-Rollen. Ab und an läuft er in abendlichen Krimi-Serien als Beamter der Spurensicherung im weißen Ganzkörperanzug durchs Bild.

Zuletzt spielte er einen Chauffeur im Fernseh-Film über die Odenwaldschule, „Die Auserwählten“ (wir berichteten).

Dabei wäre der schlanke Mann vom Juca fast hauptberuflich Gesetzeshüter geworden. „Ich war zwei Tage lang Polizist“, sagt Huttarsch mit verschmitztem Lächeln, „dann habe ich es mir anders überlegt.“ Zu Gunsten der Jugendarbeit: Seit 1990 ist er bei der Stadt als Jugendpfleger angestellt, feiert somit dieses Jahr sein 25-jähriges Dienstjubiläum. Passend zum Anlass gibt es nach zweijähriger Pause für 2015 wieder ein gedrucktes Jahresprogramm der Jugendförderung. „Zuletzt hatten wir den Kalender nur auf unserer Homepage. Erfahrungsgemäß lassen sich Eltern aber besser mit einem Prospekt erreichen“, weiß Huttarsch, der selbst zwei Kinder hat. Das neue Programm zeichne sich vor allem durch Vielfalt aus, sagt der 57-Jährige. „Es ist für jeden etwas dabei. Für die Kleinen, die Teenies und für Jugendliche ab 14 Jahren.“

In Zeiten immer stärkerer sozialer Vernetzung sei es jedoch nicht leichter, junge Menschen zu erreichen, weiß Huttarsch: „Bei dieser Flut an Informationen, geht vieles unter.“ Neue Medien seien nach seiner Ansicht auch der Grund, dass Jugendarbeit schnelllebiger werde: „Die Verweildauer der Juca-Besucher ist kürzer. Früher hat man eine Generation über Jahre hinweg begleitet. Heute wechselt das häufiger“, resümiert Huttarsch. Deshalb setzen er, seine Kollegen und der Jugendbeirat beim Programm auf Abwechslungsreichtum: Reitprojekt, Abenteuerwochenende, Erlebnistouren, Skifreizeit und Städtereisen – mit dem Juca-Programm sollen Kinder und Heranwachsende reale Erlebnisse sammeln, „nicht nur stellvertretend über die Medien“, meint Huttarsch.

Beim Filmclub, ein Projekt, das sich vom Kino zeigen zum Kino machen gewandelt hat, setzt sich Huttarsch zusammen mit Jugendlichen seit Jahrzehnten mit dem Thema Film auseinander. Mittlerweile dreht die Gruppe ihre Streifen so professionell, dass sie den Aufträgen kaum hinterherkommt.

Hobby-Statist Huttarsch bringt auch dieses Jahr seine Begeisterung fürs bewegte Bild ein. So steht das Kinderkino an jedem ersten Donnerstag im Monat auf dem Programm. Die Stadt hat 1 500 Exemplare des Kalenders gedruckt, die an Kinder im Alter zwischen zehn und 17 Jahren verteilt werden.

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