Eigentümer und Pächter im Dauerzwist

„Waldhotel Haus Hubertus“ steht wieder leer 

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Wie geht es mit dem „Waldhotel Haus Hubertus“ weiter? Nach dem Zoff und der Trennung zwischen Eigentümer und Pächter ist der Immobilienbesitzer sowohl für einen Verkauf als auch eine weitere Verpachtung offen. Erste Interessenten, darunter ein Dieburger Gastronom, waren schon da.

Dieburg - Die Zukunft des „Waldhotel Haus Hubertus“ an der K 128 ist nach dem Zoff zwischen Eigentümer und Pächter wieder offen. Für Verkauf oder Verpachtung gibt es erste Interessenten. Von Jens Dörr 

„Das ist halt Dieburg“, lautet ein Satz, der immer wieder fällt, wenn man mit dem Besitzer des „Waldhotels Haus Hubertus“ spricht. Was der Dieburger Unternehmer und Eigentümer der Immobilie an der K128 zwischen Polizeistation und Fiege-Lager meint: In einer Kleinstadt wird halt viel geredet, machen Gerüchte rasch die Runde. Das ist tatsächlich auch mit Blick auf die jüngere Vergangenheit und die nahe Zukunft des Hotels mit Gaststätte und Biergarten so - so mancher sagt etwas, ohne viel zu wissen. Gespräche mit dem Besitzer, aber auch dem letzten Pächter, bringen zumindest etwas Licht ins Dunkel, weshalb das Anwesen seit März wieder geschlossen ist. Eins vorab: Zum Etablissement der besonders freizügigen Art werde das „Waldhotel“ definitiv nicht, beruhigt der Besitzer und bemüht auch auf diesbezügliches Gemurmel den Satz: „Das ist halt Dieburg.“

Was Fakt ist: Ende Februar beendete der letzte Pächter sein Gast(ro)spiel, seither steht die Immobilie leer – wieder einmal. Drei Jahre lang war der aus Nordrhein-Westfalen stammende Pächter zugegen gewesen. Zunächst hatte er zwei Jahre lang nur die Gaststätte betrieben, ehe er erst im vergangenen Jahr die Konzession erhielt, auch Übernachtungsgäste beherbergen zu dürfen. Inzwischen lassen Eigentümer und Pächter am jeweils anderen kaum mehr ein gutes Haar.

„Griff ins Klo“

Der ehemalige Pächter bezeichnet seine Erfahrung mit dem „Waldhotel Haus Hubertus“ als „Griff ins Klo“. Das bezieht er allerdings nicht auf seinen unternehmerischen Erfolg: Grundsätzlich habe er sich die langfristige Bewirtschaftung von Gaststätte und Hotel gewünscht, sei beides ordentlich angenommen worden. „Unter anderem durch Fiege zog der Hotelbetrieb merklich an“, nennt er einen positiven Effekt. „Auch für das Frühjahr hatten wir schon einige Buchungen.“ Ausschlaggebend für seinen Abschied Ende Februar sei hingegen der Dauerzwist mit dem Eigentümer gewesen.

Der habe schon begonnen, als der Pächter im Frühjahr 2012 - zunächst nur die Gaststätte - eröffnen wollte, dies aber nicht zum geplanten Zeitpunkt habe tun können („Wir hatten sogar Radiowerbung gemacht“), weil einige bauliche Voraussetzungen nicht gegeben gewesen seien. So habe er auf eigene Kosten eine Fluchttür einbauen und den Abzug versetzen lassen müssen – mit allen Neuerfassungen zur Statik, die damit zusammenhängen können. „Das war von Anfang an zum Scheitern verurteilt“, sagt er rückblickend.

Sehr negativ ins Kontor habe vor allem geschlagen, dass er erst so spät mit dem für die Finanzierung der Gesamtunternehmung wichtigen Hotelbetrieb habe beginnen können. Wie es dazu kam, dass zwei Jahre lang kein Hotelgast ins Haus Hubertus zog, schildern Pächtern und Eigentümer unterschiedlich. Der Pächter sagt, er sei hinsichtlich der Konzession immer wieder vertröstet worden, „der Besitzer kam mit den Unterlagen einfach nicht bei“. Das bestätigt der Eigentümer, nennt aber den Grund dafür: „Der Pächter hat seine Kaution nicht bezahlt. Ohne Kaution keine Konzession zum Betrieb des Hotels.“

Vertrag wäre noch bis 2017 gelaufen

Zudem sei der Pächter mit der Miete im Rückstand gewesen. Der Pächter stellt es so dar: „Natürlich habe ich ihm etwas von der Miete abgezogen, weil ich ja das Hotel nicht nutzen konnte und alles aus dem Gaststätten-Betrieb finanzieren musste.“ Während der Eigentümer nach eigener Aussage nun juristisch noch ausstehende Miete erstreiten will, ist das dem Pächter angeblich neu: „Warum sollte er noch was von sich hören lassen? Wenn man alles aufrechnet, würde es finanziell eher schlecht für ihn ausfallen“, glaubt er.

Auch über das endgültige Ende der unerfreulichen Zusammenarbeit im Februar bieten beide Seiten unterschiedliche Versionen: „Er ist einfach abgehauen“, sagt der Besitzer, der vom Weggang überrascht gewesen sei. „Ich habe über meinen Anwalt den Schlüssel übergeben“, sagt derweil der Pächter. Sein Vertrag wäre noch bis 2017 gelaufen, an eine Verlängerung danach glaubte er aus naheliegenden Gründen nicht. „Dann wäre eh Schluss gewesen. Ich habe immer gekämpft und über einen Anwalt versucht, mich mit dem Eigentümer an einen Tisch zu setzen.“ Er müsse aber auch an seine berufliche Zukunft denken. Die sehe er nun wieder in seiner nordrhein-westfälischen Heimat, erneut in der Gastronomie, dann aber als Angestellter. Einen festen Job habe er in der Tasche, in Kürze ziehe er zurück in den Raum Detmold.

Zur Zukunft des Hauses – das einst eine Tankstelle war, ehe ein Ausschank, dann ein „richtiges“ Lokal und schließlich das Hotel hinzukamen – äußert sich der Eigentümer, er sei flexibel: Sowohl ein Verkauf als eine weitere Verpachtung seien denkbar. Zwei gastronomische Interessenten – einen aus Dieburg, einen von außerhalb – hat er bereits durch die Räume geführt. Fortsetzung offen.

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