Familienwandern zum Tag der biologischen Vielfalt

Dieburgs kleinste Bewohner unter der Lupe

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In unserem Alltag ist jede Menge aus Holz: Das verdeutlichte Förster Thomas Zinth.

Dieburg - In einer Handvoll Humus leben mehr Organismen als Menschen auf der Erde. Diese und andere Superlative über den Wald hatte Förster Peter Sturm bei der Familienwanderung am Sonntag parat. Von Michael Just 

Waldbewohner mit dem Mikroskop beobachten, die mit dem die mit bloßem Auge kaum sichtbar sind, war einer der Höhepunkte der Familienwanderung zum Tag der biologischen Vielfalt. Rund um die Moret hatte Hessen Forst sechs Stationen aufgebaut, an denen sich speziell für Kinder in das faszinierende Thema Wald eintauchen ließ. Mit Rucksäcken und Malstiften gab es zudem noch was zu gewinnen. Dafür mussten Stempel gesammelt werden, was beim Nachwuchs schon alleine für Begeisterung sorgte. Am Stand von Sturm hieß das Thema „Waldboden – einfach nur Dreck?“. Seinen Kollegen, darunter Martin Starke, Thomas Schmalenberg und Thomas Zinth, beschäftigten sich mit Nützlichem aus Holz, dem Hirschkäfer oder Totholz, das trotz des Namens voller Leben steckt.

„Wir haben von der Veranstaltung in der Zeitung gelesen“, berichteten Bettina Schütz und David Müller, die mit ihrem Sohn Jakob (7) gekommen waren. Mit den Rädern fuhren sie den ausgeschilderten Rundweg von zwei Kilometern ab. „Über die Artenvielfalt kann man eigentlich nie genug lernen“, meinte die 44-Jährige. Mit die größte Aufbauarbeit leistete Förster Thomas Zinth: Sein Stand führte vor, was in unserer Zivilisation so alles aus Holz besteht. Zinth hatte dafür einen Stuhl, eine Palette, den Stil einer Schippe, oder das Bienenhaus eines Imkers in den Wald verfrachtet. „Je nach Baumart hat das Holz verschiedene Eigenschaften. Das Bienenhaus ist aus Strobe, weil das die Wärme hält und gute Isolationswerte besitzt“, erklärte der Experte. Mit Blick auf einen Leimbinder aus Buche fügte Zinth hinzu, dass aus Holz ganze Schul- und Fabrikhallen gebaut werden.

Das Familienwandern, das in dieser Form zum ersten Mal in Dieburg stattfand, erhielt eine ansprechende Resonanz, die noch etwas stärker hätte ausfallen dürfen. Denn alle Familien erwartete eine äußerst spannende Aufbereitung zum Thema Wald inklusive vieler Infos. An der Hirschkäfer-Wiege erkundigten sich viele bei Förster Martin Starke, ob der Bau von 2012, der mit einem Aufbau von morschem Eichenholz die Vermehrung des größten deutschen Käfer erleichtern soll, angenommen wird. Darauf gab es eine überraschende Antwort. „Bis jetzt ist daraus wohl noch kein Tier geschlüpft“, sagte Starke und gestand damit keinesfalls den Misserfolg ein. Vielmehr benötigen die Larven fünf Jahre, meist sogar sechs bis acht, bis sie sich in drei Stadien zum Käfer entwickeln. Kommt das Tier nach dem Ende der Verpuppung an die Oberfläche, sind seine Tage gezählt, denn es lebt nur vier bis acht Wochen. Trotzdem leistet auch der Hirschkäfer einen wesentlichen Beitrag zur biologischen Vielfalt.

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