Schüler der Alfred-Delp-Schule stellen aus

Erinnerung an die Synagogen

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1869 lässt die jüdische Gemeinde das Anwesen Markt 17 zu einer Synagoge mit Wohnung ausbauen. Sie wird noch im gleichen Jahr feierlich eingeweiht.

Dieburg - Am Mittwoch, 27. April, wird um 19 Uhr im Museum Schloss Fechenbach eine kleine Ausstellung mit Architekturmodellen eröffnet, die von Schülern des Kunst-Kurses der Alfred-Delp-Schule im Unterricht angefertigt wurden.

Die Schüler haben sich mit dem Dieburger Marktplatz beschäftigt und die Situation um 1928/29 rekonstruiert. Dabei sieht man die alte Synagoge (Henrik Becker), die wegen Baufälligkeit 1928 abgerissen werden musste und die neue Synagoge (Jan Hendrik Krumbach und Leon Schnaut), die die Gewaltherrschaft und den Krieg überlebt hatte. Heute weist eine Tafel an der Sparkasse auf die Existenz der Synagogen hin. Man sieht auch die Fachwerkhäuser (Jan Hölschke) an der Stelle der heutigen Volksbank, den Mainzer Hof (Barbara Chan), die alte Schmiede (Alexander Ruf), die heutige Reinigung (Charlotte Sornberger) und den „Kaufmann Loeb“ (Kristina Splanemann und Marcel Hussain), die heutige Bücherinsel.

Fotos und Pläne aus Büchern zur Dieburger Geschichte, Recherchen im Dieburger Stadtarchiv mit hilfreicher Unterstützung durch Stadtarchivar Jona Ostheimer und im Internet waren die Grundlage für den Bau der Modelle aus Finnpappe. André Gensert entwickelte am Computer ein dreidimensionales Bild des ersten Entwurfs für die neue Synagoge, von dem nur ein Modellfoto erhalten ist und gestaltete das Plakat zur Veranstaltung.

1929 wird die neue Synagoge am Markt hinter dem alten Gebäude errichtet, das danach abgebrochen wurde. - Fotos: Stadtarchiv

Kursleiter Rolf H. Peters wunderte sich bei den Recherchen, dass die Dieburger Synagogen ihren Platz direkt am Marktplatz hatten, wo doch Gotteshäuser anderer Religionen heutzutage eher in den industriellen Randzonen der Städte zu finden sind. Er ging dieser Frage nach und forschte auch über den Architekten der Neuen Synagoge Rudolf Joseph, der nahezu unbekannt ist. Rudolf Joseph wurde 1893 in Pforzheim geboren, lebte und arbeitete in Wiesbaden und emigrierte 1933 über Paris nach New York, wo er 1963 starb. Seine Schwester Mely Joseph stellte 1914 in Darmstadt bei der letzten großen Ausstellung auf der Mathildenhöhe aus. Sie beging 1920 in Berlin Selbstmord.

Zur Eröffnung der Ausstellung im Museum wird Rolf H. Peters die Ergebnisse seiner Recherchen in einem Vortrag vorstellen. Interessierte Bürger sind herzlich eingeladen.

eha

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