Neue Ausrichterin Ilona Böhm gibt Einstand

Schlossgartenfest: Eine stürmische Premiere

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Die „Big Wave“ („Große Welle“) wurde für manchen Schlossgartenfestsurfer zum feucht-fröhlichen Vergnügen.

Dieburg - Eine gelungene Premiere gab die neue Ausrichterin Ilona Böhm beim 54. Schlossgartenfest. Dass es stürmisch wurde, lag aber vor allem an Tief Zeljko. Von Jens Dörr

In München schließen sie vor dem Oktoberfest jedes Jahr sogar Wetten ab, mit wie vielen Schlägen der OB nach dem Einzug der Wiesnwirte das Fass ansticht. Negativrekord waren bislang 19 Schläge, der Topwert liegt bei zwei. Insofern war Stadtrat Wolfgang Schupp am Freitagabend mit drei Versuchen sehr gut dabei, als er das erste Fass des 54. Dieburger Schlossgartenfests in Vertretung von Bürgermeister Dr. Werner Thomas (siehe „Randnotiz“) anstach. Das war freilich nur Symbolik, denn die ersten Liter waren schon in den zwei, drei Feststunden vorher durch die Kehlen der frühen Besucher geflossen. Als es gegen 19.30 Uhr, Zeitpunkt des Bieranstichs, noch immer sommerliche Temperaturen hatte, reagierte die neue Ausrichterin Ilona Böhm (Gastronomie Hamel-Zelt, Darmstadt) mit einer spontanen Verlegung der kleinen Zeremonie auf den Weg zwischen Festzelt und Biergarten. Dort ließen sich nicht nur die geladenen Gäste aus dem Magistrat, der offizieller Veranstalter des Schlossgartenfests ist und auch für die Ausstattung Böhms mit einem Fünfjahresvertrag verantwortlich zeichnet, nieder, sondern auch führende Köpfe der Dieburger Vereine. „Sie haben das Fest aus der Taufe gehoben und viele Jahre lang organisiert“, hob Wolfgang Koehler, der geschäftsführende Gesellschafter der Darmstädter Privatbrauerei, hervor.

„Angezapft is’!“: Den üblichen Spruch intonierte Stadtrat Wolfgang Schupp mal nicht auf Bayrisch („Ozapft is’!“).

Koehler war es auch, der neben der allerorten Herzlichkeit verbreitenden Festwirtin fast schon einen flammenden Appell ans Publikum im Biergarten richtete: „Es ist das Fest mit und für die Dieburger. Es ist Ihr Fest - kein aufgepfropftes Fest!“ Seine Meinung nach den eher mittelprächtigen Experimenten mit den professionellen Ausrichtern Franz Widmann (2012) und Steffen Frings (2014) lautete: „Die Zeit der Versuche ist vorbei. Ilona Böhm weiß, wie sie das Fest ausrichten muss; sie weiß mit Essen umzugehen und zu organisieren.“ Beim Spaziergang über den Festplatz stießen die Besucher am Freitag auf vieles Bewährte, aber auch neue Akzente. Die setzte Böhm insbesondere in eine Aufwertung des Vergnügungsparks mit attraktiveren Fahrgeschäften. Dazu zählen auch am heutigen Festmontag noch ein Free-Fall-Tower zwischen Festzelt und Autoscooter, der zwar nicht die Höhe mancher Exemplare in großen Freizeitparks erreicht, den Magen dennoch kräftig umzuwälzen weiß. Die „Big Wave“ („Große Welle“) und eine rasante Berg- und Talbahn mit zweierlei Fahrtrichtungen hat man in Dieburg früher zwar schon gesehen, weniger spektakulär wird der Spaß dadurch aber nicht.

Bilder: Schlossgartenfest in Dieburg

Neben dem festlichen, zur nördlichen und südlichen Seite (Biergarten) offen gestalteten Hamel-Zelt, in dem am Freitag- und Samstagabend die Groovemonkeys spielten und am Samstagnachmittag zudem die Fuchshecker, blieb der Biergarten im gewohnten Rahmen bestehen. Das Weindorf fiel gegenüber dem Vorjahr kleiner aus, hier verzichtete Böhm zudem auf Musik. Den tänzerischen Auftakt gestaltete am Freitagabend die Gruppe „Hitchkick“ (Leitung: Andrea Fenn und Sandra Düsterhöft) des TV Dieburg. Sie lieferte ihr Programm auf dem Weg zwischen Biergarten und Festzelt, wo sich zu dieser Zeit fast noch niemand aufhielt, aufgrund der Zugabeforderung des Publikums gleich zweimal ab. Am Samstag tanzte zudem eine weitere TVD-Gruppe (Gymnastik der Jahrgänge 2003 bis 2005; Leitung: Marleen Müller), am Sonntag brachte sich die Dance Company um Silke Klotz ein.

Ein stürmisches Ende nahmen am Freitagabend zumindest die Outdoor-Aktivitäten durch das um Mitternacht anbrechende Gewitter. Die Bar, die an ein Bensheimer Unternehmen vergeben wurde, war hingegen bis 3 Uhr rappelvoll. Der Samstag verlief bei teils heftigen Böen durchwachsen, während der Sonntag wieder entschädigte. Fürs kommende Jahr hat Böhm einige Erweiterungen im Hinterkopf: Dann will sie noch mehr Dieburger Gruppen ins Programm einbeziehen und entlang des westlichen Wegs am Festplatz (an der Gersprenz) womöglich weitere Verkaufsstände platzieren.

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