Kreis zweifelt nicht an Wiederherstellung

Fachwerk-Fassade für Zuckerstraße 19: Zimmermann ist am Zug

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Die Fachwerkfassade des ehemaligen „Steinmetzhauses“ (links) fügt sich auf diesem historischen Foto harmonisch in das Ensemble der Zuckerstraße ein. Die Dieburger sind gespannt, wie der Neubau nach Fertigstellung aussehen wird.

Dieburg - Wie das wohl werden wird? Besorgte Blicke auf die Fassade des Neubaus in der Zuckerstraße Nummer 19 sind keine Seltenheit. Von Laura Hombach 

Dort, wo mit dem Steinmetzhaus bis zu einem Brand im Februar 2011 eines von Dieburgs ältesten Fachwerkhäusern gestanden hatte, ist nun ein neues Haus aus dem Boden gewachsen. Und das will mit seiner nackten Steinfassade momentan so gar nicht nach Fachwerk aussehen. Auf Nachfrage unserer Zeitung bei der für den Denkmalschutz zuständigen Kreisverwaltung vor knapp vier Wochen erhielten wir zwar die Bestätigung, dass auch weiterhin „die Wiederherstellung der Fachwerkfassade am Gebäude vorgesehen ist“. Doch so ganz konnte diese Aussage von Kreis-Pressesprecher Frank Horneff die besorgten Bürger wohl noch nicht beruhigen.

So machte sich unser Leser Udo Brechtel die Mühe, die Fassaden des einstigen Steinmetzhauses und des Neubaus noch einmal ganz genau zu vergleichen. Ergebnis: Am Neubau ist der Dachüberstand nur wenige Zentimeter breit und lässt kaum Platz für die Fassadengestaltung.

„Zu wenig für das Fachwerk?“, gab Brechtel in einer E-Mail an unsere Redaktion seinen Zweifeln Ausdruck. Eine Frage, die unsere Zeitung denn auch – zusammen mit einigen anderen – an die Kreisverwaltung weitergab. Pressesprecher Horneff bekräftigte nach Rücksprache mit dem Denkmalschutz noch einmal seine Aussage von vor einem Monat: „Zunächst noch einmal grundsätzlich: Die Wiederherstellung des Gebäudes ist das Ziel - und die Wiederherstellung ist Inhalt der Baugenehmigung. Das ist in den Plänen so dargestellt und unterschrieben, bildet also den Willen des Bauherrn ab“, so Horneff in der Stellungnahme.

Für den Dachanschluss habe es klare Absprachen mit dem Architekten bis hin zu Detailzeichnungen gegeben. Die Schwierigkeit bestehe hier darin, dass das historische Giebeldreieck nicht ganz deckungsgleich mit dem neuen Dach sei. Das liege unter anderem an der Art des zimmermannsmäßigen Abbundes. Der Architekt habe mit dem Denkmalschutz eine Abstufung im Bereich des Dachgeschosses verabredet.

Mit abschließender Gewissheit will der Kreis sich aber scheint’s doch nicht darauf festlegen, dass das Obergeschoss tatsächlich einmal genauso aussehen wird, wie vorab mit dem Denkmalschutz vereinbart. „Theoretisch müsste das funktionieren, praktisch ist hier die finale Ausführung jedoch abhängig von den Fachwerkhölzern“, heißt es von der Kreis-Pressestelle. Dennoch, betont Horneff, dass die Wiederherstellung der Fassade das Ziel sei und bleibe. Dabei solle so viel wie möglich von der nach dem Brand abgetragenen und im Bauhof eingelagerten Fassade verwendet werden, bestätigt der Kreis-Pressesprecher. Das Holz sei fachgerecht gelagert und abgedeckt worden, tritt er in seiner Antwort Bedenken entgegen, dass das Holz vergammelt und nicht mehr zu gebrauchen sein könnte.

Bilder: Schlossgartenfest in Dieburg

Die Verwendung von so viel wie möglich Altholz zur Gestaltung der neuen Fassade müsse in Zusammenarbeit mit einem denkmalerfahrenen Zimmermann und mit dem Denkmalschutz geschehen, schildert Horneff das weitere Vorgehen. Das Detail- aufmaß aus den 1980er Jahren läge sowohl dem Denkmalschutz als auch dem verantwortlichen Architekten vor.

Für die Zweifel der Dieburger, ob das Haus in der Zuckerstraße 19 tatsächlich einmal wieder ein das Auge des Betrachters erfreuendes Schmuckstück wird, zeigt Horneff in seiner Funktion als Kreis-Pressesprecher wenig Verständnis. Abschließend heißt es in seinem Antwortschreiben: „Was dem Projekt sicher nicht hilft, sind ständig neue, oft abenteuerliche Mutmaßungen und umlaufende Gerüchte – von denen wir sicher nicht alle kommentieren werden!“

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