Fiktive Unternehmenskonzepte

Überschäumende Gründer-Ideen

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Mit fünf Spielgruppen hat die Alfred-Delp-Schule erfolgreich am Deutschen Gründerpreis teilgenommen. Bei der Sparkasse Dieburg überreichte Bankfachwirt Hans-Peter Schmücker (zweiter von rechts) die Preise und stellte die Projekte vor. Schulleiterin Ursula Krell (links) und der betreuende Lehrer Stefan Gräser (rechts) freuen sich mit ihren erfolgreichen Schützlingen.

Dieburg - Nach einer eigenen kreativen Idee fiktiv ein Unternehmen gründen, das auch wirtschaftlich auf gesunden Beinen steht – keine leichte Aufgabe, nicht einmal für Profis. Beim Deutschen Gründerpreis für Schüler ist das genau die Zielvorgabe. Teams der Alfred-Delp-Schule waren 2016 besonders erfolgreich. Von Lisa Hager

Spielgruppen aus Schülern ab 16 Jahren (von allgemein- und berufsbildenden Schulen) verwandeln in dem internetbasierten bundesweiten Wettbewerb ihre Ideen in fiktive Unternehmenskonzepte inklusive Businessplan und Marketingstrategie. 15 Alfred-Delp-Schüler waren in fünf Spielgruppen bei dem Wettbewerb gestartet, der vom Bundeswirtschaftsministerium unterstützt wird. Und das mit großem Erfolg: Sie haben hessenweit mehrere vordere Plätze belegt und Geldpreise errungen. Wegen des großen Interesses, das ADS-Schüler zeigten, hat das Oberstufengymnasium noch einen Schulsonderpreis von 500 Euro erhalten. Von der Gründung des fiktiven Unternehmens, der eine Marktbeobachtung vorausgeht, bis über den Businessplan und die passende Marketingstrategie durchlaufen die Teams alle Phasen eines Startups. Um den hilfreichen Kontakt zur realen Wirtschaft zu bekommen, suchen sich die Spielgruppen einen kompetenten Berater oder Unternehmenspaten.

Den ersten Platz auf Landesebene – auf Bundesebene immerhin Rang 40 unter mehr als 1 000 Spielgruppen – erreichten Marcel Dehmer, Leon Kasper und Lennart Göbel mit einer „schäumenden Idee“: Bei ihrer „YouGel GmbH“ kann man sich sein ganz persönliches Duschgel mit individueller Duftnote kreieren lassen. „Wir haben errechnet, dass wir 6,90 Euro für 250 Milliliter verlangen müssen, damit es sich rechnet“, sagt einer der Jungunternehmer. Düfte gibt es von Apfel bis After Eight – dazu kann man sich eine spezielle dekorative Flasche nach seinem Geschmack aussuchen. Ihr Unternehmenspate war das Friseurteam Keil in Münster.

„Man braucht ganz schön viel Ausdauer“, bilanziert Lucie Lange von „help4yourbike“, die den zweiten Platz (Bundesrang 104) gemacht haben. Zusammen mit Angelina Cesare und Merle Werse entwickelte sie die Idee eines Servicedienstleisters für E-Bikes. Ähnlich wie beim ADAC zahlt der Kunde einen Jahresbeitrag. Hat das Pedelec eine Panne, kann man einen Helfer anrufen, der vor Ort repariert oder das lahme Zweirad mit in die Werkstatt nimmt. Der Kunde wird nach Hause oder zum Bus gefahren. Den Jahresbeitrag kann man aufstocken, dann sind auch die üblichen Inspektionen inklusive. „Wir wollen zudem eine Community aufbauen, die sich mit Fahrradthemen beschäftigt und die Leute weg vom Auto bringt, um die Umwelt und die Straßen zu entlasten“, sagt eine der Jungunternehmerinnen. Das nötige Fachwissen haben die Drei von ihrem Unternehmenspaten Klaus Schmitt, Chef des Fahrradshops Niederhofer in Babenhausen bekommen. Auf dem dritten Platz (Bundesrang 165) fand sich die „NoN-Company“ von Nick Holtzknecht, Ole Lüddicke und Niklas Klingsporn wieder. Die Grundidee ihrer App: Für Preisnachlässe, die ihre Firma für die Kunden erzielt, bekommen sie eine Vermittlungsgebühr, eine Provision. Beraten wurden sie von Bernd Klingsporn.

Die „MeumVesti Unternehmensgesellschaft“ von Tobias Löbig, Deniz Gündogdu und Falk Schröder (Unternehmenspaten waren Jens und Bettina Schröder von Geo-Tec) kam auf Platz vier (Bundesrang 169). „Wir designen T-Shirts und andere Kleidungsstücke per Schablone und Textilfarbe“, erklärt einer von ihnen. Das Design aber lässt sich mit Lösungsmitteln beseitigen – dann kann es je nach Mode und Anlass von Neuem losgehen. Ihre Filialen wollen sie in etablierten Bekleidungsgeschäften als „Shop-in-Shop“ integrieren, wofür sie einen Teil des Gewinns abgeben. Erst wenn sich die Geschäftsidee bewährt hat, kann man an ein eigenes Vertriebssystem oder gar an ein eigenes Label denken. „Für drei bis sechs Euro ist so ein Designwechsel möglich“, sagt einer der Modeschöpfer.

Die besten Traumjobs der Welt zu vergeben 

Um Süßes geht es bei „Cake Paradise“ (Platz fünf, Bundesrang 374): Zusammen mit ihrem Paten, dem Dieburger Konditor Dirk Wilhelm, entwickelten Julia Brockmann, Jessica Wöhl und Niklas Neureuther das Konzept einer Firma, die mehr kann als nur backen. „Wir wollen Bioware anbieten, individuell auf Kundenwünsche eingehen, auch glutenfrei backen beispielsweise“, so eine der Jungunternehmer. Ihre Waren wollen sie in Läden und online anbieten. Auch die Ausrichtung ganzer Kindergeburtstage können sich die kreativen Bäcker vorstellen.

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