Dieburger Grüne feiern 30. Geburtstag

Erst „Junge Wilde“, jetzt etablierte Politiker

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30 Jahre Grüne. Was ist aus den Anfängen geblieben? Zumindest die Sonnenblume, wurde bei der Geburtstagsparty im Fechenbach-Park deutlich.

Dieburg - Nicht ganz so fröhlich wie beabsichtigt verlief die Party zum 30-jährigen Bestehen der Dieburger Grünen.

In die Freude über die Gratulationen und die politische Dauerhaftigkeit mischte sich nämlich auch Betroffenheit über den plötzlichen Tod des Kreisvorsitzenden Christian Flöter: Ihm wurde mit einer Trauerminute gedacht.

Gratulationen gab es von Landrat Klaus Peter Schellhaas, der den Grünen zum Geburtstag einen Gutschein für einen Baum schenkte. Daniela Wagner, Landesvorsitzende der hessischen Grünen, gratulierte ebenfalls, außerdem für die Stadt Dieburg Magistratsmitglied Wolfram Steffens, der den Grünen angehört. Ein Grüner im Magistrat - das wäre 1985 vielleicht nicht ganz so selbstverständlich gewesen wie es heute ist. Über die „Atmosphäre“ der ersten Jahre berichtete Sebastian Stöveken, unter anderem unter dem Stichwort „Gorbatschow“ und dem „Wind of Change“, dem ersten „Live-Aid“-Konzert. „Und in Darmstadt-Dieburg hätte es beinahe das erste schwarz-grüne Bündnis gegeben. Außerdem wurde in Dieburg das Große Hörmes als Naturschutzgebet ausgewiesen“, spielt der Vorsitzende des Ortsverbands auf eine Kernkompetenz der Grünen an. Neben Ansprachen und Erinnerungen war aber doch ein fröhliches Fest intendiert, „mit viel Gelegenheit zu Gesprächen“, so Stöveken am späteren Nachmittag.

Einige Christdemokraten seien auch da gewesen. Auch das wäre 1985 vielleicht nicht ganz so selbstverständlich gewesen, doch inzwischen sind in Dieburg Grüne und Christdemokraten in einer Kooperation verbandelt. Sind sie deshalb in der klassischen Politik angekommen, eine Partei wie jede andere, bürgerlich und staatstragend? Andreas Will, grünes Urgestein und seit 28 Jahren in der Stadtverordnetenversammlung und seit 27 Jahren Fraktionsvorsitzender, gefällt dieses Bild nicht so recht. „Wir stimmen ja nicht immer mit der CDU, sondern auch mal dagegen, und pflegen unsere eigenen Inhalte.“

Abspaltung vor 30 Jahren

Wie fing das alles an? „Vor 30 Jahren hat sich in Dieburg die LD von der FDP abgespalten“, berichtet Will. „Damals war beispielsweise der verkehrsberuhigte Marktplatz Thema. Die CDU wollte darauf ein Parkhaus errichten lassen, die Grünen haben sich mit dem damaligen Bürgermeister Peter Christ gegen diesen Plan verbündet. Anfangs waren wir drei Stadtverordnete, gegenwärtig sind es acht. Maximal hatten wir nur 14 Mitglieder, aber bei uns darf jeder mitarbeiten, ohne dass es einen Mitgliedschaftszwang gibt – so lange er politisch ungefähr auf unserer Wellenlänge liegt.“

Schwarz-Grün sei nicht von Anfang an eine Option gewesen, versichert Will. Gelegentlich habe man mit Bürgermeister Christ über bestimmte Themen sprechen können, aber die CDU habe in Dieburg ja auch über eine absolute Mehrheit verfügt. „Dann kam die Koalition von CDU und FDP, und dann kurzfristig das Bündnis von SPD, UWD und Grünen. Die aktuelle Zusammenarbeit mit der CDU funktioniert ganz gut, auf Augenhöhe.“ Das Stichwort „Fiege“ ist da nicht mehr weit, auch wenn das Projekt nicht Gegenstand der Kooperations-Vereinbarung war. Im Kreisverband der Grünen gab es einiges Kopfschütteln, dass die Dieburger Parteifreunde - mit zwei Abweichlern ganz am Ende - das Großprojekt mit allen anderen politischen Kräften und gegen eine laute Bürgerinitiative mitgetragen haben.

„Die Mehrheit der Dieburger Grünen war aber der Meinung, dass dieses Projekt für Dieburg von wirtschaftlichem Vorteil ist und Arbeitsplätze schafft. Wir waren mit dem Standort auf dem Dieburger Dreieck einverstanden. Wäre das aber näher ans Naturschutzgebiet gerückt, wäre unsere Position eine andere gewesen.“ „Wir müssen uns aber jetzt um das Monitoring kümmern, also nachprüfen, ob die Aussagen verschiedener Gutachten mit der Wirklichkeit übereinstimmen“, ergänzt Sebastian Stöveken.

„Nächstes Jahr sind Kommunalwahlen, aber ich glaube nicht, dass wir da eine Quittung für Fiege bekommen“, mutmaßt Will. Die Stimmung in der Bevölkerung sei nicht fiege-kritisch, auch nicht unter den grünen Wählern. „Unser Wahlprogramm werden wir in einem Monat in einer Klausurtagung festlegen, aber mit Sicherheit wird es die Forderung nach einer Stadtbuslinie beinhalten. Ansonsten wird es sicher schwer, die Fraktionsgröße zu halten, denn es waren ja dramatische Ereignisse in Japan, die uns bei der letzten Wahl begünstigt haben. Immerhin haben die dortigen Ereignisse zur Abschaltung der Atomkraftwerke in Deutschland geführt“, kommt Will am Ende auf ein Grundmotiv grüner Politik zurück.

sr

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