Veranstalter ist mit Zuspruch zufrieden

„1. Dieburger Musiknacht“: 1000 Fans unterwegs

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Die K-Maniacs rockten im ehemaligen, schön illuminierten Sudhaus im Innenhof des Getränkehandels Braunwarth.

Dieburg - Zur beschwingten Flaniermeile für Musikfans enwickelte sich die Dieburger Innenstadt am Samstag. Klamauk und Besinnliches kam unter anderen von Georg Becker auf dem Marktplatz. Rockiges erklang im ehemaligen Sudhaus. Der Veranstalter ist mit der Resonanz auf die Premiere der „Dieburger Musiknacht“ zufrieden. Von Jens Dörr

„Ihr wisst ja, wie das läuft“, ertönte am Samstag um 22.30 Uhr die Stimme von Jerome van Baker auf dem Dieburger Marktplatz: „Ihr singt weiter, und ich zieh mich aus.“ Mit seiner längst Kult gewordenen Parodie auf „Baywatch“-Star David Hasselhoff beendete der Frontmann des Schlager-Quintetts Van Baker & Band am Abend das Open Air im Rahmen der „1. Dieburger Musiknacht“, an der es in neun weiteren Locations mit 13 anderen Bands und DJs danach noch einige Zeit weiterging. Trotz nasskalten Herbstwetters zog Georg Becker, wie die Rampensau aus Dieburg bürgerlich heißt, fast komplett blank. Und 1 000 Musikliebhaber, wenngleich dicker bekleidet, ließen sich vom Besuch der Musiknacht-Premiere ihrerseits nicht abhalten.

„Ich bin zufrieden“, sagte dann bereits am späten Abend auch Alexander Schäfer, Organisator der Veranstaltung, die es in ähnlicher Form beispielsweise auch in Groß-Umstadt gibt. Schon der Vorverkauf sei gut gelaufen. „Wir haben allein bei uns vorab 300 Karten verkauft“, verriet am Samstag Jasmin Sauerwein, Betreiberin des „M 22“. Sie hatte zusammen mit Evelin Allmann vom Dieburger Gewerbeverein Schäfer bei den Vorbereitungen unter die Arme gegriffen und dem Mainzer Eventmacher unter anderem beim Ansprechen der Gastronomen in der Innenstadt („Schwarzer Löwe“, „Mini-Café“, „Lehrer Lämpel“, „Headquarters“, „Hopfensack“, Braunwarth-Gelände) sowie im Steinweg („Alte Backstubb“, „Stoawäjer Stubb“) geholfen.

Auch das blickdicht abgesperrte Open-Air-Areal auf dem Marktplatz samt gastronomischer Angebote wollte organisiert sein. An einem Getränkestand floss besonders der Asbach-Cola-Mix guten Gewissens die Kehle hinunter: Wer bei Gerd Allmann, Marc Hiltrop, Martin Schulz, Renee Exner, Dominik Preußner und Oliver Wittur ein „Hütchen“ orderte, sponserte dabei auch den Dieburger Verein „Lebenshilfe“ mit. Die selbst ernannten Dieburger „Mammuts“ hatten ordentlich zu tun, ohne in Stress zu geraten. Da unter anderem der Marktplatz, aber auch größere Lokale wie das „M 22“ und der „Schwarze Löwe“ bereits mehrere hundert Besucher auffingen, war es in den kleineren Locations allerorten gut ge-, aber nicht überfüllt. Auch die von Schäfer organisierten und bezahlten Sicherheitskräfte und Bändchenkontrolleure – die Bändchen gab es an den Eingängen im einmaligen Tausch gegen die Eintrittskarte – trugen auf freundliche Art zu einer entspannten Musiknacht bei.

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Darüber hinaus stimmte nicht nur bei Headliner Van Baker & Band die musikalische Qualität, sondern ohne Ausnahme auch bei allen anderen Gruppen. Im „M 22“ traten mit den Dieburgern und Groß-Zimmernern von Lehman 5 weitere Lokalmatadore auf, im „Lehrer Lämpel“ machte Schlagerbarde Marty Kessler (als einziger Künstler inmitten ansonsten stets mehrköpfiger Formationen) solo Stimmung.

Getränkehändler Erik Braunwarth und vor allem dessen ideenreicher Sohn Dennis hatten das ehemalige Sudhaus im Innenhof für die rockigen K-Maniacs geöffnet. Die rustikalen, unverputzten Wände ergaben kreativ und farbintensiv angestrahlt plötzlich ganz modernes Ambiente. „Die eigentlichen Katakomben, die es bis 1972 im vorderen Haus gab, konnten wir nicht öffnen – da ist inzwischen eine Wohnung drin“, erzählte Braunwarth senior.

Bei aller Ausgelassenheit und gerade im Fall von Van Baker & Band (die ihr zehnjähriges Bestehen in ihrer Heimatstadt feierten) auch Selbstironie war es dann ausgerechnet Ulknudel Georg Becker, der einen Moment lang überraschend fürs Innehalten sorgte: Er erinnerte an den erst vor wenigen Tagen mit nur 44 Jahren verstorbenen Dieburger Torsten Willsch, der der Schlagergruppe stets zugeneigt, zugleich aber auch Beckers F-Junioren-Trainer beim SC Hassia gewesen war. Ein Mensch „aus der Mitte unserer Gesellschaft“ habe viel zu früh gehen müssen, sprach der Sänger von der Bühne weniger herab zum Publikum denn hinauf in den Abendhimmel. Torsten Willsch dürfte es dort mit einem Lächeln zur Kenntnis genommen haben.

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