Mit diesem Schritt versucht der neue Träger (Klinikum Darmstadt) das Traditionskrankenhaus zu retten

St. Rochus unterm Schutzschirm

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Ob der Schutzschirm auch die Rettung bringt? Auf jeden Fall wird damit Zeit für die Umsetzung des Sanierungskonzepts gewonnen. Dabei soll auch die Kardiologie (links ist das Parkplatzschild zu sehen) soll wiederbelebt werden.

Dieburg - Therapieversuch für einen angeschlagenen Patienten: Als neuer Träger des St. Rochus Krankenhauses leitet die Klinikum Darmstadt GmbH ein sogenanntes Schutzschirmverfahren für die Dieburger Klinik ein. Von Lisa Hager. 

Mit diesem Schritt wird versucht, den Fortbestand des Hauses zu sichern. Die sehr engagierten Aktionen zur Woche der Wiederbelebung, die das Team der Intensivstation auf die Beine gestellt hat, haben viele Dieburger wieder einmal vor Augen geführt, dass es das St. Rochus ja noch gibt in Dieburg. Etliche Passanten, so berichteten die Ärzte, wären darüber verwundert gewesen. Mit den gut besuchten Reanimationsschulungen haben Ärzte und Pfleger viel für die Außenwirkung des Traditionskrankenhauses mitten in der Sadt getan. Jetzt, so scheint es, braucht das St. Rochus selbst Wiederbelebungsmaßnahmen. Und wie die am bewusstlosen Menschen auch, müssen sie schnell gehen.

Am Dienstag ist der neue Träger des Dieburger Krankenhauses, das Klinikum Darmstadt, mit einer alarmierenden Nachricht an die Öffentlichkeit gegangen. Auch wenn der Titel der Mitteilung, „St. Rochus Krankenhaus konzentriert sich auf seine Stärken“ wohl eher beruhigen sollte. Wie die Klinikum-Sprecherin Eva Bredow-Cordier mitteilte, werde die „Sanierung des Krankenhauses weitergehende Maßnahme erfordern, als zunächst geplant.“ Deshalb werde man beim Amtsgericht ein sogenanntes Schutzschirmverfahren beantragen, wodurch Zeit gewonnen wird, um die Sanierungspläne in Eigenregie umzusetzen.

Zusätzlichen Investitionsbedarf ermittelt

„Die von der neuen Geschäftsführung beauftragten Sachverständigen und Analysen haben in den letzten Wochen einen zusätzlichen Investitionsbedarf von mehreren Millionen Euro ermittelt“, heißt es weiter. Die unerwartet hohe Summe rühre daher, dass selbst geringe bauliche Veränderungen zum Beispiel hohe Nachrüstungspflichten beim Brandschutz auslösen würden. Zum anderen leide das 50-Betten-Haus unter hohen laufenden Kosten aus bestehenden Miet- und Serviceverträgen, die durch die Erlöse nicht mehr gedeckt werden könnten. Die Geschäftsführung des Klinikum Darmstadt hat einen Sanierungsplan erstellt, der Schritt für Schritt umgesetzt werden soll. „Das Schutzschirmverfahren bietet hervorragende Chancen zur Verbesserung der Situation und zu einem Neuanfang“, ist man dort der Ansicht. Ziel sei es, mit diesem Sanierungskonzept die Gesundheitsversorgung zu erhalten und wieder finanzstark zu machen.

So werde Zeit gewonnen, um den Fortbestand zu sichern und neue Konzepte zu realisieren. Dazu gehört eine Stabilisierung der bundesweit anerkannten Weaning-Station im Rochus (Entwöhnungsstationen für Patienten mit künstlicher Beatmung oder Atemunterstützung). Eine weitere Säule ist ein neues OP-Konzept, das den aktuellen Entwicklungen der anstehenden Krankenhausreform und den daraus erhöhten Qualitätsanforderungen Rechnung trägt. Zudem soll die Bettenstation weitergeführt werden. Und ganz neu – ab dem 1. Januar 2016 – die Inbetriebnahme des Linksherzkathetermessplatzes mit Unterstützung des Klinikums Darmstadt. Die Geschäftsführung des Klinikums ist zuversichtlich, dass „mit diesem Sanierungsprozess die Gesundheitsversorgung vor Ort für Dieburger weiterhin gewährleistet werden kann“. Ob sich das Schutzschirmverfahren auf die Anzahl der Mitarbeiter auswirkt, ob es zu Kündigungen kommen wird, kann bislang noch nicht abgeschätzt werden.

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