Deutscher Biographiepreis verliehen

Familien- und Zeitgeschichte kombiniert

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Karla Hofmann ist stolz auf ihre Biographie.

Dieburg - Jede Menge Zeitungsartikel, Fotos, Briefe und Tagebuchaufzeichnungen aus einer vergangenen Epoche. Das alles hat Karla Hofmann für ihre Biographie „Sein und Zeit gehören zusammen“ zusammengetragen. Dafür wird sie im September mit dem Biographiepreis belohnt. Von Konstanze Löw 

Stolz streicht Karla Hofmann über den Einband ihres 96 Seiten umfassenden Buches. Der Titel „Sein und Zeit gehören zusammen“ sei dabei inhaltgebend. „Es geht um das Schicksal einer Unternehmerfamilie in der DDR, das eng mit den politischen Verhältnissen verwoben ist“, fasst Hofmann zusammen. „Es geht um meine Familie“, fügt sie hinzu, aber deren Schicksal treffe auf viele andere DDR-Bürger zu. Karla Hofmann wurde 1940 in Radeburg bei Dresden geboren. In ihrer Biographie schreibt sie über das Leben ihrer Familie in der DDR: Über ihren Vater, einem zunächst erfolgreichen Unternehmer, der durch die Repressalien des Staates erst das Familienvermögen und später seine Gesundheit verlor. „Er musste sich sogar öffentlich dafür bedanken, dass seine Firma ein Volkseigener Betrieb wurde“, sagt Hofmann ungläubig.

In ihrem Buch berichtet die Dieburgerin außerdem von den Einschränkungen, die die Menschen in der DDR erleiden mussten. und schließlich vom Mauerbau und von der Wiedervereinigung. Die erlebte Hofmann in Dieburg, denn bereits mit 19 Jahren ging sie in den Westen. „Ich bin hier zu Hause“, sagt sie mit einem Lächeln im Gesicht. Doch schon immer habe sie Interesse an Geschichte gehabt, Stammbäume angelegt, die eigene Familiengeschichte verfolgt. Als 2010 ihr Bruder starb, bekam sie bei der Beerdigung einen Stapel mit Tagebucheinträgen, Unterlagen und Fotos in die Hand gedrückt. Die lagen bis dahin auf dem Dachboden des Bruders. Für Hofmann stand dann fest: „Jetzt muss ich aktiv werden, muss alle Dokumente anschauen und zusammentragen“. Vier Jahre arbeitete Hofmann an dem Werk. Immer mal wieder, denn man könne nicht alles auf einmal machen. „Manches muss man sacken lassen“, fügt sie nachdenklich hinzu.

Bei ihrer Arbeit stieß sie auf persönliche Dokumente und Tagebucheinträge. „Ich habe vieles gelesen, was ich selbst vorher gar nicht über meine Familie wusste“, sagt Hofmann. Zusammen mit einer Lektorin brachte sie die Texte und Dokumente dann in Buchform. Heute profitieren ihre Familie und Bekannte von dem Werk. „Wenn sich keiner hinsetzt und alles Infos zusammenträgt, geht ein Stück Geschichte verloren.“ Hofmann betont außerdem, dass es nicht um ihre persönliche Familiengeschichte gehe, sondern auch darum, ein Stück jüngerer Historie festzuhalten. „Es ist zwar eine traurige Erzählung, aber es ist nun mal Zeitgeschichte“, sagt sie. Neben Beschreibungen vieler schwieriger Bedingungen in der DDR hält das Buch zudem einige Geschichten bereit, die neben Kopfschütteln auch ein Schmunzeln entlocken. Hofmanns Tante und Mutter zum Beispiel duften einmal pro Jahr zum Besuch nach Dieburg kommen. „Meiner Tante wurde dann für einige Jahre der Besuch verweigert, weil sie den Daheimgebliebenen zu positiv vom Westen und von Dieburg erzählte“, so Hofmann. Auch Traditionelles kommt in dem Buch nicht zu kurz: Eine Seite ist dem Dresdner Stollen gewidmet, ein Rezept ist abgedruckt. „Ich erinnere mich daran, wie meine Oma früher Stollen gebacken hat. So leckeren habe ich nie wieder gegessen“, erzählt sie von den guten Zeiten.

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