Erhalt liegt vielen am Herzen

Was geschieht mit Rochus-Kapelle?

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Spendet Wärme und Wohlbefinden: die aufwändig gestaltete Glaswand in in Gelb- und Rottönen in der Rochus-Kapelle.

Dieburg - Ende Juni wurde letztmals Gottes Wort in der Rochus-Kapelle am Dieburger Krankenhaus verkündet – zwei Tage vor der Schließung feierte Pfarrer Alexander Vogl dort die Abschiedsmesse. Die Zukunft der Rochus-Kapelle ist weiter offen. Von Jens Dörr 

Die Zahl jener, die den besonderen Ort auch künftig erhalten wollen, ist indes groß. Seine bisherige Funktion als Besinnungsort und Trostspender für die stationären Patienten der kleinen Klinik in der Kratzengasse hat die Rochus-Kapelle verloren. Einerseits hat der Dieburger Heimatverein eine Unterschriftenaktion gestartet, die zum Erhalt der Kapelle beitragen soll (wir berichteten). Außerdem sammelt der Verein im selben Zug noch bis zum 30. September Unterschriften, die für eine sinnvolle Nutzung des gesamten Krankenhaus-Komplexes in der Zukunft stimmen sollen und die der Heimatverein an die Verantwortlichen der Stadt übergeben will. Auch die Kapelle gehört nach dem Verkauf durch das Bistum Mainz nur noch zu zehn Prozent der Katholischen Kirche (über die St.-Rochus-Stiftung) und zu 90 Prozent dem Klinikum Darmstadt.

Das einst für 8 000 Euro restaurierte Ölgemälde mit der Dreifaltigkeit aus Vater, Sohn und Heiligem Geist lagert derzeit im Keller des Pater-Delp-Hauses.

Zu jenen, die sich einerseits um die Rochus-Kapelle selbst Gedanken machen, andererseits auch um die Gegenstände aus ihrem Inneren, gehört Anne Sattig. Die Ehrenvorsitzende des Heimatvereins dokumentierte vor einigen Wochen gemeinsam mit Astrid Kreuz die besonders erhaltenswerten Dinge in der Kapelle, aber auch im und am Krankenhaus selbst mit der Fotokamera. Neben der Glaswand, der sowohl Sattig als auch Heimatvereinsvorsitzende Maria Bauer attestieren, durch das einfallende Licht in den Besuchern der Kapelle besondere Wärme und Wohlbefinden auszulösen, sind Sattig unter anderem zwei Bilder wichtig, die bis zur Schließung von Krankenhaus und Kapelle dort hingen. Eins davon zeigt den Heiligen Rochus mit der Pechlampe und einem Hund als seine beiden Erkennungsmerkmale. Dieses Ölgemälde stammt wohl aus dem 18. Jahrhundert. Sein Urheber ist unbekannt.

Das andere, einst links vom Altar aufgehängte Bild zeigt die Dreifaltigkeit aus Vater, Sohn und Heiligem Geist und besitzt eine ungewöhnliche jüngere Vergangenheit. Das Bild verschenkte eine ältere Dieburgerin vor einigen Jahren an Anne Sattig. Anschließend wurde es mit Heimatvereins- und Sponsorenmitteln für 8 000 Euro von Sylvain Hénon restauriert. Darüber hinaus zierten die Wand der Kapelle Holzschnitzereien, die die Kreuzweg-Stationen von Jesus Christus zeigten.

Pfarrer Vogl erklärt dazu: „Alle Kunstgegenstände werden derzeit trocken und sicher im Keller des Pater-Delp-Hauses gelagert.“ Die Entscheidung, wo sie künftig präsentiert werden, sei noch nicht gefallen. „Die anderen liturgischen Gegenstände aus der Rochus-Kapelle sind auf die anderen drei Sakristeien in Dieburg verteilt worden“, so Vogl weiter. Nicht nur Sattig erscheint wichtig, dass gerade die beiden Bilder nicht allzu lange irgendwo im Keller verschwinden. Bedeutend für den bestmöglichen Erhalt der Werke seien konstante Werte bei Temperatur und Luftfeuchtigkeit.

Auch die Madonnen-Statue im Innenhof (mit der in Stein gehauenen davor knienden Bittstellerin) und die im Keller in zwei Räumen eingemauerten Hexenturm-Reste gelte es zu bewahren, mahnt Sattig. Der Rest des unteren Hexenturm-Teils führt durch die Mauer in den Krankenhaus-Innenhof. Das Dieburger Krankenhaus zählt seit einer Wertermittlung vor 20 Jahren zu den Kulturdenkmälern der Stadt.

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