Workshop in Stadtbibliothek in Kooperation mit der Goetheschule

Eine Tasse Reis am Tag, mehr nicht

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Wie sich Kinder in Entwicklungsregionen ernähren, konnten die Schüler am eigenen Leib erfahren. Für jeden gab es eine Tasse Reis. Das war´s.

Dieburg - An vier Stationen in der Stadtbibliothek informierten sich Schüler über die Ernährung von Kindern weltweit und verglichen dies mit der hiesigen Situation. Von Stefan Scharkopf 

 „Könntest du dir vorstellen, jeden Tag nur Reis zu essen, und dann auch noch so wenig?“, fragt der 13-jährige Finn seinen Klassenkameraden. Der guckt etwas skeptisch, und aus einem Blick ist die Antwort herauszulesen: Nein, eigentlich nicht. Und doch ist Reis das wichtigste Grundnahrungsmittel – und in weiten Teilen des Globus oft das einzige. Bei einer Weltbevölkerung von zirka 7,3 Milliarden Menschen (2015) sind nach Angaben der Welthungerhilfe 795 Millionen Menschen unterernährt; davon entfallen auf die Entwicklungsregionen 780 Millionen. „Es gibt Kinder, die in fruchtbaren Weltregionen voller Früchte, Gemüse und Fisch leben, aber dennoch nur Reis essen können, weil Kriege und Dürre zu Hunger und Krankheit führen“, erklärte Bernhard Knitsch, Mitarbeiter der Dieburger Stadtbibliothek, am Donnerstagmorgen Schülern einer siebten Gymnasialklasse der Goetheschule.

„Kinder der Welt – alle täglich richtig satt?!“ war in den letzten beiden Wochen vor den Sommerferien eine Ausstellung in der Stadtbibliothek überschrieben. Gemeinsam mit der Goetheschule Dieburg und der Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie Bensheim wurde an vier Stationen zur Ernährung von Kindern weltweit informiert und mit der hiesigen Situation verglichen. An einer Station lernten die Kinder Davu kennen, einen Jungen aus dem Tschad in Zentralafrika, einem der ärmsten Länder der Welt. Sie erfuhren, dass Davu durch einseitige Ernährung in den wichtigen ersten „1 000 Tagen“ körperliche und geistige Folgen davongetragen hat. Die Schüler probierten und aßen die Menge Reis, die Davu täglich zur Verfügung steht und verglichen die monatliche Nahrungsmenge einer afrikanischen Familie mit zwei Kindern mit der einer europäischen.

An anderen Stationen ging es um Adrian, den Jungen einer philippinischen Fischerfamilie. Ergänzt wurde die Station durch einen Sternsinger-Film, der über das Leben in Slums der Hauptstadt Manila aufklärte. Dass Armut aber nicht allein ein Merkmal der Entwicklungsländer ist, sondern dass auch Familien in Deutschland Probleme mit ihrer Versorgung haben, lernten die Mädels und Jungs am Beispiel der Dieburger Tafel kennen.

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„Die Jugendlichen waren überrascht, mit wie wenig Geld manche deutsche Familien auskommen müssen, die Unterstützung der rund 900 Tafeln in Deutschland annehmen“, beschrieb es Goetheschule-Lehrerin Sandra Paul. Die Ausstellung beziehungsweise Workshops wurden von mehr als 20 Schülerinnen und Schülern der Goetheschule betreut und durchgeführt. Jährlich, so Bernhard Knitsch, gibt es ein Projekt, das die Stadtbibliothek in Kooperation mit der Goetheschule anbietet.

Insgesamt durchliefen 14 Klassen die aktuellen Workshops, darunter zehn aus der Goetheschule, zwei aus der Justin-Wagner-Schule in Roßdorf und zwei Klassen aus der Eichwald-Schule in Schaafheim; alles in allem rund 250 Schüler. Wichtigstes Anliegen: „Es ist natürlich wünschenswert, dass sich die jungen Leute eine Meinung bilden“, so Knitsch, „und dass diese Meinungsbildung dann möglichst auch zu Engagement führt“, so Knitsch.

Als eine von etwa 200 deutschen UNESCO-Projektschulen engagiert sich die Goetheschule in sozialen Projekten. Die Karl Kübel Stiftung für Kind und Familie Bensheim ist seit Jahrzehnten in der internationalen Entwicklungsarbeit tätig. Diese hat junge Leute im Auslands-Freiwilligendienst und setzt ihre Erfahrungen in Bildungsmaterialien um. Die Ausstellung „Kinder der Welt – alle täglich richtig satt?!“ wurde gefördert durch die Stadtbibliothek und das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, die die Materialien bereitstellten und das Hessische Kultusministerium, das die Goetheschule als UNESCO-Projektschule finanziell unterstützt.

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