70. Jahrestag

Kriegsende und Neubeginn

+
Neben den Informationstafeln veranschaulichen auch einige Exponate die Geschichte vom Kriegsende in Dieburg. (c)Foto: Hombach Sonderausstellung „Befreiung am Palmsonntag“ im Schloss Fechenbach eröffnet. Neben den Informationstafeln veranschaulichen auch einige Exponate die Geschichte vom Kriegsende in Dieburg. 

Dieburg - Fast schon ein wenig makaber sei es, in diesem Raum die Sonderausstellung „Befreiung am Palmsonntag“ zu eröffnen, begrüßte Bürgermeister Dr. Werner Thomas die Gäste im großen Saal von Schloss Fechenbach. Von Laura Hombach 

Denn der Raum, in dem am Sonntag kein Sitzplatz frei blieb und einige Gäste mit Stehplätzen Vorlieb nehmen mussten, hatte von 1933 bis 1945 als Fahnensaal der NSDAP gedient. „Dennoch dürfen wir uns freuen, heute hier zu sein“, sagte Thomas.

13 Thementafeln sowie Exponate aus dem Museumsfundus, dem Stadtarchiv sowie Privatbesitz erzählen in der Sonderausstellung vom Kriegsende in Dieburg und davon, wie das Leben nach dem Einmarsch der Amerikaner weiterging. Der Palmsonntag vor 70 Jahren wird eindringlich durch auf Video gebannte Zeitzeugenberichte in Erinnerung gerufen. Und auch Thomas nutzte seine Begrüßungsansprache, um daran zu erinnern, wie es den Dieburgern am Palmsonntag vor 70 Jahren ergangen sein mochte. Noch am Morgen waren Bomben auf Dieburg gefallen, hatten Gottesdienstbesucher, die gerade die Wallfahrtskirche verlassen hatten, getötet und verletzt. Insgesamt starben an diesem 25. März 1945 in Dieburg 24 Zivilisten. Noch am gleichen Tag marschierten die Amerikaner in Dieburg ein. Sie brachten für die Stadt das vorzeitige Kriegsende, stellten die Bevölkerung aber auch vor die Frage, wie es nun weitergeht. Nichts sei mehr so gewesen, wie zuvor, erklärte Thomas. Er erinnerte an die Opfer des Palmsonntags 1945, aber auch an alle anderen Opfer des Zweiten Weltkriegs und des Dritten Reichs.

„Heute mit unserem umfassenden Wissen über die Schrecken des Dritten Reichs wissen wir, dass der 8. Mai 1945 – das offizielle Kriegsende – ein Tag der Befreiung war“, sagte Thomas. Die Jahre danach, die sich auch in der Ausstellung widerspiegeln, stünden für Neubeginn und Wiederaufbau, die bis in die heutigen Zeit nachwirkten. „Diese 70 Jahre bedeuten auch und an erster Stelle die Sicherheit von 70 kriegsfreien Jahren in unserem Land“, betonte der Bürgermeister. „Ein Gut, das wir heute als selbstverständlich erachten, dass wir aber nicht genug achten können“, mahnte er.

Bereits vor 70 Jahren galt es, in Dieburg Flüchtlinge aufzunehmen. Im Sommer 1945 kamen die Heimatvertriebenen, erinnerte Thomas. Auch sie mussten einquartiert werden. In einem eindringlichen Aufruf habe sich der damalige Bürgermeister Ludwig Steinmetz an die Bevölkerung gewandt und sie gebeten, die Türen in ihren Herzen zu öffnen. Zwar wolle er die heutige Zeit nicht mit der damaligen vergleichen, erklärte Thomas, dennoch müssten auch wir heute unsere Herzen aufstoßen. Es gelte auch heute, sich die Dramatik einer Flucht bewusst zu machen. „Denn dann wird es uns ein Leichtes sein, tolerant, großzügig und verständnisvoll zu sein“, so Thomas mit Blick auf die aktuelle Flüchtlingsproblematik.

Museumsleiterin Maria Porzenheim dankte in ihrer Begrüßungsansprache dem Museumsteam für die Mitarbeit an der Sonderausstellung. Auch Landrat Klaus Peter Schellhaas war zur Eröffnung gekommen und brachte einen Scheck mit (siehe Artikel Seite 2). Er sei froh und glücklich, dass es eine solche Ausstellung in Dieburg gebe, die sich dem Kriegsende widme und auch auf die Zeit danach blicke. Die Menschen jener Zeit seien es gewesen, die „die Basis dafür gelegt haben, dass wir in dem Deutschland leben, das wir heute kennen“, erklärte Schellhaas.

Die Sonderausstellung „Befreiung am Palmsonntag“ ist noch bis zum 26. Juli im Museum Schloss Fechenbach zu sehen. Am kommenden Sonntag, 29. März, von 14 bis 17 Uhr steht zudem der 1. Blaufärbertag auf dem Programm (weitere Termine sind an den Sonntagen, 5. und 12. April).

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion