Messstation auf Dieburgs Hausberg

Erdbeben „made on Moret“

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Benjamin Homuth von der Uni Frankfurt referierte beim Moret-Treff über Erdbeben in Südhessen.

Dieburg - Das jüngste Erdbeben in Nepal hat wieder einmal gezeigt, dass im Inneren der Erde enorme Kräfte walten. Doch wer glaubt, dass die Erdbeben-Gebiete fern sind, der irrt: Auch in unserer Region gibt es Seismizität. Von Michael Just 

Unter dem Titel „Erdbebentätigkeit im nördlichen Oberrheingraben“, der das Rhein-Main-Gebiet und die Ausläufer des Odenwalds umfasst, referierte Benjamin Homuth von der Uni Frankfurt beim Moret-Treff im Natufreundehaus. Wie der Geowissenschaftler sagte, sei die geplante Nutzung von Erdwärme (Geothermie) der eigentliche Grund gewesen, sich mit dem Grollen im Boden zu beschäftigen. Nur wenn detaillierte Kenntnisse auf aktive Störungszonen im Untergrund vorlägen, könnten solche Projekte verwirklicht werden. Dafür wurden zwölf Messstationen im Rhein-Main-Gebiet aufgestellt, eine davon auf der Moret.

„Mit Beginn der Datenaufzeichnungen im November 2010 haben wir bis April 2015 rund 480 Erdbeben lokalisiert“, berichtete Homuth. Das stärkste wurde am 17. Mai letzten Jahres mit 3,6 auf der Magnitude (Richter-Skala) registriert, was einem leichten Beben gleichkommt. Stärke 1 bedeutet nicht spürbar, 10 eine globale Katastrophe. Die Erschütterungen im Mai 2014, ausgelöst in einer Tiefe von 4,3 Kilometern, waren die stärksten seit 20 Jahren in Südhessen: 70 Häuser, vor allem in Nieder-Beerbach, wurden beschädigt.

Dass das Gebiet um Ober-Ramstadt und Reinheim in den Blickpunkt rückt, lässt sich mit zwei Verwerfungen im Boden begründen. Laut dem Wissenschaftler hören sich 480 Beben erstmal viel an. Die Seismizität sei aber in der Regel so gering, dass man die meisten Beben davon nicht spüre. Erst bei einem Skalawert von 2 bis 2 ½ trete eine Wahrnehmung auf. Erdbeben in der Region sind nicht neu: Schon um 1870 ging in der Nähe von Groß-Gerau ein sogenannter „Erdbebenschwarm“ in die Historie ein. Als Erdbebenschwarm werden Serien bezeichnet, die ähnlich stark sind und innerhalb eines begrenzten Zeitraums auftreten. Diese existieren auch in anderen Gräben der Erde, wie dem Eger-, dem Rio Grande- oder dem Kenia-Rift. Die Spannungen im Boden zeigen sich hier aber als weitaus größer und sind deshalb mit dem nördlichen Oberrheingraben nicht vergleichbar, wo zwischen den Beben oft lange Zeitspannen vergehen.

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Eine große Erdbebenkatastrophe in unserer Region sieht Homuth als nicht realistisch, da die Menschen hier nicht auf einer Magmakammer sitzen. „Der letzte Vulkanismus war hier vor 20 Millionen Jahre. Alles ist erkaltet“, so der Wissenschaftler. Dazu seien die Verwerfungen im Untergrund mit Bruchstellen von 200 bis 500 Meter Länge eher kleiner Natur. Zum Vergleich: Bei rund 100 Kilometer Länge wären Beben der Stärke 6 bis 7 möglich. Beim Erdbeben im Meer zwischen Indonesien und Thailand, das einen Tsunami auslöste, rieben gleich mehrere hundert Kilometer gegeneinander.

Bleibt die Frage, wann in unserer Gegend das nächste Erdbeben kommt. Eine Prognose wollte Benjamin Homuth nicht abgeben: „Ich werde mich hüten, das zu tun“, so der Referent wohlwissend, dass Vorhersagen bis heute unmöglich sind.

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